Garagen Biennale, Buchbach, September 2026

Kunst in der Garage

Das Organisationsteam der Garagen Biennale: Claudia Holzinger, Jonah Gebka, Laura Osbild und Laura Michèle Kniesel (von links). Foto: PR/Garagen Biennale

Kunstausstellung in Buchbach

Ende September findet ein außergewöhnliches Kunstevent in Buchbach im Landkreis Mühldorf am Inn statt: Dann verwandeln sich private Garagen in der 3000-Seelen-Gemeinde in Kunsträume mit Werken internationaler Künstler.

Kunst in einer Garage zeigen? Warum denn nicht? Denn sie dort zu sehen, wo man sie gar nicht erwartet, eröffnet spannende Perspektiven. „Wir wollen eine ungewöhnliche Verbindung von zeitgenössischer Kunst, privatem Raum, Architektur, Nachbarschaft und dem alltäglichen Leben eines oberbayerischen Ortes schaffen“, sagt das vierköpfige Organisationsteam des Events, das aus Claudia Holzinger, Jonah Gebka, Laura Michèle Kniesel und Laura Osbild besteht. „Wir kommen alle aus unterschiedlichen Bereichen – Bildende Kunst, Fotografie, Malerei und Kunstvermittlung – und diese verschiedenen Blickwinkel machen die Garagen Biennale aus“, sagen sie.

Lesetipp: Nachruf auf Yayoi Kusama – Polka Dots erobern die Welt

Die Idee dazu kam Claudia Holzinger beim Joggen durch ihren Heimatort Buchbach, wo sie aufgewachsen ist: „Mir ist aufgefallen, wie viele Garagen es dort gibt und wie viel Platz darin ist, wenn kein Auto drinsteht“, sagt sie. Warum diese Orte nicht für Kunst öffnen, dachte sie sich und überzeugte ihre Mitstreiter von diesem Projekt. Auch wichtige Unterstützer konnte das Team gewinnen: Das Projekt findet unter dem Dach von Verbindungslinien 2026 des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler Bayern mit Mitteln des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst statt und wird zusätzlich mit Geldern privater Sponsoren gefördert.

Werke von Matt Bollinger und Fotografin Yasmina Haddad

Am 19. und 20. sowie am 26. und 27. September sind etwa Arbeiten des US-Amerikaners Matt Bollinger zu sehen, der in New York lebt und aus seinen Gemälden Animationen kreiert. Er arbeitet oft autobiografisch und thematisiert seine Kindheit und Jugend im Mittleren Westen der USA. Für die Garagen Biennale will er den Garagenraum als Teil der Erzählung einbeziehen und die Dinge, die sich bereits darin befinden, in einen stillen Dialog mit seiner Kunst treten lassen.

Garagen Biennale, Buchbach, September 2026
Private Garagen wie diese im Bild verwandeln sich im September zu Kunsträumen. Foto: PR/Garagen Biennale

Etwas Besonderes entwickelt auch die in Beirut geborene Fotografin Yasmina Haddad, die in Wien lebt und an der Universität für angewandte Kunst Wien und an der HGK/FHNW Basel lehrt: eine ortsspezifische Arbeit, die den Raum in eine Bühne verwandelt und die Vorstellung davon, was Hintergrund und was Bild ist, neu verhandelt.

Performances und Workshops

Jacob Ott, der aus Dorfen stammt und in Basel lebt, tritt an beiden Wochenenden mit dem Ott Orchester auf, das improvisiert und durch Zuhören als Form des aktiven Mitwirkens einen flüchtigen Ausstellungsraum entstehen lässt. Eine Performance gibt es auch von der Fotografin Milena Wojhan aus München, die den Raum als Bühne nutzen und damit Fragen nach Mutterschaft, Produktivität und Ausbeutung aufwerfen will.

Garagen Biennale, Buchbach, September 2026
Das offizielle Plakat der Garagen Biennale. Foto: PR/Garagen Biennale

Die Deutsch-Japanerin Naho Matsuda aus München geht dagegen mit einer ganz anderen Idee für das Projekt an den Start: Sie veranstaltet einen Workshop für Kinder und Jugendliche aus dem Umfeld des lokalen Fußballvereins. Zusammen kreieren sie Fanschals als Medium für Selbstbehauptung, Kreativität und Gemeinschaft. Auch auf die Arbeiten von Alicja Pakosz, David Gebka, des Duos Hennicker-Schmidt, Krupski, der Kunst AG und Veronika Günther, die ebenfalls an der Garagen Biennale beteiligt sind, dürfen Besucher gespannt sein.

Kunst aus etablierten institutionellen Räumen herauslösen

Leitfragen, die sich die Macher und Künstler des Projekts stellen, sind: Was passiert, wenn Ausstellungsräume nicht von Institutionen vorgegeben werden, sondern aus dem privaten Alltag heraus entstehen? Wie verändert sich die Wahrnehmung der Kunst, wenn Besucher dafür durch ein Dorf und in die Garagen seiner Bewohner gehen müssen?

Beantworten lassen sich diese Fragen erst nach der Schau. Die Absicht, die hinter dem Projekt steckt, steht dagegen jetzt schon glasklar fest: „Die Garagen Biennale möchte Kunst aus etablierten institutionellen Räumen herauslösen und Begegnungen zwischen Künstlern und Besuchern ermöglichen“, bringt es Claudia Holzinger auf den Punkt und lädt alle herzlich dazu ein, dieses außergewöhnliche Kunstspektakel live mitzuerleben.

Garagen Biennale Buchbach, 19./20. und 26./27. September 2026, 84428 Buchbach, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Die offizielle Eröffnung findet am Samstag, den 19. September, um 14 Uhr im Hof hinter der Dorfner Straße 1 statt. Mehr Infos zum Programm unter garagenbiennale.de

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf