
Zwanzig Jahre Tegernseer Tanzlmusi – Heimatsound trifft auf die Welt
Die Tegernseer Tanzlmusi feiert heuer ihr 20-jähriges Jubiläum. Foto: Dominik Schachten
Sieben Männer, bayerische Leidenschaft und ein unverwechselbarer Sound: Die Tegernseer Tanzlmusi steht seit 20 Jahren für handgemachte Volksmusik mit Herz, Humor und ordentlich Wucht. Mit Flügelhörnern, Basstrompeten, Tuba, Gitarre und Steirischer bringen die Musikanten aus dem Tegernseer Tal jede Bühne zum Klingen.
Wer sie erlebt, spürt sofort: Hier wird nicht einfach Musik gespielt – hier wird bayerische Lebensfreude gelebt. Sie spielen auf dem Woodstock der Blasmusik und beim Oktoberfest, auf dem Waldfest, mit dem Oimara und sogar für Mick Jagger. Seit 20 Jahren ist die Tegernseer Tanzlmusi unterwegs – mit zwei Basstrompeten, einer Ziach und einer gehörigen Portion Heimatgefühl. Längst haben sie eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die weit über das Tegernseer Tal hinausreicht.
Ein Sommervormittag am Gsotthaber Hof mit Thomas Eberl, Flügelhornist und Bandleader: Aus den geöffneten Fenstern von Trachten Wiesner erklingen leise die Dampfgeräusche der Bügelstationen und vermischen sich mit dem Duft von Heu auf der Wiese neben dem Haus. Hier, zwischen Wallberg und See, zwischen dem Kutschenmuseum und dem Voitlhof, wird der Heimatbegriff greifbar, um den es Thomas Eberl geht, wenn er über Volksmusik und die Geschichte der Tegernseer Tanzlmusi spricht.

Die Tegernseer Tanzlmusi auf Gut Kaltenbrunn. Foto: Der Tegernsee, Thomas Plettenberg
Bereits 1930 fanden mit den von Kiem Pauli veranstalteten Preissingen vielbeachtete Sängerwettstreite am Tegernsee statt – Volksmusik hat hier eine lange Tradition. Sie spielt eine zentrale Rolle – von den See- und Waldfesten bis hin zum Rosstag, vom Hoagascht bis zur Musi auf der Alm. Auf die Frage, wie der Tegernsee klingt, antwortet Thomas Eberl: „Vom Oimara mit seinem Hit ‚Wackelkontakt‘ über das Internationale Musikfest mit hochkarätiger Klassik bis zur echten Volksmusik ist alles vertreten.“
Dass die Volksmusik, vor zwanzig Jahren noch teils belächelt oder in der professionellen Musikwelt gar verpönt, mittlerweile bei allen gut ankommt, hat für den Flügelhornisten einen klaren Grund: „Es ist generell ein Trend, wieder das zu schätzen, was man daheim hat. Das sieht man auch an dem Boom der Tracht, und zum Heimatgefühl gehört die Musik einfach dazu.“ Auch die großen Festivals wie das Woodstock der Blasmusik hätten einen Hype ausgelöst. „Da kommen etwa 100.000 Leute und feiern – das ist quasi Rock am Ring der Blas- und Volksmusik! Wahnsinn, was da abgeht. Wir sind jedes Jahr mit dabei.“
Gründung im Freundeskreis
„Wir waren damals schon ein Freundeskreis von Musikanten und haben in verschiedenen Musikgruppen gespielt“, erinnert sich Thomas Eberl. „Irgendwann haben wir gesagt: Lasst uns doch was zusammen machen!“ Es gab eine Findungsphase und einen fließenden Übergang, bis sie auf die heutige Besetzung gekommen sind. „Dass es menschlich sehr gut passt, ist fast noch wichtiger, als perfekte Musik zu machen, weil wir so viel Zeit miteinander verbringen.“
Die ersten Noten für das Zusammenspiel haben sie 2006 arrangiert. „Wir haben angefangen, mit zwei Basstrompeten zu spielen – das ist etwas ungewöhnlich und grenzt uns von den klassischen Tanzlmusik-Besetzungen ab“, so der Musiker. Dadurch spielen sie nicht nur die bayerische alpenländische Volksmusik, sondern auch die Stilistik eines Ernst Mosch aus der böhmischen Blasmusik und gehen in die Oberkrainer-Richtung. „Wir sind so in der Volksmusik sehr breit aufgestellt.“ Ist das ihr Erfolgsgeheimnis? Thomas Eberl lacht: „Warum das Ganze so erfolgreich ist, ist uns manchmal selbst ein Rätsel…“

Tegernseer Tanzlmusi beim ‚Bierle in da Sun Festival‘ 2026. Foto: Der Tegernsee, Thomas Plettenberg
Fans und Freunde haben sie mittlerweile auch viele in der Szene der professionellen klassischen Musiker, die ab und zu aushelfen, wenn Not am Mann ist, beispielsweise vom Gärtnerplatz-Theater oder der Staatsoper München. Ein großer Fan ist auch Mick Jagger! Zwar dürfe er nicht verraten, wie es genau dazu kam, dass sie zu dessen Geburtstag in einem Düsseldorfer Hotel ein Ständchen gespielt haben, „aber wir sind ganz gut vernetzt“, schmunzelt Thomas Eberl. „Mick Jagger hat es in seinen Social-Media-Kanälen gepostet – und danach hat sich die Presse auf uns gestürzt.“
„Bierle in da Sun Festival“ mit dem Oimara
„Wir kennen den Oimara seit der Kindheit, wir sind ja quasi alle ein Jahrgang“, erzählt der Musikant. „Er macht zwar ganz andere Musik, aber ihm gefällt auch, was wir machen“. Für das Festival auf Gut Kaltenbrunn sei das auch eine super Mischung gewesen: „Zu Beginn der traditionellere Part mit unserer Musik, dann ging’s weiter mit dem Oimara.“ Es herrschte Megastimmung, und mit etwa 6.000 Leuten war es das größte Festival, das das Tegernseer Tal bisher gesehen hat. Es wird nächstes Jahr wieder stattfinden, und die Tegernseer Tanzlmusi ist auch wieder mit am Start.
Alle arbeiten neben der Tanzlmusi in ihren Berufen. Thomas Eberl beispielsweise ist Musiklehrer für Blechbläser an der Musikschule Tegernseer Tal. Die Familien halten ihnen den Rücken frei, verzichten auf gemeinsame Wochenenden und akzeptieren, dass der Sommer für die Tanzlmusi Hochsaison bedeutet. Thomas Eberl formuliert es daher auch manchmal so: „Das Geld, das wir mit der Musik verdienen, ist ja nicht fürs Musikmachen – das machen wir gerne. Wir werden für die Zeit bezahlt, die wir nicht mit unseren Familien verbringen.“
20 Jahre – und noch lange nicht Schluss
Das Jubiläum selbst wurde im Juni am Niemandsbichl in Ostin gefeiert. Ein großes Festzelt, viele Helfer, Freunde und Wegbegleiter – und Musiker, die nicht nur auf der Bühne standen, sondern selbst Hand anlegten. Vom Zeltaufbau über die Kasse bis zum Bierausschank stemmte die Gruppe das Fest gemeinsam mit ihren Freunden. 20 Jahre sind eine lange Zeit. Aber noch lange nicht lang genug, um die Ziach einzupacken. Denn wenn sieben gestandene Männer mit Flügelhörnern, Basstrompeten, Tuba, Gitarre und Ziach loslegen, dann wird aus Heimat plötzlich ein Sound, der auch dort funktioniert, wo niemand weiß, was ein Hoagascht ist.