
Countdown für die Wiedereröffnung der „Gotzinger Trommel“
Am Wochenende bei Sonnenschein lässt es sich gut im Wirtsgarten aushalten. Foto: Katja Klee
Ein Besuch bei den Wirtsleuten in Gotzing
Noch umgibt ein Bauzaun das historische Gasthaus, doch die Renovierung läuft auf Hochtouren. Die neuen Wirtsleute Maria und Fabian Diem hoffen auf eine Eröffnung noch in diesem Jahr. Bis dahin findet im gemütlichen Salettl nebenan die ein oder andere Kleinkunstveranstaltung statt und am Wochenende bei schönem Wetter kann man im Wirtsgarten kühle Getränke und kleine Speisen genießen und sich gemeinsam mit den Diems über das freuen, was an diesem wunderschönen Ort entsteht.
Ein Kleinod im Dornröschenschlaf
Schon seit einigen Jahren war es still geworden um die Traditionswirtschaft „Gotzinger Trommel“ am Taubenberg. Hans Triebel, der das Gasthaus mehr als 20 Jahre teilweise etwas extravagant geführt und damit den ein oder anderen Gast sogar vergrault hatte, musste altersbedingt aufgeben. Wie sollte es nun weitergehen mit dem ortsbildprägenden historischen Gebäude, das in die Jahre gekommen war und dessen Küche mit dem großen Holzherd in der Mitte nicht mehr den heutigen Standards entsprach? Würde sich jemand an das Projekt wagen? Eine schnelle Lösung zeichnete sich nicht ab. Das Kleinod am Taubenberg schien in einen Dornröschenschlaf zu verfallen.
Die Traditionswirtschaft
Seit 1863 wurde in dem Gebäude eine Schankwirtschaft betrieben. Im Jahr 1897 kaufte die Stadt München das „Gasthaus Gotzinger Trommel“, wechselnde Pächter waren hier tätig und hatten meist ein gutes Auskommen. Denn nicht nur die Bewohner der umliegenden Höfe und des heute verschwundenen Orts Unterthalham kehrten dort ein, sondern auch die Münchner Sommerfrischler, die mit der Bahn bis zur Station Thalham fuhren und dann auf den Taubenberg hinaufspazierten. Der schöne Platz zog immer schon die Leute an und anlässlich des 80. Geburtstags des Prinzregenten Luitpold im Jahr 1901 wurde im Wirtsgarten ein Brunnen errichtet und die danebenstehende Linde gepflanzt.
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Der Heimatforscher Sepp Hatzl aus dem nahegelegenen Ort Bruck entdeckte das über die Jahre zugewucherte Denkmal und veranlasste im vergangenen Jahr die Restaurierung. Pünktlich zum 125-jährigen Bestehen fand heuer im März eine Feier statt – schon bei dieser Gelegenheit gaben Maria und Fabian Diem ihren Einstand als zukünftige Wirtsleute der „Gotzinger Trommel“. Die zahlreichen Festgäste aus der Umgebung zollten ihnen Lob und Anerkennung für ihr Vorhaben.

Noch ist die „Gotzinger Trommel“ eine Baustelle. Foto: Katja Klee
Die Suche nach einem geeigneten Betreiber war für die Stadt München als Eigentümer und die Graf-Arco-Brauerei als aktueller Pächter bestimmt nicht leicht gewesen. Denn es stand außer Frage, dass das denkmalgeschützte Wirtshaus mit großem Aufwand generalsaniert werden musste. Das bedeutete hohe Kosten und keine einfachen Verfahrensprozesse. Und es galt, Wirtsleute mit Kreativität, Liebe und Wertschätzung für Altehrwürdiges sowie Phantasie und Visionen zu finden – genau das scheint mit Maria und Fabian Diem gelungen zu sein. Maria Diem kennt den Wirtshausbetrieb von zuhause. Fabian Diem, der an der Kunstakademie München Bildhauerei studierte, kann ihre gemeinsam entwickelten Ideen auch praktisch umsetzen. Und beide eint Freude an der Arbeit, am Umgang mit Menschen und an den schönen Dingen des Lebens.

Blick in den Biergarten und das Nebengebäude mit Salettl. Foto: Günther Lautenbacher
Das jedenfalls ist der Eindruck, der sich sofort einstellt, wenn man neugierig und erwartungsvoll auf einer der schönen und zweckmäßigen Bierbänke im großen Biergarten vor dem Salettl Platz nimmt. Maria begrüßt herzlich und freundlich, ist offen für ein Gespräch, aber nicht aufdringlich, und serviert Getränke und Speisen mit Anmut und Charme. Fabian bereitet in der klitzekleinen Küche alles vor. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Bier ist kühl, der Eiskaffee aus starkem Kaffee und bestem Eis zubereitet, die Kuchen schmecken fein und rein. Wer es herzhaft mag, kann aus dreierlei üppig belegten Vinschgerln wählen. Das Backwerk stammt aus der Miesbacher Naturbäckerei König und zu Bergkäse, Kaminwurz oder Südtiroler Speck kommt etliches Grünzeug aufs Laiberl. Auch ein Insalata Caprese oder ein Rinder-Carpaccio werden serviert. Alles ist schön angerichtet und schmeckt köstlich.

Das liebevoll hergerichtete Salettl bietet neben der Bühne mit professioneller Licht- und Soundanlage ideale Bedingungen für Veranstaltungen. Foto: Günther Lautenbacher
Schon jetzt kommen zahlreiche Gäste, die sich von der umliegenden Baustelle nicht abstoßen lassen: Zum einen die Lauf- bzw. Radlkundschaft, die sich über die unerwartete Einkehrmöglichkeit nach dem steilen Anstieg bis Gotzing freut. Zum anderen ziehen die umtriebigen Wirtsleute, die in der Kulturszene gut vernetzt sind, durch ihre Veranstaltungen im liebevoll restaurierten Salettl ein neues Publikum an: Bei einem unserer Besuche trafen wir Luky Zappatta aus der bayerischen Kriminalkomödie „Pension Freiheit“ (2012), ein „Freund des Hauses“ aus dem Tegernseer Tal, wie er sagt. Wenig später rollten rund 30 wunderschön herausgeputzte Oldtimer der Marke „Opel“ mit ihren stolzen Fahrern aufs Gelände. Sie waren auf Rundfahrt durchs Oberland unterwegs und machten Station im Biergarten. Maria Diem wies die historischen Automobile persönlich in den Parkplatz ein und bewies damit einmal mehr, dass sie das Motto „Bei uns ist jeder willkommen!“ ernst nimmt.

„Wie in der guten Alten Zeit“ – der Oldtimer-Club macht Station bei der „Gotzinger Trommel“. Foto: Katja Klee
Auch die Einheimischen freuen sich, dass die „Gotzinger Trommel“ bald wieder den Betrieb aufnimmt. Wenn alles nach Plan läuft, können sie noch heuer zum Stammtisch an einem der originalen Wirtshaustische aus der Zeit um 1900 zusammenkommen, die derzeit ins Salettl ausgelagert sind und nach der Renovierung wieder in der ursprünglichen Gaststube aufgestellt werden sollen.

Die originalen Wirtshaustische und Stühle sind derzeit ins Salettl ausgelagert. Sie stammen aus der Zeit um 1900, als die Stadt München das Wirtshaus kaufte. Die kunstvoll verzierten Stuhllehnen zeigen das Münchner Kindl. Foto: Günther Lautenbacher
Mit den Diems kündigt sich eine Wirtshauskultur an, die Geschichte und Traditionen aufgreift und offen für Neues ist – Gastfreundlichkeit im besten Sinne. Wir wünschen viel Erfolg!