DAV - Wandern im Karwendel

Wandern macht süchtig

Im Frühling ist das Grün fast unwirklich. Foto: iw

Wanderung im Karwendel

Wer sich schwierigere Bergtouren nicht allein zutraut, kann sich einer Gruppenwanderung über den Alpenverein anschließen – und gemeinsam macht es schließlich auch wesentlich mehr Spaß. Das bestätigen jedenfalls die sieben Frauen, die mit Carolin Machl von der Sektion Tegernsee im Karwendel zwischen Fall und Eng unterwegs waren – inklusive zweier Hüttenübernachtungen. Voraussetzung ist lediglich die Mitgliedschaft beim DAV.

Frühsommerliches Wetter, hunderte Gämsen, tiefblauer Enzian so weit das Auge reicht und aus jeder Himmelsrichtung der Ruf des Kuckucks – schöner konnte die Tour kaum sein. Vor allem aber hat Carolin Machl, Geschäftsführerin der DAV-Sektion Tegernsee, eine abwechslungsreiche Route geplant: mit traumhaften Ausblicken, zwei tollen Hütten und kleinen technischen Herausforderungen, die gemeinsam zu meistern alle Frauen schließlich auch stolz machte. Dass sich am Ende eine reine Frauengruppe zusammenfand, erwies sich als schöne Fügung.

Carolin Machl vom DAV kennt alle Gipfel
Carolin Machl vom DAV kennt alle Gipfel. Foto: iw

Startpunkt der Tour war ein Wanderparkplatz am Sylvenstein-Stausee. Durch das Krottenbachtal ging es zunächst recht flach entlang einer Forststraße, dann weiter am Krottenbach entlang, vorbei an Wasserfällen und später durch Wälder stetig steiler hinauf zum idyllischen Delpssee. An den Hängen des Delpsjochs grasten unzählige Gämsen, als es schließlich über Wildblumenwiesen hinauf zum ersten Tagesziel ging: der Tölzer Hütte, die malerisch unterhalb des Schafreiters liegt. Später ging es, gestärkt mit einem Stück Kuchen, noch weiter hinauf auf den Delpsjochgipfel. Mit seinen 1.945 Metern ist er nur eine Viertelstunde Fußweg von der Alpenvereinshütte entfernt und belohnt mit einer traumhaften Aussicht. Nach etwa zwölf Kilometern und 1.250 Höhenmetern war das Tagwerk geschafft und die Frauengruppe konnte sich dem gemütlichen Teil des Tages widmen – den leckeren Knödelvariationen aus der Küche von Andrea und Benno, dem Hüttenwirtspaar.

DAV Hütte: Tölzer Hütte
Blick auf die Tölzer Hütte, darüber der Schafreiter. Foto: iw

Nach der Nacht im gemütlichen Lager und dem Frühstück auf der Sonnenterrasse ging es am nächsten Morgen um acht Uhr weiter über die Ochsentalalm hinauf zum Fleischbanksattel und anschließend im Schatten von Hölzelstaljoch und Grasbergjoch über den Kesselboden in Richtung Ziel des zweiten Tages, der Plumsjochhütte. Entlang steiler Hänge, durch kleine Schnee- und Geröllfelder, durch Latschenbereiche und teils seilversicherte Passagen führt der Weg durch alpines Gelände. Auch die eine oder andere Kraxelei ist dabei. Schließlich erreichte die Gruppe den Gipfel des Kompar auf 2.011 Metern – mit einer beeindruckenden Aussicht auf die markante, schroffe Mondscheinspitze und die Gipfel des Karwendels bis hinüber zu den Hauptalpenkamm.

DAV-Wanderung zur Plumsjochhütte
Die Plumsjochhütte ist umgeben von schroffen Gipfeln. Foto: iw

Auf der Plumsjochhütte, die auf Tiroler Seite auf 1.650 Metern liegt, warteten schließlich ein zünftiges Abendessen und sogar eine heiße Dusche – nach einer Wanderung von knapp 18 Kilometern Länge und rund tausend Höhenmetern. Glück und Zufriedenheit ließ an dem Abend die Gesichter aller acht Frauen leuchten. Caro Machl war auch deshalb froh, weil alles gut geklappt und sich niemand verletzt hat, und ihre Wandergruppe war stolz auf das Erreichte und voller Eindrücke von der vielfältigen Landschaft: Die prächtigen Almblumen, die Gämsen mit ihren Kitzen, die flink durch die Geröllfelder klettern, und die abwechslungsreichen Wege, Steige und Bergpanoramen.

DAV Kartenmaterial
Carolin Machl weist auf Vor- und Nachteile unterschiedlichen Kartenmaterials hin. Foto: iw

Die Tour entspricht einer „T3“-Schwierigkeit, erklärte Carolin Machl nach dem Abendessen in der Plumsjochhütte. Sie erläuterte anhand der Karte noch einmal die Tour und verglich Wanderkarten in unterschiedlichen Maßstäben und verschiedene digitale Karten miteinander, allem voran die Alpenvereins-App. „Der Vorteil der DAV-Karten ist, dass man anhand der Höhenlinien eine realistische Geländeformation erkennt: wo ist Fels, wo ist das Gelände steil“, erklärt die Bergführerin. „Das sieht man bei Komoot oder OpenStreetMap nicht, genau darin liegt eine große Gefahr.“ Allerdings müsse man Karten auch lesen und richtig deuten können – die Geologie und Höhenlinien, die Wegebeschaffenheit. Und dazu hatte sie zahlreiche Tipps parat.

Wie war der Weg und wie geht es mir?

Am nächsten Morgen ging es nach einem üppigen Frühstück mit Aussicht auf die Berge gegen acht Uhr weiter zum dritten Etappenziel und Ende der Hüttentour: dem Großen Ahornboden in Eng. Dort saßen noch einmal alle beisammen und genossen Buttermilch, Kaffee und Kuchen mit Blick auf die fast unwirklich grünen Wiesen und Ahornbäume. Alle fassten ihre Eindrücke noch einmal zusammen. „Wie war der Weg und wie geht es mir?“ – so lautete die Fragestellung.

Der Große Ahornboden in Eng
Der Große Ahornboden in Eng ist das Ziel. Foto: iw

Die Frauen waren sich einig: Es war ein rundum großartiges „Ich bin dann mal weg!“-Erlebnis – eine echte Auszeit vom Alltag, voller Eindrücke und Erinnerungen, von denen sich lange zehren lässt. Eine großartige Tour mit vielen Gipfeln, die aus Zeitgründen nicht alle erklommen werden konnten – und deshalb vermutlich bald zu neuen Touren locken. Vor allem aber hat sich die Gruppe gut angefühlt, man hat sich gut verstanden – rücksichtsvoll im Miteinander, interessiert aneinander und unterstützend.

Sicherheit am Berg

Für einige war es nicht die erste Tour mit Carolin Machl als Wanderführerin, und vermutlich für alle Frauen nicht die letzte. Deren ruhiges, wertschätzendes und entspanntes Wesen, gepaart mit Kompetenz und Sicherheit am Berg, begeisterte alle. Schließlich spielte auch Petrus mit: Erst nach dem Ende der Tour, als längst alle wieder zu Hause angekommen waren, brachte ein Gewitter den Wetterumschwung. Man braucht eben auch ein wenig Glück in den Bergen.

DAV Sektion Tegernsee - Geschäftsstellenleiterin Carolin Machl (vorn)
Glücklich auf dem Gipfel des Kompar (2.011m) – Carolin Machl (vorn) und ihre Wandergruppe. Foto: Carolin Machl

„Das Tourenprogramm bieten wir unseren Mitgliedern an, die sich schwierigere Routen nicht allein zutrauen oder einfach gern in der Gemeinschaft unterwegs sind“, erklärt Carolin Machl das Angebot des DAV. Eine gute Vorbereitung gehöre dazu. Das betreffe vor allem auch die Ausrüstung, zu der neben knöchelhohen Wanderschuhen, Stöcken und einer Gore-Tex-Wetterjacke auch eine Erste-Hilfe-Ausrüstung und ein Biwaksack gehören. Das Wetter könne bei einer solchen alpinen Tour jederzeit schnell umschlagen. Zudem seien Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Die Teilnehmenden sollten neben einer optimalen Ausdauer auch eine gewisse technische Erfahrung mitbringen.

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Der DAV gehört mit 1,6 Millionen Mitgliedern in 350 Sektionen zu den weltweit größten Bergsportverbänden. Zum Tourenprogramm der Sektion Tegernsee des DAV geht es hier.

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