
Historie und Fiktion
Sabine Eva Meier (Mitte) mit den Organisatorinnen der gmundart Pia von Miller und Irene Weidinger bei der Vorstellung von „Schuld und Schweigen“ im Jagerhaus. Foto: Maria Prenzel
Interview mit Sabine Eva Meier
Sabine Eva Meier hat sich mit ihren vier Krimis „Ladies of the front row“ einen guten Namen gemacht. Dabei geht es um vier ermittelnde Freundinnen, die bei ihren traditionellen Städtereisen Morde aufklären. Jetzt stellte sie im Rahmen der gmundart ein neues Buch vor, das im Landkreis Miesbach spielt.
MZ: Gibt es Luise, Cosima, Thea und Mia noch und werden sie auch weiter ermitteln?
SEM: Ja, die Reihe der „Ladies of the front row“ wird weitergeführt, ein fünftes Buch „Codex Umbra“, das in Quedlinburg spielt, soll dieses Jahr erscheinen.
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MZ: Aber in Ihrem aktuellen Buch „Schuld und Schweigen“ haben Sie einen Tegernsee-Krimi ohne ihre ermittelnden Freundinnen geschrieben.
SEM: Das wird eine zweite Reihe, die ich „Mord(s)Miesbach genannt habe. Ich wurde in den letzten zwei Jahren immer wieder angesprochen, ob ich nicht mal einen Krimi von hier schreiben könne.
MZ: Die andere Reihe spielt ja in Nordbayern, von Nürnberg bis Rothenburg ob der Tauber.
SEM: Der Hintergrund ist, dass ich mit meinen drei Freundinnen einmal im Jahr eine Städtereise mache und ich schreibe dann darüber, was wir erkunden.
MZ: Und jetzt also ein Tegernsee-Krimi. Machen Sie Andreas Föhr oder Martin Calsow damit Konkurrenz?
SEM: Ich habe lange überlegt, ob ich einen Regionalkrimi schreiben will, denn es gibt sie ja schon lange: Andreas Föhr, Jörg Maurer, Rita Falk. Mich hat dann der Gedanke bewogen, dass ich einen anderen Stil schreibe. Der Tegernsee-Krimi geht in eine andere Richtung.
MZ: Was ist Ihr Hintergrund?
SEM: Ich verknüpfe vergessene Mythen und Legenden mit einem fiktiven aktuellen Mordfall. Es geht um das Vergessen, um Schuld, Selbstjustiz und kollektives Wegsehen.

Cover von „Schuld und Schweigen“. Foto: Alliteraverlag
MZ: Und was für Ermittler gibt es bei Ihnen?
SEM: Da ist der Polizeiobermeister Beni Meihammer in Bad Wiessee, mit Bernhardinerhündin Lotte, der fest im Tal verwurzelt ist. Sein Gegenspieler bei der Kripo Miesbach ist der adlige Konrad von Trettlach und die beiden sind sich nicht grün.
MZ: Der erste Fall spielt in Gmund?
SEM: Es geht um den historischen Fall des Revierjägers Mayr, der im 19. Jahrhundert im Jagerhaus Gmund lebte. Er war vom König angestellt und soll wild mit Wilderern umgegangen sein. Angeblich wurde er von Wilderern in einen Hinterhalt gelockt und am Grund erschlagen. Dort gibt es ein Mahnmal und dort wird ein Erschlagener gefunden.
MZ: Hat dieser Mord mit der alten Geschichte zu tun?
SEM: Ja, denn der True-Crime Podcaster Arno Grametter hat diesen alten Fall recherchiert und Beweise dafür gefunden, dass sich der Fall in die Jetztzeit zieht und dass drei Familien im Tal davon profitieren.
MZ: Echte Familien?
SEM: Fiktive Familien. An seiner Seite ist die Journalistin Lisa Wegner mit Wurzeln im Tal.
MZ: Wird daraus eine Lovestory?
SEM: Das ist eine Frage. (lacht)

Volles Haus. Foto: Maria Prenzel
MZ: Gibt es schon einen zweiten Fall in der Reihe „Mord(s)Miesbach“?
SEM: Ja, der hängt in der Warteschleife. Da geht es um das Haberfeldtreiben, ein brandaktuelles Thema, denn auch heute stehen Menschen mit Fackeln vor den Häusern von Politikern. Solche Themen beschäftigen mich.
MZ: Was passiert bei diesem Fall?
SEM: Während eines Festes der Haberer in Miesbach wird ein maskierter Toter gefunden. Im Buch wird die Geschichte der Haberer aufgerollt und die Frage gestellt, was der Tote damit zu tun haben könnte.
MZ: Wann wird dieses Buch erscheinen?
SEM: Es ist in der Pipeline. Der Verlag wartet ab, wie sich „Schuld und Schweigen“ verkauft.
MZ: Wie war das Feedback bei der Lesung im Jagerhaus im Rahmen der gmundart?
SEM: Es war toll, super organisiert und die Lesung ist gut angekommen.

Erfolgreiche Lesung. Foto: Maria Prenzel