Das Skelett von Thomas Hasler ist ein wertvolles Bio-Präparat - jetzt ist "der größte Bayer" in seinen Heimatort zurückgekehrt

Zu groß für seine Welt?

Andreas Hasler, „Der größte Bayer“ ist wieder „dahoam“. Foto: Heimatfreunde im Jagerhaus, Maria Prenzel

Ausstellung am Tegernsee

An Größe mangelte es Thomas Hasler nicht. Der „Riese vom Tegernsee“ maß 2,35 Meter. 150 Jahre nach seinem Tod kehrt er an seinen ehemaligen Wohnort zurück – nach Gmund, ins Heimatmuseum im Jagerhaus. Nur ein paar Meter weiter hat er gelebt.

Dass die Sonderausstellung „Der größte Bayer“ zustande kommen konnte, sei ein Zufall gewesen, so Priska Büttel von den Heimatfreunden Gmund im Jagerhaus e.V. bei der Eröffnung vergangenen Freitag. Initialfunke war ein „kurzer Augenblick zwischen zwei Weißwürsten“ im Rahmen des Jubiläums 950 Jahre Gmund, im Gespräch mit Andreas Nerlich. Der Professor der Pathologie und Thomas-Hasler-Spezialist brachte, unterstützt vom Gmunder Archivar Beni Eisenburg, 2025 das Buch „Der größte Bayer und seine Familie: Leben und Leiden von Thomas Hasler, dem Riesen vom Tegernsee“ heraus. Seit mehr als 45 Jahren beschäftigt ihn der riesenhafte Bayer.

Prof. Andreas Nerlich erforscht Thomas Hasler seit 45 Jahren
Prof. Andreas Nerlich erforscht seit 45 Jahren Thomas Hasler und seine Lebensumstände. Foto: IW

„Man wüsste nichts über ihn ohne sein Skelett und die Untersuchung des Leichnams“, so Andreas Nerlich. Bei der Eröffnung der Ausstellung erläuterte er den etwa 50 Besucherinnen und Besuchern, wie viel die Wissenschaft von Thomas Hasler gelernt habe – technisch, medizinisch und auch über die Lebensumstände jener Zeit. Das sei in erster Hinsicht Thomas Hasler selbst zu verdanken: Der junge Gmunder habe bereits zu Lebzeiten seinen Leichnam der Wissenschaft vermacht. Die dafür erhaltenen 500 Gulden ermöglichten ihm ein Leben und Auskommen in seinem Heimatort, statt sich auf Jahrmärkten oder auf der Wiesn als Kuriosum zur Schau stellen lassen zu müssen.

„Heute hätte er geheilt werden können“

Haslers Größe – und Weitsicht – bestand letztlich auch darin, der Wissenschaft die Erforschung seiner seltenen Krankheit zu ermöglichen. „Heute hätte er geheilt werden können“, so Professor Andreas Nerlich. Aus seiner Sicht ist das Jagerhaus, das Thomas Hasler zu seinen Lebzeiten gut kannte, weil er nur wenige Meter entfernt in der Seestraße wohnte, nach 150 Jahren der richtige Platz, um an ihn zu erinnern.

Wie das jedoch aussehen könnte, darüber musste man sich zunächst erst einigen: „Es gab gute Gründe für – und auch gegen die Ausstellung“, erläuterte Priska Büttel bei der Eröffnung im Vortragsraum des Jagerhauses. „Was wollen wir zeigen und was sagen wir aus?“, waren die zentralen Fragen in vielen Diskussionsrunden während der Vorbereitungszeit. Gemeinsam habe man schließlich trotz unterschiedlicher Meinungen einen guten Weg gefunden. Insbesondere sei es Irene Weidinger gelungen, mit ihrem Ausstellungskonzept „den richtigen Griff“ zu tun. Sie habe das umgesetzt, was bei allen kontroversen Diskussionen im Vorfeld noch vage war.

Thomas Hasler trug Schuhgröße 54
Thomas Hasler trug Schuhgröße 54. Foto: IW

Die Rauminstallation im Obergeschoss mit dem Skelett des „größten Bayern“ zeigt sich nun ebenso wenig voyeuristisch wie das Plakat von Kommunikationsdesigner Uwe Göbel. Wichtig war den Ausstellungsmachern von Beginn an eine behutsame, respektvolle Präsentation des Menschen, dem es zu Lebzeiten gelungen war, ein relativ normales Leben ohne Zurschaustellungen zu führen. Große Fußabdrücke – Thomas Hasler trug Schuhgröße 54 – weisen den Weg ins Obergeschoss, sonst würde man ihn vielleicht gar nicht finden. Dort angekommen, bewegt man sich durch einen Parcours von Papierfahnen, die die sterblichen Überreste des vor 150 Jahren nur 25-jährigen Gmunders zunächst pietätvoll verbergen. Auf ihnen sind neben der bewegenden Lebens- und Leidensgeschichte von Thomas Hasler im Kontext der Zeit auch brennende Gedanken und Fragen zum Anderssein nachzulesen – damals wie heute.

„Jetzt ist er dahoam“

Thomas Hasler wurde aufgrund seines „gutmütigen Charakters“ und als „Sonderheit der Natur“ im Gmunder Dorfleben geschätzt, erfährt man. Auch seine enormen Kräfte waren für die Gemeinschaft hilfreich. Dennoch war er aufgrund seiner augenfälligen Erkrankung menschenscheu. Wichtige Fragen, die die drei Ausstellungsverantwortlichen Priska Büttel, Irene Weidinger und Uwe Göbel anbieten, sind beispielsweise: Wann ist jemand zu groß für seine Welt? Wie nimmt die Gesellschaft Anderssein wahr, konkret: Wie sieht dich die Gesellschaft? Noch bevor die Besuchenden zum eigentlichen Exponat der Ausstellung gelangen, sind sie eingeladen, sich Gedanken zu machen über die eigene Wahrnehmung von sichtbarem Anderssein.

Einen besonders bewegenden Moment erwähnte Priska Büttel noch in ihrer Eröffnungsrede: „Nachdem das Skelett Haslers auf der Empore stand, waren wir still und nachdenklich – da sagte Professor Nerlich sehr leise: ‚Jetzt ist er dahoam.’“

Uwe Göbel, Prof. im Kommunikationsdesign, schuf das Plakat
Prof. Uwe Göbel, Kommunikationsdesigner, schuf das Plakat. 

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Die Ausstellung „Der größte Bayer“ ist im Heimatmuseum Jagerhaus Gmund bis zum 27. März montags, freitags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Sie wird von zwei Vorträgen von Andreas Nerlich begleitet: „Wie groß wird ein Mensch?“ am 5. März und „Thomas Hasler und seine Familie“ am 19. März, jeweils um 18 Uhr. Das Buch „Der größte Bayer und seine Familie: Leben und Leiden von Thomas Hasler, dem Riesen vom Tegernsee“ von Andreas Nerlich ist im August 2025 beim Dreesbach Verlag erschienen. Es ist über das Museum oder im Buchhandel erhältlich.

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