
Mit dem Stahlross zum Tegernsee
Museumsleiter Edmund Schimeta hat eine Leidenschaft für die Eisenbahngeschichte am Tegernsee. Foto: iw
Ausstellung am Tegernsee
Es gibt etwas zum Feiern am Tegernsee: 125 Jahre Tegernsee-Bahn. Die Sonderausstellung im Museum Tegernseer Tal, die sich dem Jubiläum widmet, lässt Eisenbahngeschichte lebendig werden – besonders, wenn man sich einer Führung von Museumsleiter Edmund Schimeta anschließt.
Schon außen am Gebäude stimmen historische Signalzeichen auf die Ausstellung ein. Seit ihrer Eröffnung sei sie um weitere Exponate – alles Leihgaben bahnbegeisterter Einheimischer – angewachsen, erläutert Edmund Schimeta. „Das Thema Eisenbahn scheint alle zu begeistern“, so der Museumsleiter, „jeder verbindet eigene Geschichten und Erinnerungen damit“. Daher sind auch die donnerstäglichen Führungen immer interessant – er selbst erfahre dann immer wieder neue Details zur Geschichte der Tegernseer Bahn und freue sich über das rege Interesse der Besucher.

Die Besucherinnen dürfen die Modelleisenbahn fahren lassen. Foto: iw
Alles einsteigen, Türen schließen…
Mit einem kräftigen Schlag auf die Schaffnerglocke beginnt Edmund Schimeta die Führung durch die Sonderausstellung „Weichenstellungen – 125 Jahre Tegernsee Bahn“ im Museum Tegernseer Tal – oder lässt eine Besucherin kräftig läuten. „Alles einsteigen, Türen schließen“, und los geht’s auf eine Reise durch die Geschichte der Eisenbahn im Tegernseer Tal.
Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung der Bahnverbindung ins gesamte Oberland nach und zeigt zugleich, welchen Einfluss sie auf die Region hatte – nicht zuletzt begünstigt durch den Bergbau, wohin die Schienen wesentlich eher verlegt wurden als ins Tegernseer Tal. Zahlreiche historische Dokumente, Fotografien und Exponate vermitteln ein lebendiges Bild der damaligen Zeit. Möglich wurde die Schau durch viele private Leihgeber, deren Objekte den umfangreichen Bestand des Museums ergänzen.

„Aufsichtsratssitzung – Zutritt verboten“ – die Original-Stühle belegen, wie gediegen es bei den Herren im Aufsichtsrat der Tegernsee Bahn zuging. Foto: iw
Einen wichtigen Beitrag leistete dabei auch die Tegernsee-Bahn Betriebsgesellschaft (TBG). Sie öffnete dem Museum frühzeitig Keller und Lokomotivwerkstatt, um passende Ausstellungsstücke beizusteuern. So fanden unter anderem ein restauriertes Schild der ehemaligen Bahnhofswirtschaft, historische Eisenbahnmodelle sowie eine originale rote Waggon-Schlussleuchte ihren Platz in der Ausstellung.
Herbeigesehnt und abgelehnt – der Streckenbau war umstritten
Der Weg der Eisenbahn ins Tegernseer Tal wurde keineswegs von allen herbeigesehnt. Während etwa die Aiblinger Marmorwerke auf bessere Transportmöglichkeiten für den in Kreuth gewonnenen Stein hofften, lehnten andere das Vorhaben entschieden ab. Der „nicht so sehr technikaffine“ Prinz Karl und zahlreiche Villenbesitzer fürchteten den Ansturm der Sommerfrischler, die der idyllischen Ruhe im Tal ein Ende setzen würden. Letztlich setzte sich jedoch die Erschließung durch – und war ursprünglich sogar bis Kreuth und Bad Wiessee geplant, mit Haltestopps etwa am Bräustüberl und der Prinzenkapelle.

Blick in die Ausstellung zum 125. Jubiläum der Tegernsee Bahn. Foto: iw
Die Geschichte begann bereits 1857 mit der Eröffnung des ersten Bahnhofs in Holzkirchen. Die Züge der Maximilians-Bahn auf der Strecke zwischen Paris und Wien passierten damals das Oberland und ließen München links liegen. 1883 erreichte die Bahn schließlich Gmund. Mit dem Spatenstich im Jahr 1901 begann die Verlängerung nach Tegernsee. Am 1. Mai 1902 fuhr die Lokomotive „Otkar“ bei strömendem Regen und niedrigen Temperaturen mit dem ersten Zug in den Ort ein – benannt nach dem Abt und Begründer des einstigen Tegernseer Klosters.

Pünktlichkeit war schon vor 100 Jahren ein Thema – und an einer Tafel im Bahnhof angeschrieben. Foto: iw
Mit zahlreichen Anekdoten führt Edmund Schimeta mit Leidenschaft und Herzblut anhand der unzähligen Exponate und teils sogar Kuriositäten durch die Geschichte der Tegernseer Bahn. Besucher können über eine Karikatur der Aufsichtsräte, eine Resolution zum Bau einer elektrischen Straßenbahn nach Kreuth, Hinweise an Schwarzfahrer, historische Fahrkartenstempelmaschine und Telefonapparate schmunzeln – und die Züge einer Modelleisenbahn fahren lassen.

Dortmund – Tegernsee als komfortable Direktverbindung. Foto: iw
Ein Schild erinnert daran, dass es einst sogar eine Direktverbindung von Dortmund nach Tegernsee gab – ohne Umsteigen! … und viele interessante Details mehr. Die Ausstellung lässt sich gut individuell entdecken, aber am interessantesten ist doch eine Führung mit dem Museumsleiter. Dieser verrät auch manchmal, woher seine eigene Eisenbahnleidenschaft herrührt: Neben den ausgestellten Uniformen hängt ein Foto seines Großvaters Franz Xaver Drexler beim Rangieren einer Lokomotive.
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