
Affen hauen tierisch auf die Pauke
Tarzan zwischen zwei Welten. Foto: Nilz Boehme
Theater in Miesbach
Eine mitreißende Show mit einer spannenden Geschichte, eingängiger Musik, faszinierender Choreografie in einer authentischen Urwaldkulisse, das bot das Theater Liberi mit dem Musical „Tarzan – das Musical“ im Saal des Waitzinger Kellers in Miesbach. Kleine und Große waren begeistert.
„Tarzan soll bei den Affen bleiben, da ist es so lustig“, waren sich Max (7) und Fritz (5) in der Pause einig, als das noch gar nicht klar war, wie sich die dramatische Geschichte um den 16-jährigen Jungen im Dschungel entwickeln würde. Sie ist hinlänglich bekannt und wurde mehrfach adaptiert.
Lady und Lord Greystoke erleiden Schiffbruch, retten sich an Land, kommen offenbar ums Leben und ihr Säugling wird von Kala, einer Affenmutter angenommen und großgezogen. Dann trifft er auf Jane, die mit ihrem Vater, einem Forscher, und Olivia Clayton den Dschungel ergründen will. Jetzt prallen zwei Welten aufeinander und Tarzan muss sich entscheiden.
Das Theater Liberi hat die Legende von Tarzan in detailreichen Szenen umgesetzt, in denen das Publikum die Welt und die Gefühle sowohl der Tiere als auch der Menschen nachempfinden kann. So ist Kala (Alicia Wagner) eine besonders liebevolle Mutter, die Tarzan immer wieder das Gefühl gibt, dass er trotz seines anderen Aussehens zur großen Affenfamilie dazugehört.

Tarzan mit Affenmutter Kala und Affenvater Kerchak. Foto: Nilz Boehme
Kerchak (Dan Chamandy), der Affenvater indes, hat Probleme, dieses Menschenkind voll zu akzeptieren, zumal sein eigener Sohn verstorben ist. Diese ablehnende Haltung macht Tarzan zu schaffen.
Niklas Schinke spielt die Zerrissenheit das 16-Jährigen überzeugend, gefühlvoll und voller Dramatik und Akrobatik, wenn er über die Felsen springt und sich an Lianen herunterhangelt. Seine Freundin Tee (Emmi Cholewa) übertrifft ihn sogar noch in ihrer Lebendigkeit und Lebensfreude und reißt ihn immer wieder aus seinen Grübeleien heraus, wenn er sich die Frage stellt: Tarzan, wer bist Du? Raupen allerdings, die Tee genussvoll verspeist, lehnt er angewidert ab.

Tarzan mit Affenfreundin Tee. Foto: Nilz Boehme
Als er in einer verbotenen Höhle Gegenstande von Menschen, darunter eine Spieluhr und ein Foto, findet, ahnt er, wohin er gehört.
Und mit einem Knall erscheinen in der Dschungelwelt der Affen Menschen. Professor Porter (Oliver Kleppel), der nur in Halbsätzen spricht und das Publikum mit seiner Verrücktheit immer wieder zu Heiterkeitsausbrüchen reizt, will den Urwald erforschen. Dazu kostet er auch ungeniert mal Exkremente von Löwen.

Professor Porter, Olivia Clayton und Jane. Foto: Nilz Boehme
Seine Tochter Jane (Angelika Leichtfried) ist vom Dschungel begeistert und findet überall etwas zu entdecken und in ihrem Buch nachzulesen, während Olivia Clayton (Magdalena Echter) ganz andere Ziele hat. Als sie von Affen jagen und ausstopfen sowie von Urwald abholzen spricht, tönt es laut aus dem Publikum „Nein!“.
Die Handlung nimmt massiv fahrt auf, als Tarzan und Jane sich begegnen. Nach anfänglichen Verständigungsproblemen lernt Tarzan sehr schnell die Menschensprache und ist von Jane hingerissen. Andererseits aber ist auch die Affenfamilie sein Zuhause und in einem mitreißenden Tanz ist er ein Teil von ihr und sing mit: „Affen hauen tierisch auf die Pauke.“

Tarzan mit Jane und Tee. Foto: Nilz Boehme
Die Dramatik steigt nach der Pause als Clayton Tarzan erpressen will, Tarzan sogar auf seinen Affenvater losgeht und die Parole ausgegeben wird: Affen und Menschen gehören nicht zusammen. Dagegen aber steht immer wieder das Gute und die Liebe, so dass das Musical nicht nur für Augen und Ohren etwas zu bieten hat, sondern ebenso für Herz und Verstand.
Die Beziehung zwischen Jane und Tarzan ist beispielhaft dafür, sowohl einen Menschen in seiner Andersartigkeit als auch Tieren und der Natur in Offenheit und Freundlichkeit zu begegnen.
Mitreißende Melodien
Die Musik ist sowohl in den leisen Liedern als auch in den schnellen und lebhaften, rockigen Melodien mitreißend und einprägsam, von allen Mitwirkenden einfühlsam gesungen, während die Tänze spannungsgeladen über die Bühne gehen. Carolin Pommert hat das Musical, das an alle Mitwirkenden ordentliche Herausforderungen stellt, denn sie müssen als Affen ganz andere Bewegungen ausführen als als Menschen, gelungen inszeniert und choreografiert.
Begeisterter Applaus am Ende. Auf der Heimfahrt die Frage: Was hat Euch gefallen? Lapidare Antwort: Alles.
Zum Weiterlesen: Rumble in the Jungle – Book