Wo bleibt die Musik?

Schmidbauer & Kälberer unterwegs in Istanbul

Schmidbauer & Kälberer unterwegs in Istanbul. Foto: Till Jenninger

Konzert in Miesbach

…wir sind doch alle da zum Momente sammeln

Und so spielen sie vor ihren Fans, die letztes Jahr bis nach Verona gereist sind zum großen Finale der „SÜDEN“-Tour, die mit glänzenden Augen und klatschenden Händen nicht genug bekommen können von den alten und neuen Liedern, vom „Momentensammler“ bis hin zur Hommage an Istanbul. Denn das ist die neue Scheibe. Ein Loblied auf die Musik, die Schmidbauer und Kälberer in Istanbul gefunden haben, die sie aufs Neue erfrischt hat und inspiriert. Die Reise nach Istanbul hat ihnen Kraft gegeben nach der wunderbaren, aber auch erschöpfenden „Süden“–Tour: knapp 100 Konzerte in einem Jahr mit dem großen, finalen Erfolg in der ehrwürdigen Arena vor 12.000 Zuhörern. Der Höhepunkt, dem auch ein Lied gewidmet ist „Lass uns feiern“. Ein ruhiges Lied, resümierend, nachdenklich.

Menschen strömen und ich ströme einfach mit

So fragt „Wo bleibt die Musik?“ danach, wohin heute bei uns die Straßenmusiker verschwunden sind, das Pfeifen, die Lieder auf den Gassen, in den Bars und Kneipen, auf den Beerdigungen. Istanbul ist voll davon, ein Rausch von Musik quer durch alle Welten. Schmidbauer hat eine kleine Gitarre dabei, Kälberer kauft spontan eine Trommel, und so spielen sie mit den Musikern auf den Strassen, im lebendigen Wirrwarr zwischen Orient und Okzident, am Bosporus. Und dann geht es mit der neuen Platte ganz schnell. Plötzlich finden sich kleine Melodien, die zu Liedern wachsen und Texte, die jahrelang im Kopf versteckt waren, brechen hervor. Aus der Pause, die nach „Süden“ kommen sollte, entsteht neue, kraftvolle Musik.

Experimentelle Musik von unheimlicher Klangwirkung

Instrumentenjongleure sind sie, das Equipment ist beachtlich und nahe beieinander sitzen können sie nicht auf der Bühne, weil jeder umringt ist von einer Vielzahl von Instrumenten, auf denen abwechselnd gespielt wird. Die Energie fließt zwischen ihnen wie ein starkes Band, eine wunderschöne Harmonie und die Freude am gemeinsamen Improvisieren, am Ausprobieren neuer Musik. Da ist beispielsweise die „Hang“-Trommel, ein von zwei Schweizern entwickeltes Musikinstrument, das wie ein geräumiger Doppelwok aussieht und dessen Metallkörper Martin Kälberer erstaunliche, wunderbare Klänge entlockt. „Und wisst Ihr, was das Instrument gedacht hat, als der Martin es gekauft hat?“ – „Glück g´habt!“ Das ist auch der Titel eines anderen Liedes, dem die Kalimba in Kälberers Händen mit ihrem unverwechselbaren Klang die Aura aneinandergereihter Glücksmomente verleiht. Lieder erklingen übers Älterwerden, Liebe und Verbundenheit, das Besinnen drunten am Fluss und natürlich die „Felder voller Gold“ hinter Oabling…


Schmidbauer & Kälberer „Wo bleibt die Musik?“ – Cover. Foto: Till Jenninger

„Sie kumman ausm Süden, sie ham überhaupts koa Wahl.“

Und dann Afrika! Werner Schmidbauer hat ein Jahr in Kenia gelebt. Der Puls des dortigen Lebens schlägt noch in seinen Adern, und ein großer Respekt ist geblieben vor den Menschen, gleichwohl den schönen Erinnerungen. Schon während der Süden-Tour wurde eine Initiative ins Leben gerufen: Ein Spendenaufruf für die Flüchtlinge „aus dem Süden“. Ihnen ist ein Lied gewidmet auf der letzten Scheibe, es heißt „Die ganz große Kunst“. Die Idee dazu war bereits entstanden nach den ersten Flüchtlingskatastrophen vor Lampedusa und nun steht das Lied auf der Homepage zum kostenlosen Download. Es lädt dazu ein, sich Gedanken zu machen, wie eine gemeinsame Zukunft aussehen könnte, mit den Flüchtlingen – hier bei uns: “Wir können nur noch wachsen durchs kleiner werden, können reicher werden nur noch durchs geben.” Die Spenden gehen an das Konto des Münchener Flüchtlingsrates.

Aufgebn werd erst ganz am Schluss

Ja und dann Nelson Mandela. Ihm ist ebenfalls ein Lied auf der neuen Scheibe gewidmet, in Bairisch und Swahili. Kraftvoll ist das Lied und froh. Obwohl es unmittelbar nach dem Tod Mandelas entstand, ist es kein trauriges Lied. Es ist ein Lied voller Respekt, Hochachtung, Bewunderung und bejahender Lebensfreude, für einen Mann, dem Werner Schmidbauer und Martin Kälberer größten Respekt zollen. Ein Lied, dass dem Publikum einiges abverlangt, nämlich Swahili zu singen. Aber der Plan geht auf. Nelson Mandela ist ein Vorbild, ein Mensch, der nach 27 Jahren Gefängnis nicht voller Hass war, sondern sprichwörtlich „tanzend“ dem Regime getrotzt hat und nach seiner Freilassung weise und lächelnd regiert hat, mit Klugheit und Liebe. „Du warst für uns einer von den Echten, von den Gerechten… mit Dir war die Welt heller und wärmer, und jetzt, wo Du fort bist, san mer oiwei ärmer.“

Und überhaupt, „Oiwei“, immer wieder dieses wunderschöne Wort. Werner Schmidbauer, er gehört zu den Hütern des bairischen Wortschatzes. Ja und so geht auch dieser grandiose Abend seinem Ende entgegen. Es ist kein Grande Finale wie in Verona. Es ist ein neuer Abend, eine neue Tour, neue Hoffnung, neue Gedanken, Ideen, neue Lieder und auch alte. Sogar eines aus den achtziger Jahren, aus einer Zeit, als man Kassetten „zurückspuiln“ musste, um das Lieblingslied noch einmal zu hören.

Sie sind sich treu geblieben, und sie überraschen immer wieder aus Neue. Am Ende will sie keiner gehen lassen. Jedes Finale ist ein kleines Grande. Darum sind sie immer ausverkauft.

 

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