Olaf Gulbransson Gesellschaft, Michael Beck, Sonja Still, Sandra Spiegler

Rekorde, Turbulenzen und „Zero“ im neuen Jahr

Sonja Still, Sandra Spiegler und Michael Beck im Gulbransson Museum. Foto: CS

Jahrespressekonferenz in Tegernsee

Das Olaf Gulbransson Museum blickt auf ein erfolgreiches und zugleich turbulentes Jahr zurück: mit Besucherrekorden und Tiefschlägen. Im neuen Jahr will das kleine Museum in Tegernsee wieder mit hochkarätigen Ausstellungen und spannenden Formaten das Publikum begeistern.

Über 19.400 Besucher zog die Schau „Picasso, Turner, Beckmann – Geschichten, die das Meer erzählt“ im Frühjahr und Sommer dieses Jahres ins Olaf Gulbransson Museum. Die hochkarätigen Werke großer Künstler, die Michael Beck, Vorstandsvorsitzender der Olaf Gulbransson Gesellschaft e.V. (OGG), nach Tegernsee holte, erwiesen sich als Publikumsmagnet. „Es kamen Besucher von überall her“, erzählt Sonja Still, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und auch Führungen gibt. Der begleitende Katalog: restlos ausverkauft. Ein voller Erfolg also für das kleine Museum im Tegernseer Tal, das zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehört und von der OGG mit ehrenamtlichem Engagement und viel Leidenschaft verwaltet wird. Eine kulturelle Perle und ein Wirtschaftsfaktor zugleich, von dem das ganze Tegernseer Tal profitiert.

Vorwurf des Interessenskonflikts

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Im Zuge der Aufmerksamkeit erschien im vergangenen Juni ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem Michael Beck Interessenkonflikte vorgeworfen wurden: Aus seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die OGG würde er sich Vorteile für seine Galerie in Düsseldorf verschaffen und mit dem Ausstellen der Bilder aus den Beständen seiner Kunden Wertsteigerungen für sie erzielen. Absurde Vorwürfe, die Michael Beck fast dazu veranlassten, hinzuschmeißen. „Das hat mich schon sehr getroffen“, sagt er.

Lesetipp: Wir sind im Flow

Doch wegen des großen Rückhalts, des Zuspruchs von allen Seiten und seiner Liebe zu seiner Heimat, dem Tegernseer Tal, machte er weiter. „Das Museum braucht die professionelle Expertise im Ehrenamt“, unterstreicht Sandra Spiegler, die als Referentin und Teamleitung des Olaf Gulbransson Museums die Nachfolge von Dr. Andrea Bambi angetreten hat. Denn alle sind sich einig: Ohne Michael Beck und seine Kontakte gäbe es diese hochkarätigen Ausstellungen unter dem Dach des Gulbransson Museums nicht.

„Raus in die Natur!“ – Die aktuelle Ausstellung im Gulbransson Museum

Das Störfeuer der SZ hatte dennoch Konsequenzen: Die für den Sommer geplante Ernst-Ludwig-Kirchner-Ausstellung wurde abgesagt. Die Leihgeber fürchteten die negative Berichterstattung. Sie soll aber 2026 oder 2027 nachgeholt werden. Als Ersatz für die entfallene Schau organisierten Michael Beck und sein Team eine andere Sonderausstellung, die aktuell zu sehen ist: „Raus in die Natur!“. Sie zeigt ausgewählte Werke aus der Sammlung von Dr. Andreas Gerritzen, der in Norddeutschland eine der bedeutendsten Privatsammlungen zur Landschaftsmalerei der vergangenen 200 Jahre aufgebaut hat. Besucher können beeindruckende Gemälde und Aquarelle unter anderem von Camille Corot, Gustave Courbet, Paula Modersohn-Becker, Emil Nolde, Fritz Overbeck, Camille Pissarro, Carl Spitzweg und Carl Schuch bewundern.

Letzterer ist zwar nicht so bekannt, ihm ist aber derzeit eine Schau im Städel Museum in Frankfurt gewidmet, die seine Werke zusammen mit Bildern von französischen Malern wie etwa Courbet und Corot zeigt. „Wir haben drei ganz ähnliche Werke von Carl Schuch und auch Courbet und Corot hier“, sagt Michael Beck. Die Ausstellung in Frankfurt sei zwar viel größer, aber sehr ähnlich und durchaus vergleichbar.

„Zero“ im Olaf Gulbransson Museum ab 1. März zu sehen

Nach einer kurzen Schließzeit plant die OGG am 1. März 2026 einen fulminanten Start ins neue Ausstellungsjahr: Mit der Schau „Zero“ zeigt sie Werke der gleichnamigen Künstlerbewegung um Heinz Mack und Otto Piene, die sich gegen Ende der 1950er-Jahren in Düsseldorf formierte. Etwas später kam noch Günther Uecker dazu. Ihre Absicht: Nach den Kriegsjahren und dem Wiederaufbau Kunst neu und positiv zu denken – und sie vom Ballast des Alten zu befreien.

Auch internationale Künstler schlossen sich der Bewegung an, wie Alberto Burri, Lucio Fontana, Yves Klein und Yayoi Kusama, die mit ihren Punktgemälden, Kürbisskulpturen und verspiegelten Rauminstallationen in den letzten zehn Jahren zum Superstar der internationalen Kunstszene avancierte. „All diese Künstler haben wir in der Ausstellung“, freut sich Michael Beck, der damit auch bewusst ein jüngeres Publikum ansprechen möchte. Die Werke kommen aus Privatbesitz und von der ZERO foundation in Düsseldorf.


Die ZERO-Künstler Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker 1962 bei einer Vernissage im Stedelijk Museum, Amsterdam. Foto: Raoul van den Boom.

Eigens für die Schau gestaltet Heinz Mack, der einzige noch lebende Künstler der Zero-Gründer, einen ganzen Raum: mit kinetischer Kunst, hängenden Lichtgittern, großen Metallreliefs und einer komplett verspiegelten Wand. Das I-Tüpfelchen: Der 94-jährige Künstler, der kurz nach Ausstellungseröffnung seinen 95. Geburtstag feiert und eng mit Michael Beck befreundet ist, will persönlich bei der Vernissage am 28. Februar dabei sein. Die Festrede hält Felix Krämer, Generaldirektor des Düsseldorfer Kunstpalasts und Mitglied im Präsidium der ZERO foundation.

Patrons Circle und Neuwahlen im Februar 2026

Flankierend zur Ausstellung finden auch wieder die „Tegernseer Gespräche“ statt, ein erst vor kurzem gestartetes Diskussionsformat, das Michael Beck moderiert. Auf der Agenda stehen etwa „Zero und Mode“ mit der Literaturprofessorin und Modetheoretikerin Barbara Vinken, Kunst und Künstliche Intelligenz und eine Gesprächsrunde mit Leihgebern zur Fragestellung „Macht sammeln glücklich?“.

Auch ein Schülerwettbewerb zu „Zero“ soll stattfinden, der in einer Preisverleihung mündet. Und das von Sandra Spiegler betreute Pilotprojekt „Museum macht Schule“, das Grundschüler an die Kunst und das museale Umfeld heranführt. Welche Ausstellungen 2026 im Museum noch zu sehen sind, ist derzeit offen: Angedacht sind Schauen zu Tony Cragg und Ernst Wilhelm Nay, einem der bedeutendsten Maler der Nachkriegszeit, der zeitweise auch in Waakirchen lebte.

Lesetipp: Neue Reihe eröffnet: Tegernseer Gespräche 

Um all diese Projekte und die hochkarätigen Sonderausstellungen im Gulbransson zu finanzieren, hat Michael Beck in diesem Jahr auch den „Patrons Circle“ ins Leben gerufen. Er besteht derzeit aus 22 Personen, die Mitglieder der OGG sind und die Gesellschaft jährlich mit einer Spende von 2500 Euro unterstützen – zusätzlich zu ihrem Mitgliedsbeitrag. „Das bringt uns insgesamt nochmal 66.000 Euro, die wir für die Ausstellungen brauchen“, sagt Michael Beck. Denn staatliche Gelder gäbe es keine – nur indirekt durch die Eintrittsgelder für das Museum, die die OGG behalten darf. Der Verein finanziert sich außerdem über die Beiträge der Mitglieder und Fördermitglieder sowie private Spenden und Stiftungen.

Im Februar steht die nächste Mitgliederversammlung inklusive Neuwahlen des Vorstands an. Trotz des Tiefschlags will Michael Beck wieder antreten. „Es macht mir einfach Freude“, begründet der 62-Jährige diesen Schritt. Denn wichtig ist ihm vor allem eins: Menschen für die Kunst zu begeistern.

Die Ausstellung „Raus in die Natur!“ ist noch bis zum 15. Februar 2026 zu sehen.

Weitere Programmpunkte im neuen Jahr: Tag der offenen Tür am 1. Mai, kostenfreie Workshops für Kinder in den Oster- und Sommerferien sowie das Format „Kunst-Kaffee-Kuchen“ mit Führungen für Senioren am 16.1. und 13.3.2026 (weitere Termine werden noch bekanntgegeben).

Öffnungszeiten des Museums: Dienstag bis Sonntag: 10-17 Uhr, 31. Dezember: 10-14 Uhr, Oster- und Pfingstmontag: 10-17 Uhr. Geschlossen: 1. Januar, 24. und 25. Dezember sowie am Faschingsdienstag.

Mehr Info unter www.olaf-gulbransson-museum.de

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf