Neues entdecken, Fremdes annehmen

Kerstin Brandes mit der Zuckerwatteverkäuferin. Foto: Petra Kurbjuhn

Ausstellungen in Miesbach und Holzkirchen

„Aufbruch“. Der Titel der Ausstellung von Kerstin Brandes ist ein Gleichnis in mehrfacher Bedeutung. Zum einen stellt erstmals eine Künstlerin ihre Werke an den beiden Kulturhäusern in Miesbach und Holzkirchen aus und dokumentiert damit die eingeleitete Kooperation.

Am vergangenen Freitag war der Waitzinger Keller in Miesbach Ort des Aufbruchs. Paul Fertl, 2. Bürgermeister der Stadt, würdigte den kulturellen Aufbruch Miesbachs. „Isabella Krobisch hat den Marschallstab aus dem Tornister geholt und wurde zur Chefin des Kulturhauses ernannt.“ Sie habe mit Elan die Partnerschaft mit dem Holzkirchner Kultur im Oberbräu vorangetrieben.

Die Ausstellung der Miesbacher Modedesignerin, Malerin und Fotografin Kerstin Brandes gibt zudem Zeugnis ab von einem persönlichen Aufbruch in den fernöstlichen Raum, seit drei Jahren lebt sie in Shanghai. „In ihren außergewöhnlichen Fotos erzählt sie von der Annäherung an die fernöstliche Kultur mit Faszination und Staunen“, würdigte die Kulturwissenschaftlerin Henriette Holz. Sie versuche Unlesbares enträtselbar zu machen.

Symbole der Religion und des Volksglaubens

Erster Ansatz dazu das große Schriftbanner im Treppenhaus mit 150 Wörtern, die bei der untersten Sprachprüfung in China beherrscht werden müssen. Geschafft habe sie diese Prüfung nicht, bekennt die Künstlerin und so sehe sie die Anfertigung des Banners als eine kleine Strafarbeit.

Mit ihrer Fotografie, die im Treppenaufgang und im Foyer im Obergeschoss zu sehen sind, zeigt Kerstin Brandes die Tradition ihrer derzeitigen Wahlheimat, sie hat Symbole der Religion und des Volksglaubens in Schwarz-Weiß-Fotografien wiedergegeben. Oben empfängt den Besucher das Bild einer Zuckerwatteverkäuferin, bevor man durch das kaiserliche Tor in die Verbotene Stadt eintritt und mit der Fotografin aufbricht, diese ansatzweise kennen zu lernen.

Löwen oder Pekinesen?

Kunstvoll gestaltete Ziegel, holprige Wege, Räucherstäbchen und die zwei Wächter aus Stein, die Löwen darstellen sollen, aber doch mehr in Pekinesen erinnern. Je mehr Locken die Pekinesen auf dem Kopf haben, umso höher sei das Ansehen der Bewohner des Hauses, erläuterte die Laudatorin den Kopfschmuck.

Zudem hat Kerstin Brandes Rollbilder mit den Schriftzeichen für Glück, Mut, Energie und Weg angefertigt, die im Eingangsbereich zu sehen sind. Diese vier Qualitäten seien es, die ein Künstler brauche, sagte Holz. Kerstin Brandes sei aufgebrochen und habe ihr Künstlertum damit neu definiert. Erik Maier indes, der zehnjährige Geiger, der die Veranstaltung bravorös umrahmte, scheint sich bereits über die Musik zu definieren. Der Preisträger von Jugend musiziert, faszinierte durch seine Hingabe an sein Instrument.

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Kerstin Brandes: Glück im Doppelpack. Foto: Petra Kurbjuhn

In Holzkirchen wurde die Ausstellung mit Fotografien von Kerstin Brandes am Sonntag Nachmittag im Zentrum der Auftakt-Veranstaltung des Kulturhauses eröffnet. Zwischen Frühstück mit Live-Musik, Open-Air-Konzert und „Aussegrasn“ mit Fei scho, was auch Neues ausprobieren bedeutet, konnten sich die Besucher auch hier mitnehmen lassen, Neues zu entdecken, Fremdes anzunehmen und sich anregen zu lassen, sich von Unbekanntem inspirieren zu lassen. Hier liegt der Fokus auf nicht auf Vergangenem und Tradition, sondern auf dem Leben in der Stadt Shanghai.

Die Besucher werden gleich am Eingang von einem Doppelbildnis eines kleinen Mädchens mit Smiley auf dem Pulli empfangen. Zwillinge? Nein, Kerstin Brandes erklärt, dass Zweiergruppierungen in China üblich sind, hier also als Symbol für das Glück. Auch das viel zitierte Radl in China hat die Fotografin entdeckt, an einer ramponierten Mauer. Ihre kleinen Arbeiten auf der rechten Seite zeigen das Straßenleben Shanghais, Ärmlichkeit und Lotusblüten, eine symbolisch anmutende verschlossene Tür, Menschen, die nur verschwommen durch grünes Prägeglas erkennbar sind, billiges Plastikspielzeug und Räucherstäbchen. Und dann schließt sich der Kreis, an der hinteren Wand ist die Zuckerwatteverkäuferin noch einmal zu sehen, diesmal in Schwarz-Weiß.

Die Ausstellung in Miesbach ist bis zum 24. November montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr und bei Veranstaltungen im Waitzinger Keller zu sehen. Auch in Holzkirchen ist die Ausstellung bis zum 24. November im Kultur im Oberbräu zu den Öffnungszeiten des Kulturcafés zu sehen.

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