Nachhaltig unterwegs beim Wandern und Radeln

Beim Imker in Warngau

Bioimker Georg Ramgraber. Foto: Michael Reimer

Buchtipp von KulturVision

Das Thema „Nachhaltigkeit“ betrifft auch die Freizeit. Mit seinem Buch „Nachhaltig unterwegs in München und Umgebung“ hat sich der Autor und Verleger Michael Reimer auf den Weg gemacht, 28 anregende Spaziergänge und Radtouren zu erkunden, die diesem Begriff Ehre machen.

Die Suche nach nachhaltigen Ausflügen gleiche einem Detektivspiel, heißt es in dem Vorwort zu dem soeben erschienenen Buch aus der Berg Edition Reimer vom BUND Naturschutz e.V., Kreisgruppe München. Denn schließlich gäbe es keine grellbunten Reklametafeln, die auf besonders nachhaltige Angebote aufmerksam machen. Es sei eine besondere Freude, dass dieses Buch die Vielfalt des Begriffes „Nachhaltigkeit“ umfasse.

Nachhaltig unterwegs
Buchcover

Es beginnt schon bei der Wahl des Ausflugsortes und bei der Art des Hinkommens. Michael Reimer hat ausschließlich Touren ausgewählt, deren Ausgangspunkte mit öffentlichen Verkehrsmitteln im MVV-Tarifgebiet erreichbar sind. Liegen sie zu weit von einem Bahnhof entfernt, dann werden sie als Radtouren ausgewiesen. Das Auto bleibt also außen vor.

Stempel Gemeinwohlökonomie

Zweite Bedingung ist die Verpflegung, sowohl gastronomischer Art als auch was Läden anbelangt. Michael Reimer führt nur jene Adressen im Buch auf, die regional und nach Möglichkeit auch ökologisch wirtschaften. Ihm geht es aber nicht nur um die Art der Zutaten und den Verzicht auf Geschmacksverstärker, sondern ebenso darum, dass beim Einkauf auf kurze Anfahrtswege geachtet wird. Zudem sollten Mitarbeiter fair bezahlt werden und soziales Engagement ist gefragt. So hat die Auswahl den Stempel Gemeinwohlökonomie verdient, ohne ihn tatsächlich zu besitzen.

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Nachhaltig unterwegs
Im Teufelsgraben. Foto: Michael Reimer

Als letztes Kriterium geht es um Kultur und Natur. Der Autor hat in München architektonisch interessante Winkel aufgespürt und in der Region reizvolle Landschaften gesucht. Von den 28 Touren betreffen neun die Landeshauptstadt, die restlichen 19 sind im Umfeld von Freising bis Bad Tölz, sowie vom Ammersee bis Ebersberg zu finden.

Linden-Naturdenkmäler

Der Landkreis Miesbach ist mit zwei Touren vertreten. Die erste Rundwanderung beginnt am Bahnhof Otterfing und führt durch den tief eingeschnittenen Teufelsgraben über Palnkam und Erlach nach Wettlkam. Hier trifft der Wanderer auf ein Linden-Duo. „Wie Pförtnerinnen in eine andere Welt stehen sie da, die alten Kapellenlinden von Wettlkam“, so ist es auf einer Tafel nachzulesen. Und auch die Kirchenlinde von Otterfing zählt zu den Naturdenkmälern.

Nachhaltig unterwegs
Bunte Bentheimer Schweine auf dem ArcheHof Schlickenrieder. Foto: Michael Reimer

Bei einem Abstecher zum ArcheHof Schlickenrieder kann der Wanderer erleben, wie alte, bedrohte Haustierrassen gezüchtet und gehalten werden. Appenzeller Spitzhauben und Lakenfelder heißen die Hühnerrassen, die insbesondere Fliegen- und Schneckeneier aufpicken sollen, aber die Eier sind ebenso willkommen.

Lernort Bauernhof

Georg Schlickenrieder hat auch Murnau-Werdenfelser Rinder und Fjällrinder, sowie Schwarze Bergschafe und Bunte Bentheimer Schweine auf seinem Hof, der Mitglied der Initiative „Lernort Bauernhof“ ist. Hier kann man Führungen machen, einkaufen, nachhaltig schlemmen. „Kinder sammeln Eicheln für unsere Schweine“, sagt der Biobauer. Und sie bekommen emotionalen Zugang zu den wesentlichen Fragen unserer Zeit. Denn sie werden mit Archetalern bezahlt, mit denen sie im Eine-Welt-Laden einkaufen können und wo sie etwas über Fairen Handel erfahren.

Nachhaltig unterwegs
Fieberklee im Farnbachtal. Foto: Michael Reimer

Eine Radtour im Taubenberggebiet beginnt am Bahnhof Kreuzstraße und führt über Hohendilching nach Valley, wo auf das Orgelmuseum hingewiesen wird. Dann geht es hinunter an die Mangfall zur Maxlmühle, bei der im Gastgarten regionale Küche wartet. Flussaufwärts liegt die Tour immer entlang der Mangfall am M-Wasserweg. Der Radler kann sich über die Trinkwasserschutzzone für die Landeshauptstadt München informieren, die 80 Prozent ihres Wassers aus dem Mangfalltal bezieht.

„Tränen der Erde“

Der Valleyer Bildhauer Karl Jakob Schwalbach schuf die Skulptur „Tränen der Erde“ mit Bodensonnenuhr und Brunnen, an der es sich verweilen lässt, um Kraft zu schöpfen. Denn jetzt kommt das lange Farnbachtal mit dem Anstieg zur Kapelle Nüchternbrunn, der bekannten Einsiedelei. Hinüber zum Berggasthof Taubenberg überquert man mehrere Bäche und kann sich dann im Familienparadies verwöhnen lassen.

Nachhaltig unterwegs
Johann Maurer, Wirt vom Berggasthof Taubenberg. Foto: Michael Reimer

Regionale, zumeist hausgemachte Küche, Spielplatz, Barfußweg und Streicheltiere locken zahlreiche Besucher am Wochenende an. In Warngau betreibt Georg Ramgraber seine Bio-Imkerei mit 100 Stöcken. Hier kann man nicht nur Honig kaufen, sondern auch Führungen und Kurse buchen. Letzte Station auf dem Weg zur S-Bahn in Holzkirchen ist der Bio Terra Markt, ein inhabergeführter Betrieb. Kurz vor dem Bahnhof ist nachhaltig shoppen noch im Holzkirchner Weltladen möglich.

Das Buch erfreut mit umfangreichem Material und Informationen, guter Beschreibung der Wege, mit Interviews und Fotos. Es macht Lust, auch in die Nachbarlandkreise aufzubrechen oder einmal wieder in München unbekanntere Gegenden mit nachhaltigen Adressen kennenzulernen. Es ist eine Fortführung der Wanderführer Michael Reimers, beispielsweise „Wandern durch die Jahreszeiten“ oder „Die schönsten Blütenwanderungen“.

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