Liselotte von der Pfalz und ihr Ehemann – perfekt in Szene gesetzt

Liselotte von der Pfalz (Melanie Renz) und Philippe von Orleans (Christophe Vetter). Foto: Julia Dippel

Theater in Holzkirchen

Premierenfieber. Endlich wieder Theaterluft schnuppern. Ein entspanntes Publikum nahm in freudiger Erwartung Platz im Holzkirchner FoolsTheater und genoss einen wunderbaren Abend bei einer spritzigen, witzigen und überaus charmanten Inszenierung der Komödie „Mein Mann ist die Schönste“ des Schweizer Autors Pierre Baldan.

In dem Zweipersonenstück porträtierten Melanie Renz und Christophe Vetter vom FLTB Fools-Ensemble unter der Regie von Julia Dippel die Protagonisten Liselotte von der Pfalz und Philippe von Orleans ernsthaft, mit großer Zuneigung und gehörigem Augenzwinkern und ließen so ganz nebenbei das höfische Leben im Dunstkreis des Sonnenkönigs Ludwig XIV. sowie politische Wirren, Kriege und zeitgenössische Lebensmuster deutlich aufscheinen.

Unter den Augen des Sonnenkönigs

Wir schreiben das Jahr 1671. Da liegt sie nun die junge Liselotte von der Pfalz, starr und regungslos auf dem prächtigen Himmelbett mit hochaufgetürmter weißer Perücke im türkisfarbigen Kleid unter dem Gemälde von Ludwig XIV. und wartet auf ihren Angetrauten Philippe, den einzigen Bruder des Herrschers und auf die bevorstehende Hochzeitsnacht.

Endlich tritt er auf. Monsieur öffnet zunächst die bereitstehenden Flakons, testet die Parfums und betört sich sichtlich an deren Duft. Dann wendet sich der verwitwete Prinz seiner jungen Gemahlin zu und klärt sie auf über die Pflichten der Ehe und die Staatsraison, die Schattenseiten seines Daseins. Gleichzeitig beteuert er: „Keine Frau muss sich vor mir fürchten.“ Für Liselotte von der Pfalz bleibt bei diesem ersten Aufeinandertreffen noch „einiges im Dunkeln“, aber als geistreiche Frau erkennt sie schnell die verschiedenen Facetten der menschlichen Natur.

Liselotte von der Pfalz
Das Ehepaar im Schlafzimmer. Foto: Julia Dippel

Überaus aktuell und regenbogenfarbig erscheint das Theaterstück insbesondere durch die Person des Philippe, dessen Neigungen, seiner Lebensweise des Laissez-faire und gleichzeitigem Eingebundensein in Konventionen und den Abläufen und Erwartungen von Familie und Gesellschaft.

Zehn Jahre später

Das Ehepaar hat sich augenscheinlich eingerichtet in das Leben am Hof und doch fragt sich Liselotte: „Warum bin ich nicht als Mann geboren?“ Drei Kindern hat sie das Leben geschenkt. Den Tod des Erstgeborenen betrauert sie lange. Umso wichtiger ist für sie das standesgemäße Leben der beiden anderen Kinder. Philippe erscheint dabei wenig hilfreich. Im weißen Nachtgewand steht Liselotte im Schlafzimmer, hält das Medaillon mit dem Bild ihres Vaters in der Hand und räsoniert über das Leben.

Da kommt Philippe in Frauenkleidern, bestens gelaunt, zieht den Rock hoch und beginnt zu tanzen. Genervt reißt sie ihm das Kleid vom Leib. Christophe Vetter lässt sich lasziv auf das Bett fallen. Schelmisch „schnattert“ er weiter, rollt mit den Augen und fühlt sich bestenfalls als Zierrat. Melanie Renz als Liselotte hat derweil andere Sorgen. Auf Geheiß des Königs sind Soldaten in der Pfalz einmarschiert und verwüsten ihre Heimat.

Die alte Zott, die alte Hexe

Die Beleuchtung leistet das Ihrige für die Inszenierung. Lichtkegel werden genau auf die Schauspielerin und den Schauspieler platziert und verdeutlichen anfangs, wie sehr die Protagonisten aneinander vorbei sprechen. Die Kleidung wird immer spärlicher, intimer. Die Kostüme von Anne Hebeker und Marianne Herkenrath stellen die Nähe des Paares eindrücklich dar. Davon bleibt das Bühnenbild weitgehend unberührt.

Liselotte von der Pfalz
Liselotte von der Pfalz und ihr Ehemann Philippe von Orleans. Foto: Julia Dippel

Melanie Renz als Liselotte von der Pfalz

Philippe sitzt auf dem Bett, nascht ein wenig vom Gebäck, schlendert gemächlich zum Schreibtisch. Liselotte erzählt von ihrem Unfall. Nein, sie ist nicht vom Pferd gestürzt, es war der Kackstuhl, der ihrem Allerwertesten Unheil beschert hat. Mit der Reitgerte in der Hand schleudert sie ihrem Gatten ihre Wut entgegen. Wut über die Mätresse des Königs, die dafür gesorgt hat, dass der Sohn unvorteilhaft verheiratet wurde und sich der Vater nicht besser für ihn eingesetzt hatte. Schlimme Vorwürfe sind es und aus Melanie Renz sprudeln die Beschimpfungen über Madame de Maintenon nur so heraus. Eine alte Zott, eine alte Hexe, eine Hutzel sei sie, die Frau des Sonnenkönigs. Darüber ist sich das Ehepaar einig.

Nach dreißig Jahren Ehe

Sophie von Hannover, die Vertraute, die beste Freundin, mit der sie am liebsten in ihren zahllosen Briefen „geplaudert“ hatte, ist verstorben. Von den etwa 60.000 Briefen, die Liselotte von der Pfalz während ihres Lebens geschrieben hatte, hatte sie ihre intimsten Probleme und Geheimnisse mit ihrer Tante getauscht.

Philippe und Liselotte sind einander nun sehr nahe. Im Krankengewand sitzen beide im Bett. Er zittert mit nasskalten Händen, sie ist für ihn da, jetzt, als er sie am dringendsten braucht. Einen letzten Wunsch hat er noch. Was will er von ihr? Es geht um Schönheit, um Hässlichkeit, um die Wärme des Sonnenuntergangs. Ganz still wird es im Publikum.

Angespanntes Warten. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so ergreifend, berührend und intim ist die Szene. Ruhig, leise und klar die Sprache. Und wieder schafft es die Beleuchtung, diese Nähe als Einheit zu spiegeln und die Wende vom Lustigen, Heiteren hin zum Ernsten einzufangen.

Ein großer Erfolg für die schauspielerischen Leistungen, das gesamte Team von Regie, Kostüm und Maske, der vom begeisterten Publikum heftig beklatscht wurde.

Die nächsten Vorstellungen entnehmen Sie bitte der homepage des KULTUR im Oberbräu. Dort können Sie auch Karten bestellen.

Zum Weiterlesen: HERRliche Verwechslungen in Holzkirchen

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