Es war einmal eine Märchenerzählerin …

Märchenerzählerin

Marianne Gmelin (rechts) und Stefanie Polifka treten schon seit vielen Jahren gemeinsam auf. Die studierte Harfinstin unterstreicht einfühlsam die Worte der Erzählerin. Foto: Anja Gild

Musikalische Erzählung in Schliersee

Kleinste Wesen kämpfen, lieben, leben – unsterbliche Vorbilder aus der Welt der Märchen. Erzählt an einem märchenhaften Ort. Von Harfenklängen begleitet – eine Auszeit für die Seele. Ein Festschmaus für die Ohren.

Draußen rollen die Reifen der Autos über den Asphalt. Es hat geregnet. Drinnen schmiegt sich die Stille an die sanfte Stimme einer zierlichen, kleinen Frau: Marianne Gmelin – Märchenerzählerin. Draußen ist die Realität. Im Inneren des „Ateliers am See“ ist die Zeit stehengeblieben – winzige Wesen, kleinste Helden vollbringen wahrhaft Großes. Märchenabend. Ein Abend der VHS Schliersee. Begleitet von der Harfinistin Stefanie Polifka aus Tegernsee.

Vom Klang der Stimme und der Harfe

Die beiden Frauen kennen sich schon lang. Immer in den Wintermonaten bieten sie ihre Hörerlebnisse an. Gmelin wählt die Texte aus – über verschiedene Kulturräume hinweg. Die Musikerin entscheidet, wann die Harfe idealerweise die Stimmungen in den Erzählungen begleitet und unterstreicht. „Konzertantes passt hier nicht her, ich suche für die Märchenabende bewusst kurze, eingängige Melodien aus, die sich optimal in die Atmosphäre der Erzählung einfügen.“

Märchenerzählerin Marianne Gmelin fällt durch ihre sanfte Stimme und ihre klare Aussprache auf. Sie braucht nicht viel in ihrem Erzählen, um die geschriebenen Welten lebendig werden zu lassen. Zuhören leichtgemacht. Die zwei Stunden mit einer kurzen Pause (mit Tee aus einem fast märchenhaften Samovar) vergehen wie im Fluge. Das einfühlsame Spiel der Harfinistin, das inmitten der Geschichten und an ihrem jeweiligen Ende musikalisch wirksam wird, unterstützt die Plastizität der Figuren, Handlungen und Ort. Klänge, die emotionalisieren.

MärchenerzählerinMarianne Gmelin lässt mit sanfter, ruhiger Stimme winzige Wesen aus der Märchenwelt lebendig werden. Foto: Anja Gild

Mit unperfekten Helden leiden, lieben, leben

Die Helden und Heldinnen des Abends waren Däumelinchen (Anderson), Daumendick (Grimm), der Mickerling (russisches Volksmärchen) und der Wasserschnecksohn (japanisches Märchen). Willenskraft, Klugheit, Mut und Liebe machen in den Geschichten aus unvollkommenen Helden unsterbliche Vorbilder. Gab es einen Anlass für Auswahl der Winzlinge? „Nein, eigentlich nicht. Ich zeige an diesem Abend, dass viele Figuren in gleicher oder ähnlicher Weise in den verschiedensten Kulturen vorkommen und erzählt werden. Von Dänemark über Deutschland bis nach Russland und Japan.“

Märchen – eine Garant für kulturelle Kontinuität

Darin scheint für Märchenerzählerin Gmelin die Faszination zu liegen – in einer multikulturellen Weltgemeinschaft verbergen sich in der Erzählkultur ähnlich Typen, Erzählmuster, Motive und Konflikte. Der Mensch bleibt Mensch – egal, wo und wann er geboren wurde. Die Welt der Märchen offenbart die Wiederkehr der menschlich-allzu menschlichen Themen. Eine wohltuende Kontinuität im Wandel der Zeit und der Multikulturalität. Genau das macht den Reiz der Märchen aus. Genau das ist es, was heute nach wie vor Abermillionen Menschen dazu bringt, Ihren Kindern oder auch Erwachsenen gegenüber Märchen zu erzählen. Egal, an welchem Ort der Welt.

Ein märchenhafter Ort

Während die kleinen Helden und Heldinnen gegen Ihr Schicksal kämpfen, im Bauch eines Wolfes verschwinden und wieder heraus kommen; oder die russische Hexe Baba Jaga bezwingen; oder sich vom unscheinbarsten Tier zum stattlich-schönen Jüngling verwandeln – während also Helden*innen sich im Geschichtengedächtnis der Zuhörenden einen sicheren Platz erobern, gewahrt das Auge, wie perfekt „das Atelier am See“ für diesen Märchenabend ist. Es ein geradezu unperfekt-perfekter Ort, eine Herberge für skurril-fantasievolle Kunstfiguren, Malereien und Skulpturen.

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Aus Papier „geschnitzte“ Windlichter, bezaubernd zarte Aquarelle mit Vogelfedermotiven, ein Tisch mit übereinandergestapelten Büchern – das Raum-Werk einer ordnenden Hand, die genau eines nicht will: sterile Ordnung. Cornelia Heinzel-Lichtwark öffnet ihr Atelier seit 14 Jahren nicht nur für Ausstellung ihrer eigenen Kunst. Freunde und Bekannte, die mit Lesungen oder Kabaretts ein kleines, aber hoch interessiertes Publikum erreichen wollen, sind bei ihr herzlich willkommen. In einer inspirierenden Umgebung.

Gmelin, Polifka, Heinzel-Lichtwark: Wie schön, dass es solche Menschen gibt – Menschen, die uns in einer manchmal allzu großen Welt wieder an die Wurzeln unserer Identität zurückführen. In die großartige Welt der Märchen.

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