Eichenpflanzung für Joseph Beuys in Miesbach

Joseph Beuys

Kulturamtschefin und Baumpatin Isabella Krobisch, Kulturreferentin Verena Assum und Bürgermeister Dr. Gerhard Braunmiller. Foto: Max Kalup

Skulptureinweihung in Miesbach

Am 12. Mai würde Joseph Beuys seinen 100. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass findet deutschlandweit eine Eichenpflanzung statt, an der sich auch die Kreisstadt Miesbach beteiligt. Vorgestern wurde an der Südostecke des Kulturzentrums – Waitzinger Kellers der Gedenkort, eine soziale Plastik eingeweiht.

Kommt man die Schlierseer Straße von der Bundesstraße her in Richtung Kulturzentrum, fällt dort eine neue Anpflanzung mit einem Stein auf. In der Kulturausschusssitzung erklärte am Mittwochabend Bürgermeister Dr. Gerhard Braunmiller, dass sich Miesbach in Kooperation mit “STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte” und dem Museum DASMAXIMUM in Traunreut an dieser Initiative beteilige.

Joseph Beuys
Mitarbeiter des Städtischen Bauhofes bereiten die Pflanzstelle vor. Foto: Isabella Krobisch

Am 14. April sei die Pflanzung der Eiche und die Aufstellung des Basaltseins der Öffentlichkeit übergeben worden. Dabei stehe der Basalt für die Widerstandsfähigkeit des Künstlers und die Eiche für das neue erwachende Leben. Sie gilt als Heilpflanze und hat damit eine herausragende Bedeutung in Religionen, Mythen und Sagen über alle Kulturkreisgrenzen hinweg. Diese soziale Plastik sei darüber hinaus auch als Ersatz für die Bäume zu sehen, die wegen des Befalls mit dem Asiatischen Laubholzkäfer im vergangenen Jahr gefällt werden mussten, sagte der Bürgermeister.

Verbundenheit mit Weltkünstler in der Provinz

Initiatorin der Aktion ist Kulturamtschefin Isabella Krobisch. „Ich fühle mich seit Jahrzehnten mit dem Künstler Joseph Beys verbunden“, sagt sie, die als Baumpatin registriert ist. „Es macht mich stolz, dass wir in der Provinz eine Verbundenheit mit einem Weltkünstler direkt am Kulturzentrum stehen haben.“ Bei Bürgermeister Gerhard Braunmiller habe sie offene Ohren für Ihr Vorhaben gefunden.

Da jetzt wegen der Pandemie im Haus keine Ausstellungen stattfinden können, freue sie sich, dass sie nun eine immerwährende Präsentation im Freien installiert hätten. „Das ist auch für uns ein Trostpflaster für den Verlust der vielen Bäume und Sträucher aufgrund des ALB-Befalls.“

Lesetipp: Temporäre Installation ALB-Träume im Waitzinger Park

Temporäre Installation
Lisa Mayerhofer mit ihrer temporären Installation ALB-Träume. Foto: Max Kalup

Die Initiative zum 100. Geburtstag von Joseph Beys geht auf eine Aktion des Künstlers im Jahr 1982 zur documenta 7 in Kassel zurück. Unter dem Titel „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ pflanze er die erste Eiche. Er hatte 7000 Basaltstelen als ein keilförmiges Dreieck auf dem Friedrichsplatz vor dem Fridericianum in Kassel aufhäufen lassen, an dessen Spitze er die erste Eiche neben der ihr zugehörigen Basaltstele pflanzte.

Gesamtkunstwerk ungekannter Dimension

Sein Konzept sah vor, dass jeder für 500 DM einen Basaltstein entnehmen und gemeinsam mit einem gepflanzten Eichenbäumchen an einem anderen Platz wieder aufbauen solle. Damit würde die Basaltplastik immer kleiner, dafür gebe es immer mehr Bäume.

Auf der Webseite von DASMAXIMUM ist zu lesen: Das sei der „Beginn der Umsetzung eines utopisch anmutenden Gesamtkunstwerks von bisher ungekannter Dimension“. In den folgenden Jahren pflanzte der Künstler gemeinsam mit Freunden und Helfern an verschiedenen Plätzen in Kassel Eichen und baute damit die Steinskulptur sukzessive ab.

Nachhaltigkeit des Handelns

Sein Anliegen war, der zunehmenden Verstädterung durch ein Landschaftskunstwerk mit breiter Beteiligung der Bevölkerung zu begegnen. Damit war ein visionärer Künstler, der die heutige Problematik in Hinsicht Nachhaltigkeit CO2-Ausstoß und Klimawandel vorhersah und künstlerisch umsetzte.

Dr. Peter Lämmerhirdt, 1. Vorstand der Stiftung DASMAXIMUM sagt: „Die beeindruckende Idee von Beuys war, mit der Kombination von Eiche und Basaltstele die Betrachter anzuregen, über die erforderliche Nachhaltigkeit ihres Handelns zum Erhalten unseres Planeten nachzudenken.“ Das sei es, was Heiner Friedrich, Stifter des Museums DASMAXIMUM fordert, wenn er sagt, dass die Kunstwerke im Museum
nicht erklärt werden sollten, sondern dass sie von selbst zu dem Betrachter sprechen.

Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung

Joseph Beuys starb im Jahr 1986, aber seine Vision wurde vollendet. „Trotz aller Widerstände gegen „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ konnte 1987 zur documenta 8 mithilfe zahlreicher Stiftungen, Spenden und Einzelpatenschaften die letzte Eiche neben die erste gepflanzt werden“, heißt es auf der Webseite.

Die Stiftung DASMAXIMUM in Traunreut ehrt den Künstler und sein Werk seit 2015 mit dem Projekt der “EICHENPFLANZUNGEN ZU EHREN VON JOSEPH BEUYS”. Zu seinem 100. Geburtstag sind jetzt überregional 64 Basaltsteine – einer für jedes Lebensjahr des Künstlers – vorgesehen. Und einer der Steine steht jetzt in Miesbach, gemeinsam mit einer jungen Eiche. Das Gesamtprojekt, so Isabella Krobisch, habe die Stadt Miesbach mit 3000 Euro finanziert.

Eiche und Basaltstele findet sich nun an der Südostseite des Waitzinger Kellers als doppeltes Hoffnungszeichen: Als zukunftsweisendes Gemeinschaftsprojekt im Sinne einer sozialen Plastik und als Trostpflaster für den Verlust der vielen Bäume und Gehölze rund um den Waitzinger Keller, die wegen des Befalls mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer entnommen werden mussten.

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