Im Augenblick: gemeinsam und digital

Die Installation „Im Augenblick“. Foto: MZ

Installation in Gmund

„Im Augenblick“ nennen Ekaterina Zacharova und Eckhard Rocholl ihre gemeinsame Installation in Gut Kaltenbrunn. Sie ist ein innovatives kreatives Werk, das die Zukunft der Kunst ebenso versinnbildlicht wie es tiefgründig die Entwicklung von Beziehungen verdeutlicht.

Besucher der Neuauflage von „Hibatzld“ im Rinderstall von Gut Kaltenbrunn werden im Außenbereich von einer Installation empfangen, die auf den ersten Blick bildende Kunst und Wort auf fünf großen Metalltafeln verbindet. Der zweite Blick indes enthüllt noch viel mehr.

Alles ist ein Wimpernschlag

„Beziehung findet im Augenblick statt, so wie das ganze Leben“, erklärt Ekaterina Zacharova. „Man kann es nicht fangen, alles ist ein Wimpernschlag, auch eine Beziehung kann man nicht festhalten.“ Die Künstlerin stellt weitere Fragen: „Folgt auf Askese des Lockdowns und Social Distancing eine Ära der Ausschweifung, des Lustprinzips, der Reaktualisierung des Hedonismus?“ „Leben wir gerade in einer revolutionären Zeit, in der Leidenschaft in der Luft liegt?“

Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen schlossen sich Ekaterina Zacharova und Eckhard Rocholl zusammen. Sie erkundeten das Leben im Augenblick aus der Sicht des jeweils anderen Geschlechts.


Im Augenblick. Foto: MZ

Die Gmunder Malerin steuerte dazu ihre Bilder eines Ballettzyklus bei, von denen die männlichen Figuren zum Gemeinschaftswerk beitrugen. Aus digitalen Fotos der analogen Werke schnitt Eckhard Rocholl am Computer die Männer heraus und kombinierte sie mit weiblichen Figuren, die er gemalt hatte.

Digitale Kunst ist Weg in die Zukunft

„Dabei haben wir auch die Farbgebung verändert, damit die digitale Zusammenführung den beiden Einzelwerken gerecht wird“, erklärt der Warngauer Künstler und Professor für Kommunikationsdesign. Digitale Kunst, so betont er, sei der Weg der Zukunft und man müsse sich dem öffnen. „Die junge Generation arbeitet nur noch digital.“


Im Augenblick. Foto: MZ

Ein zweiter Aspekt ist ihm wichtig, die Zusammenarbeit mehrerer Künstler an einem Werk. „Man muss miteinander ins Gespräch kommen, es darf nicht jeder nur in seinem Atelier für sich allein arbeiten“, ist er überzeugt. So habe die Arbeit mit Ekaterina Zacharova sehr viel Spaß gemacht. „Das Experiment hat funktioniert“, sagt er.

Resonanz verstärkt Energie

Das bestätigt auch die Malerin. „In einer guten Zusammenarbeit wirft man sich die Bälle zu“, durch Resonanz verstärke sich die Energie. „Es treffen zwei Erfahrungen aufeinander, die man nie allein entwickeln könnte.“


Im Augenblick. Foto: MZ

Auch bei den ausgewählten Texten zu den fünf Bildtafeln haben sich die beiden Künstler abgesprochen. Ekaterina Zacharova suchte Texte russischer Poeten heraus, die die Entwicklung einer Beziehung von der ersten Annäherung über Leidenschaft und Euphorie hin zu Entfremdung und Enttäuschung wiedergeben.

Auf ein Gedicht von Maria Zwetajewa antwortete offensichtlich ihr deutscher Zeitgenosse Rainer Maria Rilke und nennt sie in seinem Gedicht beim Namen. Eckhard Rocholl beteiligte sich ebenfalls an den Texten und wählte André Heller und Michael Lentz aus.


Im Augenblick. Foto: MZ

Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die Installation zu umkreisen, sich auf die verschmolzene digitale Kunst und auf die psychologischen Wechselwirkungen von Beziehungen, die die Texte von russischen und deutschen Dichtern wiedergeben, einzulassen.
Die Tafeln stehen in Winkeln zueinander, so dass auch schräge Einblicke möglich werden, die eigene Perspektive darf jede und jeder selbst wählen.

Im Augenblick auf Reisen

Die Installation ist in Gut Kaltenbrunn während der Ausstallung „Hibatzld 2021“ zu sehen und wird danach auf Reisen gehen. Geplant ist beispielsweise, so informiert Ekaterina Zacharova, dass sie im kommenden Sommer bei den Opernfestspielen auf Gut Immling zu sehen ist.

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