
Historische Schätze für die Ohren
Die älteste der insgesamt fünf Kirchenglocken aus St. Laurentius in Holzkirchen stammt aus dem Jahr 1603. Hier ist die Inschrift zu erkennen, die Martin Frey als Gießer nennt. Foto: Reinhard Hanuschik
Glockenkonzert in Holzkirchen
Wenn heute Abend nach dem Gottesdienst die Glocken der Holzkirchner Kirche St. Laurentius erklingen, dann hat das keine liturgische Bedeutung. Vielmehr erklingen die fünf Giganten aus Bronze aus Anlass der Neuerrichtung des Glockenstuhls. Einen Auftritt hat dabei auch eine ganz besondere Glocke.
Kirchenglocken haben viele Funktionen: Sie laden zum Gebet ein, läuten zur kirchlichen Liturgie, und manch einer kennt noch die Sterbeglocke. Diese zeigt im Dorf an, dass es einen Todesfall gegeben hat. „Die Glocken sind unser Ausdruck nach außen“, fasst Gottfried Doll, Pfarrer im Pfarrverband Holzkirchen-Warngau, die Funktion von Kirchenglocken zusammen. Insgesamt fünf davon hängen im Kirchturm der St. Laurentius-Kirche in der Ortsmitte von Holzkirchen. Bis 2025 waren sie an einem Glockenstuhl aus Stahl befestigt. Doch weil der bereits 1951 gebaut worden und aufgrund der großen Belastung nun baufällig geworden war, musste er ausgetauscht werden. In dieser Zeit hingen die Glocken an provisorischen Gurten und waren stumm.
Klang und Wissen
Seit Kurzem nun ist der neue Glockenstuhl fertiggestellt. Er ist aus Holz, ein Material, das deutlich besser geeignet ist für Glockenstühle als Stahl, wie Pfarrer Gottfried Doll weiß. Am heutigen Samstag erklingen die fünf Glocken nun nicht nur in der Liturgie – es wird das Patrozinium der Kirche gefeiert -, sondern auch in einem eigenen Konzert. Auf die Idee sei der renommierte und für das Erzbistum München-Freising tätige Glockenexperte Ralf Müller gekommen, erinnert sich Gottfried Doll. Dieser habe über einen Artikel von Reinhard Hanuschik („begeisterter Fotograf und interessierter
Laie“, wie er sich in seinem Artikel beschreibt) im Kircha-Blattl von den Holzkirchner Glocken erfahren und ein Konzert vorgeschlagen. Bei diesem werden die fünf Glocken einzeln ertönen und dann in verschiedenen Kombinationen, verrät Pfarrer Gottfried Doll. Für die Zuhörer werden die Experten Hanuschik und Müller zudem Historisches und Wissenswertes über die Glocken erzählen.

In St. Laurentius in Holzkirchen wird Patrozinium gefeiert. Anschließend erklingen die fünf Glocken einzeln und in Kombination. Foto: Privat
Besonderer Schatz
Denn die Glocken haben eine spannende Geschichte hinter sich. Während die drei größten 1951 in München gegossen wurden, sind die beiden anderen etwas älter. Die kleinste der Glocken stammt aus dem Jahr 1919 und wurden in der Glockengiesserei Rudolf Oberascher in München hergestellt. Dort entstand, wie Reinhard Hanuschik in seinem geschichtlichen Überblick darlegt, auch das Glockenspiel des Münchner Rathauses. Die älteste unter den fünf Glocken wurde bereits im Jahr 1603 hergestellt – und stellt somit einen besonderen Schatz dar. „Der Buchdruck war da gerade mal 150 Jahre alt, Amerika seit etwas über 100 Jahren bekannt. Von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieg ahnte noch niemand etwas“, schreibt Reinhard Hanuschik zur Veranschaulichung der historischen Dimensionen. Auftraggeber für die Glocke war der damalige Abt des Klosters Tegernsee Paulus Widmann. Auf ihr zu sehen sind neben einer Inschrift, die den Urheber und eine Inschrift, die Martin Frey als Gießer nennt, auch Reliefdarstellungen des Heiligen Laurentius mit dem Rost, der Muttergottes mit Kind sowie vermutlich die Heilige Barbara mit Turm.

Die Brauereigenossenschaft Holzkirchen stiftete 1951 aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens und zum Dank für die Heimkehrer aus dem zweiten Weltkrieg eine Glocke. Foto: Reinhard Hanuschik
Besondere Erinnerung
Für Gottfried Doll ist das Glockenkonzert ein besonderes Ereignis. Schließlich, so der Pfarrer, hätten Glocken einen ganz besonderen Klang. Für das Konzert habe er auch Vertreter der Brauereigenossenschaft eingeladen. Diese stiftete eine der drei Glocken aus 1951. Auch in Gottfried Dolls eigenem Leben haben Glocken eine besondere Rolle gespielt. „Bei uns auf dem Dorf gab es eine Sterbeglocke. Weil natürlich erstmal keiner wusste, wer gestorben war, wenn sie erklang, sind wir Kinder von Haus zu Haus und haben es allen gesagt“, erinnert sich der Pfarrer an seine Kindheit. In Holzkirchen erklingt heutzutage keine Sterbeglocke mehr. Doch dafür ertönen aus dem neu errichteten Glockenstuhl historische Klänge.