
„Kunst muss nicht schön sein“
Koyo Saito, Naho Matsuda, Georg Schweisfurth, Jonas Augustin Mann und Vincent Schober auf Gut Sonnenhausen (von links). Foto: CS
Auftakt zum Artist-in-Residence-Programm 2026 auf Gut Sonnenhausen
Auf Gut Sonnenhausen bei Glonn, das dem Ökopionier Georg Schweisfurth gehört, gastieren bereits zum zweiten Mal bildende Künstler: Bis Ende August leben und arbeiten Naho Matsuda aus München, Koyo Saito aus Tokio und Vincent Schober aus Wien auf dem historischen Anwesen.
Gut Sonnenhausen in Glonn, 30 Kilometer südöstlich von München, verzaubert Besucher mit seinem historischen Charme und seiner ganz besonderen Architektur: 1901 wurde das hufeisenförmig angeordnete Gebäudeensemble nach englischem Vorbild als Gestüt vom Münchner Architekten Wilhelm Spannagel für einen in den Adelsstand erhobenen Kaufmann erbaut. Heute befindet sich darin ein biozertifiziertes Veranstaltungs- und Tagungshotel, das dem Ökopionier Georg Schweisfurth gehört. Der Mitinitiator der Herrmansdorfer Landwerkstätten und der Biosupermarktkette Basic sowie Buchautor und Vorstandsmitglied der Umwelt-Akademie führt das Landgut seit 1996 nach ökologischen Prinzipien und mit viel kulturellem Engagement.

Gut Sonnenhausen wurde um 1901 vom Architekt Wilhelm Spannagel erbaut. Foto: CS
„Die Menschen, die hierherkommen, sind begeistert“, erzählt der Gastgeber bei der feierlichen Eröffnung des diesjährigen Artist-in-Residence-Programms. Das läge nicht nur an der denkmalgeschützten Architektur, sondern auch an der Kunst, die überall auf dem Gelände und in den Gebäuden zu sehen sei. Sie werde absichtlich nicht beschildert und erklärt, denn die Frage, was ein einzelnes Werk bedeute, hält der 66-Jährige für falsch: „Lasst uns lieber über Kunst reden und darüber, was sie für den Einzelnen darstellt – das ist eine individuelle Angelegenheit“, betont er.
Erforschung historischer Brenntechniken
Vor zwei Jahren hatte er die Idee, Künstler zu einem einmonatigen Aufenthalt im August auf Gut Sonnenhausen einzuladen und ein Artist-in-Residence-Programm zu etablieren. „Bei der Jahresausstellung der Kunstabsolventen an der Akademie der Bildenden Künste in München traf ich Jonas Augustin Mann, dem ich mein Vorhaben erklärte“, erzählt Georg Schweisfurth weiter. Der junge Künstler war sofort begeistert, sagte seine Hilfe zu und holte sieben Kommilitonen nach Sonnenhausen.

Künstler und Kurator Jonas Augustin Mann mit seinem Metallsuchgerät. Foto: CS
Auch dieses Jahr kümmert sich Jonas Augustin Mann als Kurator um das Programm und lud Naho Matsuda aus München, Koyo Saito aus Tokio und Vincent Schober aus Wien nach Sonnenhausen ein. „Die drei arbeiten ganz verschieden und vielseitig“, erzählt er bei der Vorstellung. Geplant sei, historische Brenntechniken wie Holzbrand gemeinsam zu erforschen. Er selbst wolle mit einem Metallsuchgerät das Grundstück nach verborgenen Schätzen absuchen: „Als ich es getestet habe, hat es die ganze Zeit gepiepst“, erzählt er.
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Keramikarbeiten von Koyo Saito und Naho Matsuda
Koyo Saito von der University of Arts in Tokio, der Bildhauerei studiert, verbringt gerade als Erasmus-Student zwei Semester an der Münchner Kunstakademie. Der 28-Jährige beschäftigt sich damit, wie man Mensch und Natur miteinander verbindet. In Sonnenhausen will er Keramikschalen für eine traditionelle japanische Teezeremonie brennen, die er selbst abhält. Das Schöne daran: Sie ist offen für Besucher und findet am 23. August um 14 Uhr statt.

Naho Matsuda, Jonas Augustin Mann, Vincent Schober und Koyo Saito stellen sich vor. Foto: CS
Mit Keramik will auch die Deutschjapanerin Naho Matsuda, die in München lebt, in Sonnenhausen experimentieren: „Ich arbeite mit vielen verschiedenen Materialien und habe viele Interessen“, erzählt sie. Bevor sie ein Projekt startet, recherchiert sie das Thema gründlich. Bei ihrem Aufenthalt auf Gut Sonnenhausen will sie etwa ein Bewässerungssystem nach antikem Vorbild nachbauen. Dafür stellt sie Terrakotta-Gefäße her, die in den Boden eingegraben und mit Wasser gefüllt werden. Bei Trockenheit gibt das Tongefäß durch die Wände Wasser an die Umgebung ab. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel und die extreme Wassernot, die momentan in Europa und auch bei uns in Deutschland herrscht, liegt ihr dieses Thema am Herzen. „Ich bin aber auch offen für neue Ansätze“, sagt sie und freut sich auf ihren Aufenthalt.
Vincent Schober: Künstlerischer Prozess mit anderen Mitteln und Wegen
Offen für neue künstlerische Prozesse ist auch der Wiener Künstler Vincent Schober. Er hat vier Jahre in München Malerei studiert und als Meisterschüler von Florian Pumhösel im Februar seinen Abschluss gemacht. Der 34-Jährige malt abstrakte Ölbilder, zerschneidet sie danach und setzt sie neu zusammen. Was er in Sonnenhausen genau kreieren will, weiß er noch nicht: „Ich habe mir für die Residency vorgenommen, nicht das zu machen, was ich sonst immer mache“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Zwar wolle er mit einer ähnlichen Haltung an den künstlerischen Prozess herangehen, aber mit anderen Mitteln und Wegen.

Georg Schweisfurth und Jonas Augustin Mann bei ihrer Ansprache. Foto: CS
„Während die Künstler im letzten Jahr ohne Vorgaben gearbeitet haben, wollen wir in diesem Jahr die Natur und die damit verbundenen Themen einbeziehen“, erklärt Georg Schweisfurth das Motto. Das sei aber auch nicht bindend, schließlich wolle man den künstlerischen Prozess nicht einschränken. Wichtig sei, dass die Arbeit nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet und Kunstinteressierte daran teilhaben können: „Die Ateliers sind jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, so dass Besucher Einblicke erhalten und mit den Künstlern ins Gespräch kommen können“, ergänzt er.
Wer die fertigen künstlerischen Arbeiten sehen will, kann sie am 30. August bei der Finissage in Augenschein nehmen. „Kunst öffnet unsere Köpfe und bereichert unser Leben“, bekräftigt Georg Schweisfurth und lädt alle Interessierten ein, vorbeizukommen. Kunst müsse daher auch nicht schön sein und dürfe ruhig schockieren, sagt er und weckt die Neugier auf das, was auf Gut Sonnenhausen in den nächsten Wochen entsteht.