Podium

„Podium der Jugend“

V.l.n.r. Carl Waegner , Viola, Elise Waegner , Akkordeon, Sonja Uhlmann, Klavier, Friedrich Loeb, Klavier, To Uyen Rose Huang, Klavier und Violine. Foto: MV

Konzert in Tegernsee

Die jüngsten unter den vom „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“e.V. in Wettbewerben und Konzerten und durch Empfehlungen ausgesuchten Musizierende treten ein-, zweimal im Jahresprogramm des „Podium für junge Solisten“ auf.

Diesmal im Barocksaal des Tegernseer Schlosses /Aula des Gymnasiums dabei:
Friedrich Loeb, 8 Jahre, Klavier, To Uyen Rose Huang, Violine und Klavier, 18 Jahre, Elise Waegner,16 Jahre, Akkordeon, und Carl Waegner, 18 Jahre, Viola. In wechselnden Besetzungen und begleitet am Klavier von Robert Jobst und Sonja Uhlmann, begeisterten die jungen Musiker mit einem sehr abwechslungsreichen Programm das zahlreich erschienene Publikum restlos.

Junges Genie

Podium
Friedrich Loeb. Foto: MV

Offenbarung und Staunen: so wirkte der jüngste Spielende, Friedrich Loeb am Flügel des Barocksaals. Kurz vor seinem Auftritt noch etwas nervös auf den Füßen wippend, nahm er die Bürde des Anfangenden mit kindlicher Unbekümmertheit und sprang auf die Bühne.

Hier entfaltete sein Spiel Raunen und Bewunderung: die erfrischende Klarheit und sein auf den Punkt exakter Rhythmus lies die Ouvertüre aus Bachs Partita D-Dur in funkelnder Eleganz leuchten. Das 8jährige Talent ist seit 2024 Schüler in der Klavierklasse von Romuald Noll, die dieser innerhalb der Begabtenförderung der Stuttgarter Musikschule leitet.

Akkordeon durch die Jahrhunderte

Podium
Elise Waegner. Foto: MV

Von Barock bis Gegenwart präsentierte Elise Waegner sechs Stücke unterschiedlichen Stils und Charakters. Seit ihrer Kindheit vom Akkordeon fasziniert, hat sie sich inzwischen ein umfangreiches Repertoire angeeignet. Elise Waegner stieg mit Scarlattis Sonate A-Dur K 208
ein, dessen ruhigen Ausstrahlung und lyrische Melodik sie feinfühlig hervor ruf. Georg Kratzers Bagatelle Nr.1 ließ sie in ihrer modernen Klanggebung voller Kontraste erklingen, ganz im Sinne des Pioniers der elektronischen Musik der DDR. Anspruchsvoller Abschluss wurde der 1.Satz aus Anatoli Kusjakows Sonata Nr.2.

Außergewöhnliches von Viola und Klavier


Carl Waegner, Viola, Robert Jobst, Klavier. Foto: MV

Carl Waegner, am Flügel von Robert Jobst begleitet, spielte den 1. Satz Andante comodo aus William Waltons Viola Konzert von 1929. Mit Enthusiasmus und Bescheidenheit entlockte er den ungewöhnlichen Klangfarben ihre entrückte, nachdenkliche Seite.
Ausgelassener bewegten sich die beiden Musiker durch Eduard Pützs „Blues for Benny“von 1991, den jazzigen Sound und Rhythmus offensichtlich genießend.

Wahrhaftig eine Rose


To Uyen Rose Hoang. Foto: MV

Die durchdachte, facettenreiche, ja ziselierte Interpretation der Quatre pièces fugitives op.15 Clara Schumanns von To Uyen Rose Huangs öffnete die Ohren für klangliche Delikatesse, verströmte ein Zauber von pianistischer Sanftheit, Reife und musikalischer Weisheit.

Wilde Mischung


Carl Waegner, Viola, Elise Waegner , Akkordeon. Foto: MV

Elise und Carl Waegner liessen den 1.Satz Allegro molto aus Schuberts Sonatine D-Dur, D 384, schwungvoll und klanglich gewöhnungsbedürftig mit Akkordeon und Viola erklingen, hingegen trefflich und immer neue Ideen präsentierend die Miniatur für Viola und Akkordeon von Bela Brichzin, ein Konzert-Akkordeonist aus München, sowie der feurige traditionelle georgische Kriegstanz Sachidao von Sulchan Zinsadze in begeistertem Impetus.

Symphonie espagnole


To Uyen Rose Hoang, Violine, Sonja Uhlmann, Klavier. Foto: MV

Aus diesem berühmten Violinkonzert op.21 von Eduard Lalo spielten To Uyen Rose Huang nun an der Geige und Sonja Uhlmann am Flügel den 1. und den 4. Satz. Feierlich und stolz gaben sie sich demsich aus einem immer wiederkehrenden Quintaufwärtssprung balladenhaften Thema hin, bis zum Solothema voller spanischer Volksliedmelodien. Dem Pathos des Andante entlockten sie dramatische Virtuosität und freie Improvisationseindrücke in Sanftheit wie in Aufforderung.

Standing ovations


Friedrich Loeb. Foto: MV

Schumanns Aussage von 1831 in der „Berliner Allgemeinen Musikzeitung“: “ Hut ab, meine Herren, ein Genie“, ist hier durchaus auf Friedrich Loeb anzuwenden. Im Alter von acht Jahren Chopins op.2, ein pianistisch schwieriges Werk vortragen zu können, zeugt eindeutig von Genialität. Die Variationen über „La ci darem la mano“ op.2 (Thema des Duetts Don Giovanni /Zerlina aus Mozarts „Don Giovanni“), nahm der junge Pianist mit Spielfreude und Köpfchen, von der Improvisierenden Einleitung über die virtuos perlenden Noten der 2. Variation, graziös und lyrisch die dritte, sowie zielsicher die „Sprung-Etüde“ der vierten. Die genau passende Färbung gab er dem Nachtstück der Adagio-Variation und preschte dann virtuos durch die brillante, von Passagen durchsetzte Polonaise zum donnernden Schluss.


V.l.n.r. Elise Waegner, Carl Waegner, Friedrich Loeb, Sonja Uhlmann, To Uyen Rose Hoang. Foto: MV

Der überschwängliche Applaus der teilweise stehenden Zuhörer für den jungen Pianisten wollte nicht enden, zum Abschluss kamen alle jungen Musiker des Abends auf die Bühne und ließen sich von einem begeisterten Publikum froh bejubeln.

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