
Die Reise eines Schmetterlings
Helena und Sebastian Snela. Foto: Domicilium
Film zu 40 Jahre Stiftung Domicilium e.V. in Weyarn
1986 gründeten der Theologe Bogdan Snela und die Psychologin Helena Snela den gemeinnützigen Verein Stiftung Domicilium e.V. in Weyarn und schufen einen Ort der Stille und Begegnung. Im Jubiläumsjahr produziert Sebastian Snela mit Gerhard Schank den Film „Die Reise eines Schmetterlings“, in dessen Zentrum die Philosophie dieses Hauses steht.
„Es ist kein Imagefilm für das Domicilium, sondern ein 90minütiger Dokumentarfilm über das Thema Spiritualität, Achtsamkeit, Leben und Sterben“, sagt Sebastian Snela, seit 2012 1. Vorsitzender des Domiciliums. Dieser Film solle auf Festivals gezeigt werden und enthalte mehrere Ebenen: die Geschichte des Domiciliums mit dem Leben von Helena und Bogdan Snela und der Familie, Formen des Loslassens und die Übergabe eines Projektes an die nächste Generation.
Insbesondere aber geht es um den Sinn des Lebens, wie will ich gelebt haben und wie will ich sterben. Denn jeder Mensch wird irgendwann Abschied nehmen. Von einem geliebten Menschen. Von einem Lebensabschnitt. Oder vom eigenen Leben.

Filmemacher Sebastian Snela. Foto: Muu productions
Dieser Film lädt dazu ein, für einen Moment innezuhalten. Er erzählt nicht vom Tod als Gegenpol zum Leben, sondern als Teil von ihm. Von Menschen, die suchen, lieben, zweifeln, loslassen – und die gerade darin etwas entdecken, das größer ist als Angst.
Es begann mit einem Traum. Zwei Menschen wollten gemeinsam etwas Sinnvolles bewirken. Das Ehepaar Snela erweiterte seine Familie um drei sozial verwaiste Kinder und entdeckte durch die Begegnung mit dem Jesuitenpater Hugo Enomiya-Lassalle die Kraft der Zen-Meditation. Diese Erfahrung veränderte ihr Leben – und legte den Grundstein für das, was heute das Domicilium ist.

Das Domicilium in Weyarn. Foto: Freedom Pictures
Sie schufen in Weyarn einen Ort der Meditation und achtsamen Begegnung. Was als stiller Rückzugsort begann, wuchs Jahr für Jahr zu etwas Größerem: einem Ort, an dem Menschen Kraft schöpfen, sich selbst begegnen und in den wichtigsten Momenten des Lebens Geborgenheit finden.
Die entscheidende Wendung kam 1999, als mit Karl ein krebskranker Mann nach einem Meditationskurs darum bat, im Domicilium sterben zu dürfen. Er lebte sechs Monate dort – begleitet, geborgen und in Würde. Diese existenzielle Erfahrung führte zur Gründung der Hospiz-Gemeinschaft und der Domicilium Akademie.
2004 ermöglichte die Stifterin Gertraud Gruber aus Rottach-Egern den Bau des Hospiz-Gebäudes, in dem bis zu acht schwerkranke und sterbende Menschen in familiärer Atmosphäre begleitet werden.

Migaku Sato. Foto: Muu productions
Der Film erweitert das Thema, indem er zur Kunst des Loslassens prominente Vertreter der Meditation ebenso zu Wort kommen lässt wie Hospizgäste. So sagt Zen Meister Migaku Sato, der den traditionellen japanischen Zen-Weg vertritt: „Durch Zazen sieht man die Welt, die nicht berührt wird vom Sterben.“ Ein Hospizgast bekennt: „Man bekommt ein neues Selbstverständnis vom Leben.“

Louise Kay. Foto: Muu productions
Louise Kay hat einen jüngeren, modernen Ansatz und bietet einen spannenden Gegensatz. Sie befasst sich mit dem Sinn des Lebens und sagt: „Es gibt eine spirituelle Praxis, die heißt: Zu sterben, bevor du stirbst.“ Auch der Leiter der Spirituellen Akademie Michael von Brück ist im Film vertreten. Er sagt: „Die Kunst Sterben zu lernen und die Kunst Leben zu lernen, hängen ganz eng miteinander zusammen.“

Michael von Brück. Foto: Thomas Doll
Der Musiker und Komponist Markus Stockhausen ist überzeugt: „In der Musik öffnen sich Räume, die über das Persönliche hinausgehen.“
Und der verstorbene Gründer Bogdan Snela wird so zitiert: „Dieser Ort ist für die Menschen da.“ Seine Frau Helena würdigt ihn: „Bogdan war ein besonderer Mann und unsere große Liebe war ein Motor für all unsere gemeinsamen Tätigkeiten.“

Bogdan und Helena Snela. Foto: Domicilium
Sie alle vereint die Botschaft: Am Ende zählt nicht, wie lange Du gelebt hast. „Wie willst Du wirklich leben in dem Bewusstsein, dass du einmal sterben wirst“, fasst Sebastian Snela die Philosophie des Filmes zusammen. Und er wünscht sich, dass das Domicilium ein Ort für Bewusstheit ist.

Hospizgemeinschaft. Foto: Domicilium
Das Domicilium in Weyarn ist ein Platz, an dem Leben und Sterben erfahrbar wird. Viele Menschen finden hier einen Platz der Besinnung. „Wir haben etwa 7000 Übernachtungen pro Jahr“, sagt Sebastian Snela. Seit 22 Jahren durften in der Hospizgemeinschaft, die acht Plätze für ihre Gäste bereithält, 600 Menschen friedlich sterben.