„Anders als du glaubst“ oder Gemeinsamkeit ist die Lösung

Anders als du glaubst

Theater in Holzkirchen

Aufrüttelnd und berührend gleichermaßen war der gestrige Theaterabend der Berliner Compagnie in der Mittelschule Holzkirchen „ Anders als du glaubst“. Sind die Religionen Friedensstifter oder bieten sie die Grundlage für Gewalt und Terror?

Auf der Einladung der „Frauen in Schwarz“ war die Theatergruppe in die Marktgemeinde gekommen. Aus der Friedensbewegung der achtziger Jahren stammend, widmet sie sich auch heute aktuellen Themen. Hier also der Frage, wie im Namen von Religionen seit Jahrhunderten Gewalt ausgeübt wird und was zum anderen die drei monotheistischen Religionen verbindet.

Das Stück „Anders als du glaubst“, von Hausautorin Helma Fries geschrieben, vereint fünf Menschen im Tod. Bei einem Terroranschlag sind sie gemeinsam ums Leben gekommen, die Christin (Elke Schuster), die Muslimin (Selin Kavak), der Jude (H.G. Fries), der Marxist (Jean-Theo Jost) und der islamophobe Skeptiker (Rondo Beat).

Jede Religion muss Federn lassen

Während sie auf das Jüngste Gericht warten, teilt ihnen eine Engelsstimme mit, dass sie wieder zurück müssen. „Aber das ist keine Urlaubsreise“, denn sie müssen nach Afrika, allerdings würden dort die Ahnen verehrt, man würde also auf die hören.

Der Zuschauer begleitet jetzt die fünf Akteure auf einer Reise durch unsere Welt. Nur mit fünf Steinquadern ist die Bühne bestückt, die Schauspieler wechseln ihre Rollen ohne Kostümtausch, maximal wird die Brille oder die Kippa abgesetzt und der Schlagabtausch beginnt. Jede Religion muss Federn lassen. Die Kette von Gewalt im Christentum, die Eroberung Europas durch den Islam werden ebenso angeprangert wie der „rachsüchtige, rassistische, größenwahnsinnige Tyrann, wie der Gott der Juden vom Marxisten genannt wird. Er aber muss sich entgegen halten lassen, dass der Stalin-Terror Millionen Opfer zu beklagen hat.

Abraham ist der Urvater

Sehr berührend ist der Versuch der Muslima in einem islamistischen Ausbildungslager eine Hinrichtung zu verhindern, indem sie den Koran zitiert: Allah sei barmherzig, aber als Entgegnung andere Koranstellen dienen. Ebenso berührend der Besuch in einem christlichen Krankenhaus, wo nur wenige der Hilfesuchenden aufgenommen werden, da Nahrung und Medikamente nicht ausreichen.

Siedler in Palästina als Hindernis für den Frieden in Nahost werden ebenso thematisiert wie Antisemitismus in Deutschland. Ja und dann kommt die Lösung. Die Muslima erkennt, dass Abraham doch der Urvater aller drei monotheistischen Religionen gilt und man nur gemeinsam die Probleme besiegen kann.

Aber das hilft nur kurzzeitig, schon kommen wieder die Vorwürfe: Sie haben angefangen, wir wollen Vergeltung. Und die Einsicht der fünf ist, dass die Ursache weniger in den Religionen als vielmehr in der Ökonomie und Agrarpolitik zu suchen ist, die die Menschen versklavt und die Religionen für ihre Zwecke ausnutzt. Das begann mit dem Kolonialismus und endet heute mit Billigexporten, die die einheimische Wirtschaft ruiniert und mit Waffenexporten.

Ein tiefgründiges Stück, das unter der Regie von Elke Schuster eine kompakte, rasante Inszenierung mit intelligenten Wortgefechten und emotionalen Szenen wurde. Insbesondere die Bootszene der Flüchtlinge aus Afrika lässt beim Zuschauer den Atem stocken und die Flüchtlinge in der 1. Reihe schauen zu Boden.

Eine hervorragende Leistung der fünf Schauspieler der Berliner Compagnie, die nicht nur eine dichte schwierige Textmenge zu bewältigen haben, sondern auch akrobatisch gefordert sind. Und so wird wohl jedem Zuschauer klar, wenn er die fünf auf den Steinquadern balancieren sieht, dass der Ausweg nur in Gemeinsamkeit bestehen kann.

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