Beispiele für Solidarität

Solidarität

Solidarität ist das Titelthema der 35. Ausgabe der KulturBegegnungen: Gebrüder Grimm. Gabriel Pacheco. Die Bremer Stadtmusikanten.

Beitrag aus der Printausgabe

Wir wollen Ihnen in den Pfingstferien in lockerer Folge einige unserer Beiträge aus der 35. Ausgabe der KulturBegegnungen online präsentieren. Der Titeltext ist dieses Mal dem Thema Solidarität gewidmet und wir haben in unserem Landkreis nach Beispielen gesucht.

Ob Susanne Breit-Keßler, Alois Glück, Andreas Kuhnlein, Harald Lesch oder Konstantin Wecker, in den vorigen Ausgaben dieser Zeitung haben wir Ihnen zu einem bestimmten Titelthema immer ein Interview mit einem Prominenten präsentiert. Die 35. Ausgabe ist dem Thema Solidarität gewidmet und wir wollen Ihnen hier insbesondere Menschen präsentieren, die im Hintergrund tätig sind.

Lesetipp: Das Thema der Zeit ist Solidarität

Corona hat unser Leben verändert. Dies ist bereits die dritte Ausgabe der KulturBegegnungen, die wir unter erschwerten Bedingungen produzieren. Aber KulturVision sieht es als Aufgabe, Leserinnen und Lesern zu zeigen, dass die Kultur im Landkreis Miesbach lebt und wir wollen solidarisch mit unseren Partnern sein. Mit diesem Titeltext stellen wir aktuelle Beispiele der Solidarität in unserem Landkreis vor, die Mut machen und vielleicht sogar vorbildhaft wirken.

Solidarität
Landrat Olaf von Löwis of Menar bei der Podiumsdiskussion von „anders wachsen“ zum Thema „Vom Wissen zum handeln“. Foto: Screenshot

Voranstellen möchten wir ein Statement unseres Landrates Olaf von Löwis of Menar: „Es freut mich, unseren Landkreis als eine große Gemeinschaft zu erleben. Gerade in schwierigeren Zeiten, wie wir sie jetzt haben, ist das Gemeinsam, das Zusammen, so unheimlich wertvoll und wichtig.“

Ron Böhme, Besitzer einer Autowerkstatt in Holzkirchen, bietet in den Social-Media-Kanälen seine Hilfe an. Wem es derzeit wirklich schlecht gehe, dem repariere er sein Auto kostenfrei. „Wir kriegen das hin, Leute! Einfach mal zusammenhalten“, schreibt er. Das Angebot, so erzählt der Kfz-Meister, habe sogar zu einer Folgesolidarität geführt. Eine Facebookgruppe habe einem Betroffenen auch die Materialkosten bezahlt.

Hilfe beim Homeschooling

Markus Nöscher und Johannes Schneider aus Valley wollen Eltern, Kinder und Lehrer beim Homeschooling unterstützen. Die beiden Jugendbeauftragten der Gemeinde haben eine Nachhilfeaktion ins Leben gerufen, bei der auch die Grundschule einbezogen ist. „Es war beeindruckend“, sagt Johannes Schneider, „innerhalb von zehn Minuten nach unserem Aufruf waren wir elf Leute, die mitmachen.“ Er würde sich freuen, wenn ihre ehrenamtliche Initiative Nachahmung finden würde.

Holzkirchner Heimatkalender 2018
Präsentation des Kalender durch Mitglieder der Holzkirchner Tafel: Sara Oechsle, Hans Sepperl, Christine Schmaderer und Ines Jährig. Foto: Bürgerstiftung Holzkirchen

Die Kirchen, Sozialverbände, Bürgerstiftungen und andere Organisationen haben mit vielen unterschiedlichen Angeboten auch schon vor Corona solidarisches Handeln bewiesen. Als Beispiel mögen die Tafeln dienen, aber auch Nachbarschaftshilfen, Holzkirchen hilft e.V. und vieles mehr.

Solidarität üben seit vielen Jahren die Welt-Läden. Renate und Rudi Hogger aus Otterfing sind beispielhaft für ihr Engagement. „Vom monatlichen Umsatz von 300 DM zu Beginn betreiben wir heute mit 48 Ehrenamtlichen zwei Weltläden und machen einen Umsatz von über 150.000 € im Jahr. Mit dem Gewinn aus den Läden konnten wir im letzten halben Jahr jeden Monat 500 € an besonders von Corona betroffene Klein- und Familienbetriebe in den Ländern des Südens spenden. Das freut uns schon sehr und gibt unserem Leben Sinn“, sagt Rudi Hogger.

Nachhaltigkeit im Finanzwesen
Rudi Hogger bei einer Podiumsdiskussion der Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing zum Thema Nachhaltigkeit. Foto: Frank Strathmann

Kultur trotz Corona

Die Kultur ist besonders von Corona betroffen, Kulturschaffende sind in existenzieller Not. Und auch hier sprießen die solidarischen Aktionen. Andrea Wehrmann versucht, professionellen Musikerinnen und Musikern im Gottesdienst der evangelischen Kirchen in Miesbach und Schliersee zu Auftritten zu verhelfen. Johannes Wegmann organisiert den Schlierseer Kulturherbst. „Wir garantieren, dass er stattfindet“, sagt er. Das Konzept sieht vor, den Ticketpreis um 30 Prozent zu erhöhen, die Gagen um 20 Prozent zu senken und den Ausgleich wegen geringerer Auslastung aus einem Fonds zu begleichen.

Kooperation Holzkirchen-Miesbach-Schliersee
Die Organisatoren des Schlierseer Kulturherbstes Marion Riedl und Johannes Wegmann. Foto: Isabella Krobisch

Regisseurin und Autorin Julia Dippel hat eigens ein Zweipersonenstück für das Fools-Ensemble im Freien Landestheater Bayern inszeniert und gestaltet es so flexibel, dass es zu allen möglichen Konditionen passen kann. Sie selbst würde auf ihr Honorar verzichten, einfach, damit wieder Kultur stattfinden kann, damit im KULTUR im Oberbräu Holzkirchen das Publikum ein Theatererlebnis hat und die Darsteller eine Gage bekommen. Kulturhauschefin Ingrid Huber freut sich: „Damit gehen wir Hand in Hand und hoffen, dass wir mit niedrigem Budget aufgrund geringerer Besucherzahlen doch ein Stück auf unsere Bühne bringen können.“

Kleinkunstwerk
Kleinkunstwerk: v.l.n.r. hinten Heidi Thompson, Julia Dippel, Melanie Renz, Angelika Endres, Jessica Weishaupt, vorne Verena Eckertz, Christoph Hanak. Grafik: Julia Dippel.

Darüber hinaus hat Julia Dippel mit Melanie Renz einen Verein zur Förderung von Kleinkunst gegründet, der unter www.kleinkunstwerk.de Geld für die gebeutelte Szene sammelt. Auch KulturVision startete eine Spendenaktion:

Lesetipp: Kulturspende für sechs kreative Ideen

Gelebte Solidarität von Künstlern zu Kulturhäusern zeigt auch das Engagement von Regisseurin Steffi Baier. „Dass sie trotz anhaltenden Lockdowns mit den Proben für „Love Letters“ begonnen hat und das Stück aufführungsreif macht, ohne dass der Waitzinger Keller einen Zeitpunkt in Aussicht stellen kann, berührt mich sehr“, sagt Kulturamtsleiterin Isabella Krobisch. „Mit jedem Dialog, den ich nach vielen Monaten des Stillstands vernehme, wächst die Sehnsucht, dieses Wachsen und Werden mit unserem Publikum zu teilen und das bittere Los, dass die Kultur vom Zentrum an die Peripherie gerückt ist, wieder loszuwerden.“

Der Vorhang geht auf
Isabella Krobisch, Leiterin des Waitzinger Kellers Miesbach. Foto: Petra Kurbjuhn

„Kunst im Schaufenster“

Um der bildenden Kunst Wahrnehmung zu verschaffen und gleichzeitig dem Einzelhandel wieder Aufmerksamkeit zu schenken, initiierte KulturVision gemeinsam mit der Standortförderung Holzkirchen „Kunst im Schaufenster“. Das Projekt, bei dem 19 Künstlerinnen und Künstler in 19 Geschäften ihre Werke zeigten, kam so gut an, dass andere Gemeinden nachzogen. Inzwischen gab es „Kunst im Schaufenster“ in Otterfing, Bad Wiessee, Tegernsee und Miesbach.

Kunst im Schaufenster in Miesbach
Kunst im Schaufenster in Miesbach: Bürgermeister Dr. Gerhard Braunmiller, Sibylle von Löwis von KulturVision e.V., Künstlerin Katrin Hering und Max Kalup, Leiter der Stadtmarketing Miesbach(v.l.). Foto: Petra Kurbjuhn

Wir möchten mit den Worten des Fuldaer Philosophen Christoph Quarch, der auch in unserem Landkreis viele Menschen zum Denken anregt, schließen:

„Wenn es so etwas wie tragische Begriffe gibt, dann gehört Solidarität dazu. Zum einen, weil das Wort durch die Klassenkampf-Rhetorik des 19. und 20. Jahrhunderts so sehr politisiert wurde, dass Solidarität heute nach Sozialismus klingt. Zum anderen, weil es mit Vorliebe für Appelle verwendet wird, denen nur selten Taten folgen. Das Wort Solidarität hat seine Strahlkraft deshalb eingebüßt. Und das ist nicht gut. Denn das, was dieses Wort benennt, braucht eine zunehmend zerfallende Gesellschaft dringender denn je.

Nicht denken ist auch keine Lösung
Christoph Quarch beim Philosophischen Tag in Anderlmühle. Foto: MZ

Solidarität wäre ein wirksames Gegengift gegen die unselige Selbstbezogenheit des rationalen Egoisten namens Homo Oeconomicus: gerade jetzt, in der Covid-Zeit, da die Schere von Arm und Reich weiter auseinander geht, die Spannung zwischen den Generationen steigt, politische Diskrepanzen zu Glaubenskriegen mutieren. Gerade jetzt braucht es den soliden Zusammenhalt einer Gesellschaft. Gerade jetzt braucht es einen Gemeinsinn, der uns neuerlich begreifen lässt, dass wir nur als solidarische Gesellschaft den Herausforderungen der Zukunft begegnen können. Es ist an der Zeit, die Solidarität als Kernwert unseres Gemeinwesens zu rehabilitieren.“

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