Hommage an ein Filmfestival

Anfänge des Ballmertshofener Filmfest. Foto: Konzept+Dialog.Medienproduktion

Neuer Film von Walter Steffen

Am heutigen Sonntag feiert der 20. Kinofilm von Walter Steffen seine Uraufführung beim Fünf Seen Filmfestival in Starnberg, das ebenfalls seine 20. Ausgabe begeht. CINEMA UTOPIA ist ein unabhängiger Kino-Dokumentarfilm der Konzept+Dialog.Medienproduktion in Zusammenarbeit mit dem Filmfest Ballmertshofen.

Walter Steffen, ein renommierter Filmemacher aus Seeshaupt, wurde in der Ausgabe 35 der KulturBegegnungen auf Seite 7 portraitiert. Er drehte über das Projekt Zukunftsforum von KulturVision einen eigenen Film, der auf seinem Streamingdienst olatv.de veröffentlicht wurde. Kürzlich berichteten wir über seinen Film Ein stummer Hund will ich nicht sein.

Walter Steffen beschreibt seinen neuesten Film wie folgt:

CINEMA UTOPIA erzählt die fast fünfzigjährige Geschichte eines außergewöhnlichen Filmfestivals in dem kleinen schwäbischen Dorf Ballmertshofen – vor dem Hintergrund von sieben Jahrzehnten deutscher und internationaler Zeit- und Filmgeschichte. Der Kinofilm begleitet die Geschwister Legner, die seit den 1970er Jahren der Idee folgen, mit Film, Musik und Gemeinschaft eine gelebte Utopie zu schaffen.

Der Film erzählt die Geschichte des Filmfestivals von Ballmertshofen und verbindet sie mit den Biografien seiner Gründer, den Geschwistern Heida, Udo, Gabi und Beate Legner. Ausgehend von diesem kleinen schwäbischen Dorf mit ca. 400 Einwohnern entfaltet der Film ein Panorama von 70 Jahren deutscher und internationaler Zeitgeschichte – von Mitte der 1950er Jahre bis in die Gegenwart.

Im Zentrum steht die Frage, was von den Utopien der 1968er-Generation geblieben ist. Inspiriert von Bürgerrechtsbewegung, Protestkultur und der Musik von Bob Dylan beginnen die Geschwister in den 1970er Jahren, in ihrem Heimatdorf ein Filmfestival zu organisieren. Ihr Ziel ist es, Film, Musik und Diskussion als verbindende Kraft zu begreifen – als Möglichkeit, gesellschaftliche Fragen auch jenseits der Metropolen zu verhandeln. Aus ersten Filmvorführungen im Schulsaal, angestoßen durch den Vater, entwickelt sich über Jahrzehnte ein Festival, das heute bis zu 1.500 Besucher in das kleine Dorf zieht.

Der Film spiegelt diese Entwicklung vor dem Hintergrund politischer und kultureller Zäsuren: Wirtschaftswunder, Kalter Krieg, RAF-Terror, Mauerfall, Wiedervereinigung, Finanzkrisen, Flüchtlingsbewegungen, dem Klimawandel und der Pandemie bis in unsere gegenwärtige Zeit der internationalen Krisen und Kriege. Diese Ereignisse werden nicht enzyklopädisch abgehandelt, sondern in Gesprächen mit den Festivalmachern reflektiert und durch prägende Filmausschnitte der jeweiligen Jahrzehnte kommentiert. So entsteht zugleich eine Reise durch siebzig Jahre Filmgeschichte.

Formal folgt der Film einer doppelten Dramaturgie: Chronologisch werden die Jahrzehnte seit den 1950er Jahren durchlaufen, parallel dazu begleitet die Kamera ein aktuelles Festivalwochenende – vom Aufbau über die Filmvorführungen, den Kinderzirkus und Spielturniere, Live-Konzerten, gemeinschaftlichem Kochen und Essen, bis hin zum Fußballturnier der Dorfbewohner gegen das Festivalteam. Interviews mit den Festival-Machern und Gästen, historische Fotos, zeitgeschichtliche Filmdokumente, Super-8- und VHS-Material, Ausschnitte bekannter Filme und atmosphärische Beobachtungen verbinden die Vergangenheit mit unserer Gegenwart und werden zu einem großen Ganzen.

Im Unterschied zu den bekannten, kommerziell geprägten Festivals versteht sich das Filmfest Ballmertshofen als Gegenentwurf: ohne Wettbewerb, ohne Glamour, ohne PR-Inszenierung, ohne roten Teppich. Im Mittelpunkt stehen menschliche Begegnungen, erfüllende Gespräche und gemeinsames, kulturelles Erleben. So wird dieses Festival des „Films, der Freude und der Fantasie“ zur gelebten Utopie, an einem Ort, an dem die Kultur das gemeinschaftliche Miteinander fördert und Generationen verbindet.

CINEMA UTOPIA ist damit mehr als die Chronik eines außergewöhnlichen Dorf-Filmfestivals. Der Film reflektiert, wie politische Ideale, kulturelle Impulse und persönliche Biografien sich über Jahrzehnte gegenseitig beeinflussen. Er fragt, ob und wie sich diese humanistische Vision – „and the world will live as one“ – in einer Welt zunehmender Polarisierung und Krisen im Kleinen bewahren lässt und die Menschen inspirieren kann.

Alle Fotos stammen aus dem Film CINEMA UTOPIA von Konzept+Dialog.Medienproduktion.

Der Film CINEMA UTOPIA wird beim Fünf Seen Filmfestival am 6. September 2026 um 20 Uhr in der Schlossberghalle Starnberg, Vogelanger 2 gezeigt. Weitere Vorstellungen sind am 11.09.2026 um 17.30 Uhr in Seefeld und am 11.09.2026 um 20 Uhr in Gauting. Kinostart wird im Herbst 2027 sein.

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