Kultouren

Mehr Aufmerksamkeit für die Kreisstadt

Wollen mit den Miesbacher KULtouren die Außenwirkung der Stadt stärken: Miesbachs 1. Bürgermeister Thomas Acher (li.), Journalistin Lisa Hilbich (Mitte) und Pfarrer Erwin Sergel (re.). Foto Hartmut Wolf

Ein neues Format für die Stadt Miesbach

Wie kann man eine Stadt besser erleben als auf einer Stadttour mit persönlicher Führung? In Miesbach standen bisher die „Miesbacher Genusstouren“ für hochwertige Stadtspaziergänge mit hohem Erlebnisfaktor. Nun hat Initiatorin Lisa Hilbich in enger Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde Miesbach die „KULtouren“ entwickelt. Das neue spannende Format soll Besuchern die Stadt als lebendigen Sozialraum vermitteln.

Bürgermeister gibt Startschuss

Miesbach als kulturelles Zentrum der Region hervorheben und die Stadt für Besucher als einzigartigen Sozialraum vermitteln – warum das sinnvoll ist und wie es geht – das stellten Lisa Hilbich und Pfarrer Erwin Sergel am 17. Juni im Waitzinger Keller gemeinsam der Presse und geladenen Gästen vor.

Eingangs würdigte Dr. Thomas Acher, Miesbachs neu gewählter Rathauschef, die bisherige Arbeit von Lisa Hilbich: „Denkt man an Miesbach, denkt man schnell an Tracht und Tradition, aber wer sich auf Spurensuche begibt, kann ein anderes Miesbach entdecken. Schon die Miesbacher Genusstouren von und mit Lisa Hilbich waren ein innovatives Format.… Die neuen KULtouren aber sind zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde entstanden und werden die Stadt als Sozialraum erlebbar machen.“

Kultouren
2024 stellte Lisa Hilbich ihr neues Format, die Genusstouren, im Rahmen einer Pressebegehung vor. Seither haben sich die Stadtführungen zum soliden Erfolg entwickelt. Foto: Lisa Hilbich

Miebach – keine Stadt wie jede andere

„Genuss, Kultur, eine reiche Geschichte, auch im technischen Bereich wie etwa die Pionierleitung der ersten Stromübertragung 1882 – das macht Miesbach aus“, erinnerte Acher.

Mit knapp 12.200 Einwohnern (Stand Frühjahr 2026) gehört Miesbach zu den kleinsten Kreisstädten Bayerns. Wer jetzt von der Größe auf Eintönigkeit schließt, sollte wissen, dass die Stadt von erstaunlicher Vielfalt ist: „Mehr als 90 Nationen sind hier versammelt“, erklärte Lisa Hilbich, „und mit 160 Vereinen, die in sich funktionieren und zudem untereinander gut vernetzt sind, ist das soziale Leben ungewöhnlich reich.“

Wie gut das Miteinander in der Stadt funktionieren kann, das zeigt dann auch die Entstehung der KULtouren – einer inhaltlichen Weiterentwicklung der ursprünglichen Genusstouren.

Kultouren
Dass zur Präsentation des neuen Formats auch viele der Partner der Genusstouren erschienen waren, zeigte die hohe Akzeptanz, die diese besonderen Stadtführungen erreicht haben. Foto: Hartmut Wolf

Von der Genusstour zur KULtour

„Genusstouren“ hat Lisa Hilbich ihre Stadtführungen genannt, die deshalb etwas Besonderes sind, weil sie die Besucher zu wichtigen historischen Schauplätzen führen und die Augen für die besondere Ästhetik und Architektur der Stadt öffnen. Sie spricht natürlich über Miesbachs Kulinarik, Tracht und Tradition, führt die Besucher dann aber persönlich in die Geschäfte und Läden der Innenstadt, deren Inhaber sich extra Zeit nehmen: So „lernt“ man bei den Genusstouren, dass Miesbach Wallfahrtsort, Bergwerkstadt, Salzhandelsdrehscheibe und Schauplatz technischer Innovationen war, kann dann aber die Produkte, die in der Stadt erzeugt und verkauft werden, fühlen, schmecken, riechen oder erleben, wie man in der Stadt heute mit Tracht und Brauchtum umgeht.

Als Lisa Hilbich schließlich bei den Genusstouren auch das „Bunte Haus“ mit einbezog, entdeckte sie, dass die Teilnehmer sich dort gerne aufhielten und großes Interesse am Konzept des Bunten Hauses zeigten.


Mit dem Bunten Haus, das zur gefragten Begegnungsstätte in Miesbach wurde, ist es der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde gelungen, nicht nur die Menschen in der Stadt zu erreichen, sondern überregional Zeichen zu setzen. Foto: Hartmut Wolf

Musterprojekt Buntes Haus

Seit seiner Eröffnung im Herbst 2022 hat das Bunte Haus in Miesbach viel bewegt: Ursprünglich „nur“ als dringend notwendige Erweiterung des Pfarrheims der evangelisch-lutherischen Apostelkirche konzipiert, wurde es schnell zu einer Begegnungsstätte, die ihresgleichen sucht: Überkonfessionell sind die Angebote dort, sodass das Bunte Haus längst für Künstler, Kinder, Senioren oder Ehrenamtliche zum beliebten Treffpunkt und zum Raum für Aktivitäten wurde. Dass das Bunte Haus – immer gut organisiert, leicht zu erreichen, freundlich, offen für jeden – so attraktiv für die Menschen in der Stadt und im Landkreis Miesbach ist, liegt zum großen Teil am engagierten Team um Pfarrer Erwin Sergel. Eine Kirche, die Glaubensinhalte zeitgemäß und nah am Menschen vermittelt, plus eine herzliche Begegnungsstätte – das ist ein Konzept, das längst bundesweite Aufmerksamkeit erregt. So erhielt das Bunte Haus etwa 2024 den Bundespreis von Olaf Scholz. Viel Anerkennung also für das moderne Miesbacher Pfarrzentrum, das ein Musterbeispiel dafür ist, wie Kirche heute wieder „funktionieren“ kann.


Unterstützt von der modernen Präsentationstechnik im Waitzinger Keller konnte Lisa Hilbich ihr Konzept überzeugend visualisieren. Foto: Hartmut Wolf

Ein Leuchtturmprojekt vorstellen

„Miesbach ist ein Sozialraum, in dem die Kirche ihren festen Platz hat“, fasste Sergel zusammen. Und weil das heute nicht mehr selbstverständlich ist, ist das „Miesbacher Modell“ nicht unwichtig für das Projekt „Kirche wirkt Weiter“, mit dem die Kirche das Glaubensleben reaktivieren möchte. So entstand die Idee, das Geheimnis dieses Erfolges für andere Gemeinden nutzbar zu machen – erfahrbar bei einer KULtour, die Miesbach genau als diesen besonderen Sozialraum aufzeigen kann, in dem Zusammenleben gedeiht.

Dafür wurde nun das ursprüngliche Konzept der Genusstouren entscheidend erweitert: Nach einer Begrüßung durch Pfarrer Erwins Sergel im Bunten Haus können Interessenten viele Fakten rund um die Geschichte und das Gemeinschaftsleben der Stadt erfahren. Da gibt es Hintergründe zur Geschichte der Protestanten, zum Habererwesen, zur nichtaufgearbeiteten NS-Zeit etc., aber auch Besuche in Traditionswerkstätten. Die gewonnen Eindrücke und entstehende Fragen werden anschließen bei einem gemeinsamen Mittagessen besprochen. Etwa vier Stunden dauert eine solche KULtour – die Besucher, dank der Förderung durch LEADER, kostenlos buchen können.


Drei, die sich für einen sanften Tourismus in Miesbach einsetzen: Miesbachs 1. Bürgermeister Thomas Acher (li.), Lisa Hilbich (Mitte) und Pfarrer Erwin Sergel (re.). Foto: Hartmut Wolf

Impulse für die Entwicklung von Stadt und Landkreis Miesbach

Ziel dieser Führungen sei es „die Gäste des Bunten Hauses für die Situation in ihren eigenen Gemeinden und den dazugehörigen Immobilien zu sensibilisieren“, fasste Hilbich zusammen und freute sich gemeinsam mit Sergel darüber, dass sich für die KULtouren bereits 14 Pfarreien aus ganz Bayern angemeldet haben: Von Pasing bis Passau besteht nun Interesse daran, Miesbach besser kennenzulernen. Selbst die Evangelische Bischofskonferenz ist auf das Projekt aufmerksam geworden.

Doch vor allem soll Miesbach profitieren, denn wie Lisa Hilbich ausführte, „hat der Landkreis mit 2,62 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht. Ich bin fest überzeugt, dass sich so manche Gäste außer für die Schönheiten der Natur und die sportlichen Betätigungen auch für Geschichte, Kunst und Genuss interessieren.“

In diesem Sinn sind die KULtouren also ein wichtiger Baustein für den Tourismus in Stadt und Landkreis Miesbach.

Und wie der am besten aussehen sollte, das formulierte Bürgermeister Acher so: „Durch die KULtouren soll Miesbach zum Ziel eines zeitgemäßen, eines sanften Tourismus werden.“

Mehr zu den KULtouren unter miesbach-kultouren.de

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