
Weibliche Blicke auf die Welt
Im Beisein von Haushams 1. Bürgermeister Hans Harraßer (li.) und Kunst- und Kulturreferentin Lisbeth Leidgschwendner (zweite von li.) stellte Manfred Priller (re.) vom Kunstkreis Hausham die drei Künstlerinnen und ihr Werk vor. Foto Hartmut Wolf
Ausstellung in Hausham
Wenn drei Künstlerinnen Bilder ausstellen, die ihnen am Herzen liegen, entsteht ein besonderer Blick auf die Welt. Was Sabine Sagermann, Brigitta Fröhler und Gina Konrad für die aktuelle Ausstellung im Kunst- und Kulturhaus Hausham ausgesucht haben, ist von überraschender kreativer Vielfalt. Ihre Werke zeigen unterschiedlichste Motive und erzählen von ihrer Entwicklung – inhaltlich, technisch und vor allem persönlich.

Umgeben von den eigenen Bildern: Brigitta Fröhler (li.), Sabine Sagermann (Mitte) und Gina Konrad (re.) bei der Vernissage am 29.05.2026 im großen Galerieraum des Kunst- und Kulturhauses, Hausham. Foto Hartmut Wolf
Eröffnung mit Erwartungen
Haushams sympathische Kunst- und Kulturreferentin Lisbeth Leidgschwendner brachte es gleich auf den Punkt. Sie dankte den anwesenden Gästen für ihr Erscheinen – trotz der sommerlichen Temperaturen, die so manchen in den Biergarten gezogen hatte. Dann lag Erwartung in der Luft, als Haushams frisch gebackener 1. Bürgermeister das Wort ergriff. Doch der blieb gelassen. Hans Harraßer dankte den drei Künstlerinnen für ihr jahrelanges Engagement und lenkte dann den Blick aufs Wesentliche. „Es ist die Vielfalt an Stilrichtungen, Materialien und Themen, die diese Ausstellung so sehenswert machen.“

Wieder einmal zeigten die Haushamer Ausstellungsmacher, wie gut und durchdacht sie Bilder hängen können: Ihnen gelingen wohltuende Harmonien ebenso wie spannende Kontraste. Und dabei setzen sie gekonnt die Persönlichkeit jeder Künstlerin in Szene. Den Besuchern gefällt es sichtlich. Foto: Hartmut Wolf
Eine gelungene Präsentation
Mit seiner Laudatio stellte dann Manfred Priller vom Kunstkreis Hausham nicht nur jede Künstlerin einzeln vor – er warf Schlaglichter auf das Besondere, brachte jedoch auch ihre Gemeinsamkeit auf den Punkt: „Sie alle sind nie stehengeblieben. Sie haben Mut zum Experiment und entwickeln sich stets weiter, wie Brigitta Fröhler, die vom Aquarell kam und jetzt ihren eigenen Stil in Acryl gefunden hat.“
Nach dieser kurzen Einführung entfaltete sich an diesem Sommerband eine ganz besondere Stimmung. Gestärkt von köstlichen Häppchen und einem Schluck Sekt streiften die Gäste der Vernissage, die an diesem Abend leichte, bunte Sommergarderobe zeigten, durch die schönen Ausstellungsräume und ließen die Motive in aller Ruhe auf sich wirken. Viele nutzten auch die Anwesenheit der Künstlerinnen zum persönlichen Gespräch.
Und – das muss man dem Kunstkreis Hausham wirklich lassen – sie können nicht Kunst nicht nur machen, sondern auch präsentieren. So ist es aufregend und immer wieder spannend, die einzelnen Räume zu erkunden und dabei auf immer neue Aspekte der drei Künstlerinnen zu stoßen.
Sabine Sagermann

Sie fällt auf. Die Kunst von Sabine Sagermann ist nicht nur etwas für die Augen, sondern auch für den Kopf. Foto Hartmut Wolf
Ihre Handschrift fällt sofort auf. Thematisch lässt sie sich nicht auf ein Gebiet eingrenzen, setzt sich vielmehr in ihren abstrakten Bildern mit Phänomen auseinander, die unsere Zeit ausmachen. So versucht sie etwa, die Energien einer TV-Diskussion darzustellen – bunte Linien laufen parallel, kreuzen sich, stoßen ins Leere vor: „So ist das“, sagt sie mit Nachdruck, „wir finden keinen Konsens. Keiner hört zu, jeder redet am anderen vorbei.“
Für die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen wählt Sabine Sagermann fast immer die hellen, zarten Farben Rosa und Hellblau. „Ich lasse in der letzten Zeit auch hin und wieder das Weiß der Leinwand stehen, um Räume anzudeuten“, sagt die schlanke Künstlerin, die an diesem Abend auch für sich selbst ihre Lieblingsfarbe gewählt hat und im blauen Outfit strahlt.

Seit 2019 ist Sabine Sagermann, deren Leben zwischen München und Josephstal pendelt, Mitglied im Kunstkreis Hausham. Foto Hartmut Wolf
Suche nach dem Standort
Ihre Bilder sind Kompositionen, in denen sie gerne mit den verschiedenen Wahrnehmungsebenen spielt. „Sehen Sie“, erklärt Sabine Sagermann, „hier weiß der Betrachter nicht, ob er im Bild oder vor einem Fenster steht.“ Wer sich auf so viel optische Spielfreude einlässt, wird sich lange in die Bilder vertiefen und dabei viel Hintersinn und auch Heiteres entdecken.
Besonders interessant: Wenn man dann denkt, man hat die Künstlerin „erfasst“, verblüfft sie mit Unerwartetem. Das Motiv „Eisbär“ ist reine Emotion. „Das habe ich nach einem Foto gemalt. Das kleine Mädchen bin ich. Und den Eisbären hat es wirklich gegeben, es war zwar nur ein Mann in einem Kostüm, aber das habe ich damals wohl noch nicht durchschaut. Ich hab mich einfach nur gefürchtet.“
Brigitta Fröhler

Sie „zaubert“ in ihren Bildern. Mit „schweren“ Acrylfarben erschafft Brigitta Fröhler wundervoll leichte Blütenträume, duftig wie Aquarelle. Foto Hartmut Wolf
Seit über 20 Jahren malt die in Schwerin geborene Brigitta Fröhler – und beim Betrachten ihrer Bilder erkennt man sofort, dass hier eine geübte und erfahrene Malerin ihre Themen gefunden hat. Mit Liebe und Sinn für Genauigkeit an der richtigen Stelle, malt sie vor allem Blumenbilder.
„Mit großer Leidenschaft und Begeisterung beschäftige ich mich mit der Acryl- und Aquarellmalerei. Meine Kunst ist geprägt von Motiven aus dem Leben“, beschreibt sie selbst ihre Arbeit.
Ein Bild von Brigitta Fröhler erkennt man eigentlich sofort, wenn man weiß, worauf man achten muss: Es ist der Sinn für die Kraft und die Botschaft der Farben, die sie stets genau richtig einsetzt. Ein gutes Beispiel ist „Roter Mohn“, dem man auf den ersten Blick gar nicht ansieht, dass es ein Aquarell ist. Wer will, kann in der Ausstellung nach ihrem Bild „Iris“ suchen. In Acryl gemalt, hat es ebenfalls eine wunderbare Dramaturgie.

Kraftvoll leuchtendes Rot – als sei die Blüte nur eine Bühne für Kapsel und Blätter. So wird diese Mohnblüte zum Blickfang. Foto Hartmut Wolf
Motive aus dem Leben
Brigitta Fröhler hat ihre Entwicklung als Malerin auch nicht dem Zufall überlassen: 2001 hat sie in einem vhs-Kurs in Gmund ihr Können erstmals ausprobiert. Und ist dabeigeblieben. Neben weiteren Kursen hat sie intensiv mit anderen Künstlern gearbeitet.
Aus ihrer ernsthaften Arbeit ist mittlerweile ein großes, immer interessantes Werk von hoher Qualität entstanden, denn neben Blumen ziehen sie manchmal bestimmte Motive magisch an, wie etwa eine Versammlung von Fischen, die stumm zu diskutieren scheinen, und so manches abstrakte Bild.
Seit sie sich 2010 dem Kunstkreis angeschlossen hat, nimmt sie nicht nur an den jährlichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Hausham teil, sondern hat ihre Bilder z.B. in Bad Feilnbach, Warngau oder auf Gut Kaltenbrunn gezeigt.
Gina Konrad

Sie hat gut lachen: Gina Konrad im großen Galeriesaal vor vier ihrer Bilder, die schon einen ersten Eindruck von der Vielfalt ihres Werkes ahnen lassen. Foto Hartmut Wolf
Mit einer Fülle von Bildern hat Gina Konrad so etwas wie die Hauptrolle. Als ehemalige Technische Zeichnerin ist auch sie eine Quereinsteigerin in die Welt der freien Kunst. Durch einen Zufall zur Malerei gekommen – eine Cousine hatte ihr ein paar Acrylfarben geschenkt – machte sie einen Kurs und entdeckte eine Welt, die sie seither nicht mehr loslässt. Ihre Entwicklung zu verfolgen, gehört zu den großen Vergnügen, die diese Ausstellung bereitet.
Gina Konrad malt gegenständlich, aber auch abstrakt. Mal lässt sie sich von Monet inspirieren, dann von Macke, Münter und Picasso. Sie nimmt vieles als Anregungen auf, verwandelt es aber lustvoll weiter. Bei einem Haus denkt man an „American Gothic“ (Grant Wood), aber das ist ihr zu stumm. Gina Konrad ergänzt die architektonische Strenge und malt einen Hügel davor, der wie eine Welle von rechts ins Bild hereinbricht.

Dass Kunst eine Lebensaufgabe ist, die jung hält, dafür ist die 82-jährige Gina Konrad der beste Beweis. Man darf schon jetzt auf ihre nächsten Entwicklungsschritte gespannt sein. Foto Hartmut Wolf
Malen ohne Grenzen
Stärker als bei ihren beiden Kolleginnen sieht man bei Gina Konrad, dass sie das Experimentelle liebt, so hat sie in den letzten Jahren das „Pouring“ für sich entdeckt, bei dem die Farbe zum Akteur auf dem Bild wird. Sie wird auf die Leinwand gegeben und darf sich dann ausbreiten, was zu unglaublich lebendigen Effekten führt.
Ein nicht unwichtiger Aspekt bei jeder Ausstellung ist, dass man die Bilder kaufen kann. Und hier muss man einmal ganz deutlich sagen, dass sich die Künstlerinnen für eine moderate Preisgestaltung entschiedenen haben.
Wer also nach einem Original sucht, sollte sich in dieser Ausstellung genau umsehen – vom leuchtenden Rapsfeld in Spachteltechnik (Gina Konrad), über zarte Blüten (Brigitta Fröhler) bis zu abstrakter und intellektueller Kunst (Sabine Sagermann) ist hier eine fantastische Auswahl geboten.
Zum Weiterlesen: Kreative Vielfalt