Klostersaal

Die universale Sprache der Kunst im Klostersaal

Bürgermeister Stefan Deingruber und Brigitte Appelt im Gespräch auf der Bühne im Klostersaal. Foto: Helen von der Höden

Ausstellung Kunstkreis Fischbachau

Ein voller Klostersaal und lebendige Gespräche über die Kunst: Die Vernissage war ein großer Erfolg. Der Kunstkreis Fischbachau bewies einmal mehr, warum er seit fast vier Jahrzehnten ein fester Anker im regionalen Kulturleben ist. Doch was erwartet die Besuchenden bis zum 12. April?

Die Ausstellung des Fischbacher Kunstkreises jährt sich in diesem Jahr zum 38. Mal. Im sonnendurchfluteten Klostersaal wird eine vielfältige Auswahl regionaler Kunstwerke gezeigt. Vom getöpferten Schachspiel über gemalte Horoskope und Haustierporträts bis hin zu fantastisch-realistischen Gemälden ist alles vertreten. Hier können die Besuchenden die Architektur des Klostersaals bewundern und sich von der vielfältigen Kunst an Stellwänden und auf der Bühne inspirieren lassen.

Klostersaal
Vernissage im Klostersaal – das Publikum zwischen Stellwänden. Foto: Helen von der Höden

Gelungene Eröffnung im Dialog

Den Auftakt gestalteten der Bürgermeister von Fischbachau, Stefan Deingruber, und Brigitte Appelt vom Kunstkreis Fischbachau (selbst mit Landschaftsmalerei vertreten). Nicht mit einer klassischen Begrüßungsrede, sondern im Gespräch. Drei Fragen stellten sie sich gegenseitig: Was ist Kunst? Wann ist man Künstler? Und was kann Kunst bewirken?

Klostersaal
Musikalisch begleiteten Helmut an der Quetschn und Alex an der Gitarre den Abend. Foto: Helen von der Höden

Wissen, Können und Intuition

Stefan Deingruber ließ den Begriff bewusst offen: Kunst lasse sich nicht einsperren und bleibe ungreifbar. Sie sei das, was einem gefällt und damit die stärkste Form des Individualismus.

Brigitte Appelt näherte sich der Frage mit drei Begriffen: Wissen, Können und Intuition. Erst wenn alle drei zusammenkommen, könne man von einem Kunstwerk sprechen.

Deingruber verwies darauf, dass die Künstlerinnen und Künstler der Moderne gängige Definitionen längst gesprengt hätten: Ein großer Künstler sehe die Dinge niemals so, wie sie sind. Appelt ergänzte: Können entsteht durch Übung, Wissen lässt sich aneignen, doch die Intuition setzt beides in Bewegung. Wer das verinnerlicht, darf sich Künstler nennen oder auch Lebenskünstler.


„Reich oder lieber arm?“ Antje Lauer. Foto: Helen von der Höden

Was kann Kunst bewirken?

Beide waren sich einig: Kunst kann Menschen verbinden und Missstände benennen, aber auch von den Sorgen des Alltags ablenken. Brigitte Appelt beschrieb Kunst als kreativen Akt, der zum Nachdenken anregt und Sehgewohnheiten verändert. Sie hinterlasse Eindrücke und sei eine Brücke der Verständigung. „Kunst ist eine universelle Sprache, die uns verbindet.“

Bei Sekt und Häppchen strömten die Besuchenden durch die vielfältigen Exponate. Wer wollte, konnte an einem geführten Rundgang teilnehmen. Dabei bestand die Möglichkeit, die Kunstschaffenden direkt anzusprechen und Fragen zu den Werken zu stellen – ein offener Austausch ohne Berührungsängste, wie er selten zu finden ist.


Eine Besucherin betrachtet die Bilder von Lotte Schwenkhagen auf der Bühne. Foto: Helen von der Höden

Die Porträts bekommen eine eigene Bühne

Jedes Jahr steht auf der Bühne eine Künstlerin oder ein Künstler besonders im Scheinwerferlicht. Lotte Schwenkhagen zeigt ihr vielfältiges Schaffen: Pferdezeichnungen, realistische Hundeporträts, Fotografien mit Passepartout-Zeichnungen sowie Porträts von Menschen, die sie berührten. Präzise und feinfühlig ausgeführt, eindringlich, lebendig und voller Charakter.


Lotte Schwenkhagen neben dem Porträt eines kleinen Jungen, der ihr vor einem Supermarkt begegnete. Foto: Helen von der Höden

Fotografie als Gast

Als Gast des Kunstkreises zeigt Gerti Rowold Fotografien der Landschaft rund um den Schliersee: Seenblicke, Abendstimmungen, aufwendig gerahmt. Aufgenommen mit einem alten iPhone – gestochen scharf und mit unverwechselbarem Blick.


Der Schliersee im Fokus bei Gerti Rowold. Foto: Helen von der Höden

Vielleicht beweist genau diese Vielfalt, was an diesem Abend und in der Ausstellung spürbar wird: Künstler sehen die Dinge nicht, wie sie sind, sondern wie sie sonst niemand sieht.

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler

Stefan Ambs, Brigitte Appelt, Ludwig Birner, Vivien Cahusac de Caux, Viktoria Claudel, Marianne Hänsel, Rolf Hügel, Roswitha Klein, Antje Lauer, Marie-Louise Lohrum, Brigitte Nevole, Susi Noll, Rudolf Peukert, Maximiliane Scholz, Lotte Schwenkhagen, Ursula Schwarzbauer und Bärbel Wünsche. Sowie als Gast: Gerti Rowold.

38. Ausstellung des Kunstkreises Fischbachau: 28. März bis 12. April 2026. Täglich 13–19 Uhr. Klostersaal Fischbachau, Hauptstraße 10

In eigener Sache: Sicher haben Sie gemerkt, dass wir Sie gestern zum 1. April auf die Schippe genommen haben mit unserem neuen Vorstandsmitglied. Noch immer machen wir die Arbeit ohne MonAIka!

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