
Leises Spiel
„Drahtgeflechte … biegen und drucken …“ lautet der Titel der Ausstellung, die jüngere Arbeiten von Evelin Hermenau zeigt. Foto: Andreas Wolkenstein
Ausstellung im Autohaus Steingraber
Kontraste zu einer Einheit bringen, so beschreibt Evelin Hermenau Motivation und Ziel ihrer Arbeiten. Diese stellt sie nun in der Galerie im Autohaus Steingraber aus. Den Betrachter erwarten Werke, die mit Form und Farbe, Chaos und Ordnung spielen.
Im Leben gibt es, wenn man so will, eine ganze Reihe von Gegensätzen: Gut und böse etwa, Form und Materie, Yin und Yang. Diese Gegensätze zu überwinden ist eine Herausforderung: Gelingt es, entsteht etwas Neues und Einzigartiges. Evelin Hermenau stellt sich in ihren Arbeiten genau dieser Herausforderung, wie sie erklärt: „Chaos und Ordnung zu einer Einheit bringen, das beschäftigt mich immer wieder neu“, sagt die Künstlerin, die nun einen Teil ihrer jüngeren Arbeiten in der Galerie im Autohaus Steingraber ausstellt.
Yin und Yang
Es höre sich einfach an, was sie mache, erklärte Evelin Hermenau bei der Vernissage ihrer Ausstellung: Sie nehme ein Gitter, darauf komme Farbe und das Ganze werde dann auf wo aufgedrückt. Aber: „Spannend wird es, wenn man es dann tut“, so die Künstlerin weiter. So entstehen Arbeiten wie „fast Yin – Yang“ (Linol und Acryl auf Pappe): Das Auge entdeckt die Spiegelung in der Mitte des Werkes, fährt aber auch den Bewegungen des Drahtmusters nach, das auf beiden Seiten der Spiegelung zu sehen ist. Fläche und Form ist eines der Gegensatzpaare, die Evelin Hermenau zu einer Einheit bringen möchte und dies auf eindrucksvolle Weise auch schafft.

„fast Yin und Yang“, im Hintergrund „figürlich“. Foto: Andreas Wolkenstein
Widerstand des Materials
Spannend sind auch die Geflechte, bei denen mitunter ein kleines Accessoire an Farbigem dem Werk eine besondere Note verleiht. Da ist etwa der Draht in die Form eines Kleides gebracht und nur um die angedeutete Taille herum ist ein Stück Wollfaden angebracht („figürlich“, Geflecht mit Wolle, 2024). Der Widerstand des Materials ist es dabei, den sie überwinden müsse, erklärt sie den Besuchern ihrer Vernissage im Autohaus Steingraber. Denn der Draht ist nicht leicht in Form zu bringen, springt zurück, wenn man ihn biegt, hat gewissermaßen einen eigenen Willen.

Filigranes Spiel mit der Materie: „Farbspirale“ (Wolle auf Geflecht, 2025) . Foto: Andreas Wolkenstein
„Was ganz eigenes“
Diesem nachzuspüren hat sie bei ihrem akademischen Lehrer Heinz Butz gelernt, wird aus der Einführung von Ehemann und Künstler Horst Hermenau deutlich. Horst und Evelin Hermenau hatten die Zeichenkurse des Kunstprofessors an der Akademie der Bildenden Künste München gemeinsam besucht, erzählt er. Heinz Butz habe ihnen in seinen Zeichenkursen beigebracht, die Form eines Objekts zu studieren. „Nur wenn man eine innere Formensprache entwickelt, kann man nach außen hin etwas anderes machen“, so fasst Horst Hermenau die Lehren des Heinz Butz zusammen. Und seine Frau habe daraus etwas „ganz eigenes“ geschaffen. „Hut ab, wie man so etwas entwickeln kann“, fügt er hinzu.

„ins Leere“ (Mischtechnik auf Papier, 2025). Foto: Andreas Wolkenstein
Rhythmus der Arbeit
Schaffen könne man so etwas nur, wenn man sich hingebungsvoll einer Sache verschreibt. Und dass Evi Hermenau das kann, merkt man an der Art, wie sie über ihre Arbeit spricht: Ruhig, nachdenklich, in sich stehend. Früher habe sie ausschließlich draußen, in der Natur gearbeitet, erzählt sie. Da galt es, einen Felsen zu beobachten und die Form – die Essenz des Dings – schließlich auf Papier zu bringen. „Das schafft den Rhythmus ihrer Arbeit“, urteilt ihr Mann Horst.

Künstlerische Familie: Evelin Hermenaus Tochter Andrea ist eine bekannte Jazzmusikerin. Foto: Andreas Wolkenstein
Tastendes Spiel
Obgleich die Ausstellung den Titel „Drahtgeflechte … biegen und drucken …“ trägt, sind nicht nur Drahtgeflechte zu sehen. Auch Werke wie „ins Leere“ (Mischtechnik auf Papier, 2024) werden ausgestellt. Der rote Faden bei all diesen Arbeiten ist die beeindruckende Spielerei, die sich zwischen Material, Farbe und Form ergibt. Es ist indes kein lautes oder wildes Spiel, eher ein sanftes, ruhiges, tastendes.
Dazu passt wunderbar die Musik von Tochter Andrea Hermenau. Die in der Szene bekannte Jazzmusikerin spielte zusammen mit der Saxofonistin Carolyn Breuer einige der Stücke, die auf dem Album „Oneironaut“ (Enja-Records, 2023) zu hören sind. Auch so ein Gegensatz: Musik und Bildende Kunst. Bei der Vernissage von Evelin Hermenaus Ausstellung zeigt sich freilich, dass das Spiel mit Gegensätzen immer wieder Neues hervorbringt, dem sich hinzugeben in jedem Fall lohnt.
Lesetipp: Die Symbiose des Künstlerpaares Evelin und Horst Hermenau