
Knitting Street Art über der Mangfall
Brücke mit Häkelnblumen Knitting Street Art. Foto: Agnes Forsthuber
Faszinierend und gruselig zugleich – damit ist die Mangfallbrücke zwischen Valley und Weyarn gut beschrieben. Wer schon einmal den Radweg von Weyarn zum Darchinger Bahnhof gefahren ist, wird diese Einschätzung teilen. Jetzt wird sie Teil der 5. Radl-Kultour und Ort des ersten Knitting Street Art-Projektes im Landkreis.
60 Meter hoch, freier Blick nach unten, nur getrennt durch ein Brückengeländer. Seit vielen Jahren werden die Geländer der Rondelle innen, aber auch nach außen durch einen Eisenmaschendraht verstärkt und nach oben verlängert. Für Menschen mit Höhenangst ist sie trotzdem auch tagsüber ein No-go. Fotografen schätzen die Brücke wegen dem „coolen“ Look als Kulisse für Produktionen – nun wird sie im Rahmen der Radl-Kultour des ADFC Miesbach Veranstaltungsort und Street Art Location zugleich. Die Radl-Kultour ist eine Veranstaltung des ADFC Miesbach und der Wirkstatt Oberland, sie verbindet Kulturgenuss an einer 27 Kilometer langen Radstrecke im Norden des Landkreises Miesbach.
Nichts für schwache Nerven
Schon lange hatte Anschi Hacklinger die Brücke als Veranstaltungsort für die Radl-Kultour im Blick. Nachdem 2025 der Radweg auf beiden Seiten endlich asphaltiert war, wurde sie Teil der nächsten Routenplanung. Spielen wird auf der Brücke die Veterinary Street Band, eine fünfköpfige New Orleans und Dixieband – mit ein wenig Hintergrundgeräuschen ist auf einer Autobahnbrücke vermutlich zu rechnen.

Die Mangfallbrücke – angsteinflößend und faszinierend. Foto: Anschi Hacklinger
Ein sehr besonderer Veranstaltungsort also – aber auch ein Ort, der etwas Buntes, Fröhliches, Wärmendes verträgt: Knitting Street Art (auf deutsch etwa „Strickende Straßenkunst“). 2005 tauchten die ersten Guerilla Knittings in Texas auf, als Strickerinnen begannen, Alltagsgegenstände zu umstricken. Schon bald verbreitete sich das „yarn bombing“, also das Überziehen des öffentlichen Raumes mit Garn, über England und Spanien bis nach Deutschland. Bekannt sind bunt umstrickte Bäume und Straßenlaternen, aber auch nette kleine Details wie warme Strickmützen für Denkmäler oder Straßenpfosten. Eine der Pionierinnen, Magda Sayeg, formulierte es so: „Wir wollen dem tristen öffentlichen Raum etwas Wärme zurückgeben, ohne etwas dabei zu beschädigen“.
Kunst im öffentlichen Raum
Das sieht auch die Grafikdesignern und Künstlerin Anna Obermüller aus Stürzlham bei Weyarn so. Seit drei Jahren häkelt sie leidenschaftlich gerne und stellt ihre Werke auf ihrem Instagramkanal online. Schon lange wollte sie ein großes Street Art Projekt umsetzen – mit der Radl-Kultour ist der richtige Zeitpunkt gekommen.

Anschi Hacklinger (links) und Anna Obermüller. Foto: Privat
Nun wollen die beiden Frauen aus Weyarn „anbandeln“, die Straßenkunstaktion also starten lassen. Dabei greift alles ineinander, betont Anschi Hacklinger. Sie selber kümmere sich um das Organisatorische sowie Koordination mit ADFC und Wirkstatt Oberland, Anna Obermüller erstellte die Sharepics und ist für die künstlerische Seite zuständig – und freut sich über ein passendes Wortspiel: Der Name ihrer Heimatgemeinde lässt sich als „We-yarn“ schreiben, womit sich das englische Wort für „Garn“ („yarn“) hervorheben lässt.
We-yarn
So funktioniert das „Anbandeln“: Alle, die Lust haben, häkeln jede Menge Häkelblumen (Durchmesser mindestens 20 cm, gerne 30 cm). egal ob uni, Ton-in-Ton, bunt, genau ausgetüftelt nach Anleitung oder in Eigenregie. Diese Blumen werden vorher gesammelt und rechtzeitig zur Radl-Kultour im Mai aufgehängt. Gebraucht werden ca. 200 Häkelblumen, um zumindest den Teil zu gestalten, auf dem die Band spielen wird.
Es sei eine ziemlich große Fläche, gibt Anschi Hacklinger zu. Das Gute aber sei auch: Es wird eben so viel gestaltet, wie möglich ist. Pro Meter sind circa drei Blumen geplant, locker verteilt. „Häkeln kann man alleine oder gemeinsam, es ist gesund, entspannt und macht ungemein zufrieden, fasst Anschi Hacklinger die Vorteile des Kunsthandwerks zusammen. Zudem sei eine Häkelgruppe schnell gegründet.

Umhäkeltes Fahrrad. Foto: Agnes Forsthuber