Wie aus Miesbach eine Stadt wurde

Das Telegramm mit der Bestätigung zur Stadterhebung trifft am 10. Mai 1919 in Miesbach ein.

Das Telegramm mit der Bestätigung zur Stadterhebung trifft am 10. Mai 1918 in Miesbach ein. Foto: Stadtarchiv Miesbach

„Seine Majestät der König haben am 6. Mai 1918 allergnädigst zu genehmigen geruht, dass der Markt Miesbach fortan die Bezeichnung Stadt führt.“ Dieses Telegramm ließ Innenminister Brettreich den Miesbachern vor 100 Jahren zustellen. Ein Ereignis, das heuer gebührend gefeiert wird.

Wie Bürgermeisterin Ingrid Pongratz beim Neujahrsempfang der Stadt Miesbach im Waitzinger Keller berichtete, hatten der Bräugehilfe Franz Doll und der Gemeindebevollmächtigte Josef Fertl im Juli 1915 an das Gemeinde-Collegium den Antrag gestellt, an höchster Stelle um die Verleihung des Stadtrechts nachzusuchen. Der Magistrat hatte sich dem Antrag angeschlossen, wollte die Bewerbung aber bis zum Ende des Krieges zurückgestellt haben. Als Bader Doll seinen Antrag im August 1917 mit Nachdruck reklamierte, setzten Bürgermeister Schröck und sein Gemeindesekretär Feichtner schließlich die Angelegenheit in Bewegung.

Miesbach erweist sich als würdig

Als Tatsachen, die Miesbach als würdig erweisen könnten, den Titel „Stadt“ zu führen, wurden unter anderem genannt: Der wirtschaftliche Aufschwung durch Heranführung der Eisenbahn und die Errichtung des Kohlenbergwerks, das Anwachsen der Einwohnerzahl, die sich seit 1885 verdoppelt hatte, die Gesundheitsfürsorge durch Kanalisation, Trinkwasserversorgung und Unratabfuhr, der Schlachthof, Freibadeanstalt, Friedhof, Straßen und Gehbahnen „die fortgesetzte Pflege verraten“ und auch die Häusernummerierung, „die eine rasche Orientierung sichert“.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz bei der traditionellen Neujahrsansprache im Waitzinger Keller in Miesbach. Foto: Isabella Krobisch

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz bei der traditionellen Neujahrsansprache im Waitzinger Keller in Miesbach. Foto: Isabella Krobisch

Dem Ernst der Kriegszeit entsprechend lud Bürgermeister Schröck nur zur Abhaltung einer Festsitzung ein und bat die Bevölkerung, am 13. Mai 1918 die Häuser zu beflaggen. Die Planungen der heutigen Stadtregierung im Jubiläumsjahr 2018 sind weit umfangreicher.

Kinder malen Lieblingsplätze

Vom 19. Januar bis 7. Februar wird in der Stadtbücherei die Ausstellung „Mein Miesbach“ präsentiert. 44 Kinder von 6 bis 14 Jahren haben im Atelier Farbenspiel unter Leitung von Barbara Gerbl ihre Lieblingsplätze in Miesbach in Kunst umgesetzt.

Kinder malen "Mein Miesbach".

Kinder malen „Mein Miesbach“. Foto: Barbara Gerbl

Bisher gab es ihn nur für das Tegernseer Tal, ab 21. März wird es ihn auch für Miesbach geben: Einen Reiseführer, den die Journalistin Sonja Still derzeit vorbereitet. „Eine Reise nach Miesbach kann alles sein: kulinarische Entdeckungsfahrt, sportlicher Radtrip, kultureller Spaziergang oder ruhige Auszeit in einmalig schöner Natur“. So kündigt der Allitera-Verlag das neue Buch an.

Wiege der Trachtenbewegung

Miesbach ist stolz darauf, als „Wiege der Trachtenbewegung“ zu gelten. Bisher war die sehr wertvolle Trachtensammlung des Museums nicht öffentlich zu sehen. Im Jubiläumsjahr wird sie in einer Publikation mit grandiosen Fotos von Mathias Leidgschwendner in Szene gesetzt. Die Autorin Verena Zemme leitet das Projekt und steuert Texte bei, in denen Tracht und Kreativität des Miesbacher Oberlandes als Ergebnis von Wirklichkeitssinn, Handwerkskunst, gewachsener Tradition und Liebe zur Heimat zum Ausdruck kommt. Die Buchvorstellung ist am 9. April im Waitzinger Keller geplant. Dann wird auch die Ausstellung zur Tracht eröffnet, die bis zum großen Trachtenmarkt am 27. und 28. April zu sehen ist.

Historische Luftaufnahme von Miesbach

Historische Luftaufnahme Miesbachs. Foto: Stadtarchiv Miesbach

Die von Stadtarchivarin Barbara Wank konzipierte Ausstellung „Miesbach – 100 Jahre in Bildern“ wird den Miesbachern deutlich vor Augen führen, wie viel sich im Erscheinungsbild ihrer Stadt verändert hat. Am 7. Mai wird diese Ausstellung in der Stadtbücherei eröffnet und gleichzeitig die Festschrift vorgestellt, an der Alexander Langheiter und Barbara Wank mit Hochdruck arbeiten. Die Ausstellung dauert bis 8. Juli und wird im Herbst noch einmal im Waitzinger Keller gezeigt.

150. Jubiläum der Feuerwehr

Mit dem 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Miesbach steht ein weiteres Jubiläum in der Kreisstadt an, das mit mit einem großen Festzug am 8. Juli mit dem Stadtjubiläum verbunden wird. Dann besucht König Ludwig III mit seinem Telegrammboten die Untertanen in Miesbach. Versteht sich, dass auch der Magistrat und das Gemeindekollegium von damals wieder auferstehen.

Walter Kohlhauf inszeniert Freilichttheater

Mit Walter Kohlhaufs Inszenierung der Rumplhanni – einem Theaterstück von Traudl Bogenhauser nach dem Roman von Lena Christ steht ein weiteres Großprojekt auf dem Jubiläumsprogramm. Rund 50 Mitwirkende bringen das Stück in 21 Szenen auf die Freilichtbühne im Waitzinger Park. Geplant sind 7 Aufführungen im Juli und August mit äußerst talentierten Laienschauspielern aus Miesbach und Umgebung. Die Konzeption der gewaltigen Land- und Stadtkulissen liegt in den Händen von Stefan Baumgartner und Paul Martin. Das Freilichttheater bezieht Natur, Wind und Wetter mit ein und ermöglicht damit ein Erleben des dramatischen Geschehens mit allen Sinnen.

„Rumplhanni“ wird im Sommer aufgeführt.

„Rumplhanni“ wird im Sommer aufgeführt. Foto: Isabella Krobisch

Am 21. Juli findet das 2. Historische Fahrzeugtreffen in Miesbach statt. Die Oldtimerfreunde Miesbach unter Leitung von Erhard Pohl rufen Besitzer von Motorrädern, Autos, Lkw’s Traktoren, Motoren und Youngtimern zur Teilnahme auf. Die Präsentation findet rund um Volksfest- und Habererplatz statt. Prämiert wird die weiteste Anreise auf eigener Achse, das älteste Fahrzeug und ein vom Publikum ausgesuchtes Fahrzeug.

Neuer Kirchenführer

Zum Erntedankfest Anfang Oktober wird ein neuer Kirchenführer für Miesbach präsentiert. Die Idee dazu stammt von Pastoralreferentin Kathrin Baumann.
Eine „Revue“ zur Geschichte der letzten 100 Jahre schwebt Miesbachs Kulturreferentin Inge Jooß vor. Sie wird Vereine, Organisationen und Schulen aus ganz Miesbach einbeziehen und im Herbst auf die Bühne des Waitzinger Kellers holen.

Sehr viel Vorbereitungsarbeit verlangt die Musiknacht am 10. November, deren Organisation in den bewährten Händen von Kulturpreisträger Hans Georg Hering liegt. Auf verschiedensten Bühnen in Miesbach werden Auftritte von Solisten und Ensembles geboten. Die Fäden des Jubiläumsjahres laufen im Kulturamt Miesbach zusammen, das für die Koordinierung aller Projekte, die Finanzen und die Werbung sorgt.

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