Zum Kriegsende vor 75 Jahren in Miesbach

Kriegsende Bekanntmachung

Bekanntmachung an die Bevölkerung am 1. Mai 1945. Foto: Stadtarchiv Miesbach

Erinnerungen an das Kriegsende

Der Vernunft einiger Miesbacher Bürger ist es zu verdanken, dass die Übergabe an die Amerikaner im Mai 1945 ohne nennenswerten Schaden verlief. Zum heutigen 75. Jahrestag des Kriegsendes soll an die Geschehnisse, den Mut von Bürgern und die Opfer erinnert werden.

Geplant war eine Veranstaltung, bei der Zeitzeugen über ihre Erinnerungen an die letzten Kriegstage berichten sollten. Aufgrund der Corona-Krise muss diese entfallen. Stattdessen sind in den beiden Kirchen der Stadt Miesbach, der katholischen Pfarrkirche und der evangelischen Apostelkirche, Gedenktafeln mit den Namen der Toten des 2. Weltkrieges aufgestellt worden.

Barbara Wank
Stadtarchivarin Barbara Wank. Foto: Max Kalup

Stadtarchivarin Barbara Wank, die das Projekt gemeinsam mit Historiker Alexander Langheiter und Kulturreferentin Inge Jooß vorbereitet hat, sagt: „Es soll für die Bevölkerung der Erinnerung dienen und auffordern, sich Gedanken zu machen.“

Zeitdokumente

Daneben werde es auch die Berichte von zwei Vertriebenen geben, die damals in Miesbach eine Heimstatt gefunden haben. Und es sind an Plakaten Textbeispiele aus Zeitdokumenten aus dem Stadtarchiv Miesbach ausgestellt.

Um das damalige Geschehen lebendig zu halten, haben Barbara Wank und Alexander Langheiter Passagen aus diesen Zeitdokumenten gelesen, die wir Ihnen als Audiodateien präsentieren dürfen.

Carl Feichtner Kriegsende
Bürgermeister Carl Feichtner. Foto: Stadtarchiv Miesbach

Es ist insbesondere dem damaligen Bürgermeister Carl Feichtner zu verdanken, der die kampflose Übergabe der Stadt Miesbach gegen alle Widerstände der Nazis durchsetzte. In einer öffentlichen Bekanntmachung rief er zu Ruhe und Besonnenheit auf. Aus seinen Aufzeichnungen liest die Stadtarchivarin.

Aufzeichnung: Max Kalup

Mit weißer Fahne den Amerikanern entgegen

Sehr lebendig schildert das Stadtoberhaupt, wie er am 2. Mai mit der weißen Fahne den Amerikanern am Schweinthaler Berg entgegenging, um die Kapitulation bekanntzugeben, aber vom US-Kommandanten nicht beachtet wurde. Und dann ertönten plötzlich Schüsse herüber vom Stadelberg.

„Die Aufzeichnungen von Feichtner sind die wichtigste Quelle“, sagt Barbara Wank, „er war dran am Geschehen und schildert sehr ausführlich, was damals passierte.“

Alexander Langheiter
Historiker Alexander Langheiter. Foto: Max Kalup

Auch Alexander Langheiter hat Passagen aus Aufzeichnungen als Audiodatei eingelesen. Diese stammen vom damaligen Pfarrer Johann Trasberger. „Es ist spannend, wie authentisch diese Beiträge sind“, sagt der Historiker. „Sie vermitteln die Gefühle der Menschen.“

Die schwere Zeit scheine nun vorbei zu sein, notierte der Pfarrer, der Einmarsch der Amerikaner sei ruhig verlaufen, schließlich habe die Vernunft gesiegt.

Johann Trasberger Kriegsende
Pfarrer Johann Trasberger. Foto: Stadtarchiv Miesbach

Er verschweigt aber auch nicht, dass die Besatzungszeit hart war, es sei geplündert, demoliert und und gestohlen worden, auch von Vergewaltigungen ist die Rede.

Aufzeichnung: Max Kalup

Brückensprengung geplant

Aber auch SS und Wehrwolftruppen hätten in den letzten Kriegstagen noch Gewalt verübt. Wer die weiße Flagge gehisst habe, sei mit dem Tode bedroht worden. Die spektakulärste Aktion der Nazis aber war, dass sie in letzter Minute am 1. Mai noch die Johannisbrücke über die Schlierach sprengen wollten.

Kriegsende Brückensprengung
Der Gedenkstein zur verhinderten Brückensprenung. Foto: Stadtarchiv Miesbach

Mutige Miesbacher stellten sich dem entgegen.

Alexander Langheiter betont: „Es war eine schwere Zeit, niemand wusste, was morgen sein wird.“ Umso mehr sei zu würdigen, wie die Menschen versucht hätten, menschlich zu bleiben und einen geraden Weg zu gehen. „Das ist ein Beispiel für unsere heutige Zeit.“

Lesetipp: Merkwürdig, es gibt keine Nazis mehr

Zum Gedenken an das Kriegsende passen zwei Bücher, die die Schlierseer Autorin Hannah Miska verfasst hat. In beiden geht es um den Holcaust: „Der stille Handel“ und „So weit wie möglich weg von hier“.

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