Hochgradig aktuelles Buch

Neuerscheinung

16 Zeitzeugen des Holocaust hat Hannah Miska in ihrem zutiefst bewegenden Buch „So weit wie möglich weg von hier“ in Australien interviewt. So schrecklich die Einzelschicksale sind, so ermutigend sind ihre Botschaften an die junge Generation.

Hannah Miska lebt als freie Autorin in Schliersee. Die promovierte Psychologin arbeitete mehrere Jahre im Jewish Holocaust Center Melbourne. Dort traf sie auf Überlebende der Judenverfolgung im Dritten Reich, die bei Führungen und Vorträgen jungen Menschen aus ihrem Leben erzählen. In langen Gesprächen mit diesen Menschen aus Polen, Litauen, Tschechien, Belgien, Ungarn und Deutschland erfuhr sie dramatische Einzelschicksale.

In ihrem Buch hat Hannah Miska diese Interviews thematisch in 12 Kapiteln wiedergegeben. Sie stellt die Lebensberichte in den historischen Kontext, so dass der Leser einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse nach Hitlers Machtergreifung erhält. Wie subtil zunächst die Judenhetze begann und wie es letztlich zur systematischen Ermordung der Juden in den Vernichtungslagern oder bei Erschießungskommandos kam.

Unfassbare Geschehnisse

Der Leser erfährt, dass viele Juden zunächst glaubten, dass der Spuk bald vorbei sei und später eine Flucht nur sehr schwer möglich war. Auch die Rolle der Allierten, die nur zögerlich die Verfolgten aufnahmen, kommt zur Sprache. Die Geschehnisse in den Konzentrationslagern sind einfach unfassbar, und dennoch, immer wieder gibt es auch Zeichen von Hoffnung und Menschlichkeit.

Die Autorin berichtet über das Leben der Zwangsarbeiter und ihre sehr späte Rehabilitierung, sie erzählt von Kindern und vom Überleben in der Illegalität unter unvorstellbaren Bedingungen. Den unmenschlichen medizinischen Experimente des KZ-Arztes Mengele ist ein Kapitel des Buches gewidmet.

Widerstand und Retter

Dass es auch Widerstand, wenn auch nur in geringem Maße gab, erzählt Hannah Miska anhand der Geschichte Abraham Goldbergs. Bekannt wurde der Aufstand im Warschauer Ghetto, der blutig niedergeschlagen wurde. Auch die berüchtigten Todesmärsche, als die Konzentrationslager kurz vor Kriegsende evakuiert werden, thematisiert die Autorin anhand eines Einzelschicksals.

Sie schließt mit einem Kapitel über die „Gerechten unter den Völkern“ – Helfer und Retter der Juden, die unter größter Gefahr Juden versteckten oder anderweitig ihnen das Leben retteten. Viele der Geretteten wollten „so weit wie möglich weg“ von ihren traumatischen Erlebnissen und landeten so in Australien. Wie sie dort ihr Leben meisterten, auch davon handeln die Geschichten.

Trotz allem: tiefe Menschlichkeit

Eins verbindet sie alle. Sie sind nicht voller Hass und Vergeltungssucht. Und Kitia Altmann drückt es für sie mit den Worten aus: „Aber dennoch – ich denke, dass meine Lebensgeschichte eigentlich nicht von Brutalität handelt, sondern eine Geschichte tiefer Menschlichkeit ist.“

Hans-Dietrich Genscher, der ehemalige Außenminister Deutschlands, schreibt in seinem Vorwort zu diesem wichtigen Buch, dass die Geschichten der Überlebenden zum Nachdenken darüber anregen, was Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersgläubigen und Menschen unterschiedlicher Ethnizität für uns im 21. Jahrhundert bedeutet. Hannah Miska ist ein hochgradig aktuelles Buch gelungen, das Eingang in jeden Schulunterricht finden sollte.

Hannah Miska „So weit wie möglich weg von hier“ Von Europa nach Melbourne – Holocaust-Überlebende erzählen, Mitteldeutscher Verlag Halle/Saale.

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