Bedeutende Kunst in Miesbach

Es ist bereits das dritte Mal, dass der Verein Kulturvision Künstler aus den Neuen Bundesländern in den Landkreis einlädt. Nach dem Programm „20 Jahre Mauerfall“ und der Ausstellung von Bernd Göbel, Professor für Bildhauerei an der Burg Giebichenstein in Halle/Saale, vor zwei Jahren in Tegernsee, jetzt also die West-Östlichen Kulturbegegnungen.

Mit Steffen Ahrens aus dem Salzatal in der Nähe von Halle und Marcus Golter aus Potsdam begegnen uns in den Kellergewölben des Waitzinger Kellers zwei unterschiedliche Künstler. Beide studierten Bildhauerei bei Bernd Göbel und so hielt der Lehrer die Laudatio, nachdem Monika und Hans-Georg Hering an Harfe und Akkordeon den Abend mit wunderbaren Klängen eingeleitet hatten.

Steffen Ahrens, aus dem Norden stammend, überzeugt mit Figuren klarer Form, die teils still, teils in der Bewegung an klassische Plastik erinnern. Sie sind schlicht schön, „wie die Blüten der Wildrose schön sind“, sagte Bernd Göbel, „eine Ode an das Leben in seiner menschlich geprägten Vielfalt.“ Wenn die Figuren fest am Boden stehen, dann zeugen sie von Selbstbehauptung und Lebenswillen. Er wolle Kunst schaffen, die schön ist, als Gegensatz zum Schlechten in der Welt, sagt Ahrens selbst über seine Intention. Und doch. Da sind die großen Holzreliefs mit den kräftigen Aktfiguren, „die gegen einen äußeren Rahmen treten, weil er zu eng geworden scheint“, wie Göbel interpretiert. Vielleicht also doch nicht nur schön, sondern auch in der Zeit, dieser Bildhauer Steffen Ahrens.

Bei Marcus Golter ist die Zeitkritik offensichtlich. Da gibt es die Kopfwürfel, viele übereinander gestapelt, bar jeder Individualität, Klone. Einige davon presst er in metallische Umklammerungen, einige schauen frei in die Umgebung. Und gegenüber steht Kassandra, die Hellsichtige, aber ihre Warnungen bleiben ungehört. Die Kuroi marschieren mit maskierter Identität. Düster blicken uns die „Amok“ benannten Männerköpfe aus Stein an, über die Marcus Golter Blei gegossen hat. Das Blei umklammert den Kopf oder wächst aus ihm heraus, bricht aus ihm heraus und dann kommt es zur Raserei. Aber daneben hat der Bildhauer auch die liebenswerten Plastiken des alten Mannes geschaffen, nicht so schön, wie die Figuren von Steffen Ahrens, aber authentisch.

Die Holzschnitte von Bernd Göbel, böse Wesen, aber auch Hans im Glück und die Badenden in Italien, bereichern die einzigartige Ausstellung. 2. Bürgermeister Paul Fertl betonte in seiner Begrüßung, dass eine solche Präsentation, die vom Verein Kulturvision in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Miesbach und der vhs Miesbach organisiert wurde, nur durch außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement möglich wurde. Die Kulturbegegnung zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands ist für beide Seiten eine Bereicherung. Das zeigten die vielen Gespräche bei der Eröffnung, Begegnungen fanden statt, Austausch über Kunst und Gesellschaft.

Zur Finissage am 1. Mai werden um 17 Uhr Steffen Ahrens und Marcus Golter mit den beiden bayerischen Bildhauern Andreas Kuhnlein und Tobel über die Aufgabe der Kunst debattieren. Begonnen haben sie bereits gestern Abend und freuen sich auf die erneute Begegnung.

Zum Begleitprogramm zur Ausstellung, die bis zum 1. Mai täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist, klicken Sie bitte auf die pdf-Datei.

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