Brillant und mitreißend

Konzert in Tegernsee

Ein buntes Völkchen hatte sich zum Rosenmontags-Konzert eingefunden. Unter die zumeist brav gekleideten Konzertbesucher mischten sich Damen mit bunten Perücken, Feder-Boas und aparten Kostümen, während die begleitenden Herren es bei einer spaßigen Mütze beließen. Aber alle Konzertbesucher, ob als Maschkera oder nicht wurden durch die Musik der acht Instrumentalsolisten mitgerissen.

Natürlich begann Stehgeiger (er müsse stehen, denn schließlich sei der Saal ausverkauft) Tomislav Butorac mit seinem Salonorchester mit Johann Schrammel und „Wien bleibt Wien“ dem Gute-Laune-Marsch und blieb eine Weile in der „guten, alten Zeit“, derjenigen, die Karl Valentin so charakterisierte: „Heute ist die gute alte Zeit von morgen.“ Mit solchen Sprüchen, Anekdoten und sehr viel Wissenswertem unterhielt Butorac die Zuhörer zwischen den Stücken.

Operettenseligkeit im Barocksaal

So erfuhren sie, dass der Komponist des weltebrühmten Liedes „Wien, Wien nur du allein“ Rudolf Sieczyński im normalen Leben Jurist war und trotz dieses Schlagers unbekannt blieb. Berühmt indes mit über 1000 Kompositionen war Robert Stolz, von dem das Salonorchester schwungvoll aus dem „Weißen Rössl“ „Mein Lieblingslied muss ein Walzer sein“ spielte.

Der Wiener Komponist Johannes Brahms führte die Reisenden nach Ungarn. Tomislav Butorac, der, wie er sich nannte, Münchner Gwachs aus Kroatien, spielte den Ungarischen Tanz Nr. 5 mit seinem Landsmann, dem Zugeroasten, begleitet vom Salonorchester, technisch brillant und mitreißend. Ein Potpourri der beliebtesten Melodien aus Franz Lehárs „Lustiger Witwe“ von „Heut geh ich ins Maxim“ bis „Vilja, o Vilja“ brachte Operettenseligkeit in den Barocksaal.

Papst wollte Tango verbieten

Mit einem Querschnitt von Melodien des bömischen Komponisten Bedrich Smetana schloss der europäische Teil der Reise ab, um nach der Pause die Überfahrt nach Südamerika mit einem argentinischen Tango anzutreten. Was der Walzer im 19. Jahrhundert gewesen sei, nämlich ein Skandal, dazu sei der Tango im 20. Jahrhundert geworden. Papst Pius X. habe ihn zunächst sogar verbieten wollen, erzählte der Moderator.

Aber nicht nur in Südamerika wurde der Tango zu einem wesentlichen Musikstil, insbesondere durch den argentinischen Komponisten Astor Piazzolla, dessen berühmter „Libertango“ erklang, auch der durch Lieder, wie „Die Caprifischer“ bekannte Komponist Gerhard Winkler schrieb Tangos, ebenso wie der Gast des Abends Tomislav Butorac, der Eigenkompositionen darbot, sehr melodisch, sehr rhythmisch.

Schostakowitsch-Walzer

Mit einem Potpourri bekannter Melodien im Tangorhythmus, wie „Tanze mit mir in den Morgen“ beendete das Salonorchester den Auflug in südamerikanische Rhythmen. Wie der Tango nach Europa geschwappt sei, so habe sich auch der Walzer nach Südamerika aufgemacht, erzählte Butorac und bewies mit einer Eigenkomposition, dem mexikanischen Walzer „Juanita“. Dass auch moderne Komponisten sich des Walzerrhythmus bedienten, zeigten die acht Instrumentalisten mit dem „Walzer aus der Suite für Varieteorchester“ von Dmitri Schostakowitsch, einem sehr eingängigem Stück, mit dem die Reise in Europa endete.

Natürlich erklatschte sich das begeisterte Publikum eine Zugabe. Und was anderes als der berühmte Csárdás von Vittorio Monti, phantastisch gespielt von Tomislav Butoric und den Musikern des Salonorchesters, hätte es an diesem Rosenmontagabend sein können.

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