
Robert Schumann neu interpretiert
Lisa Schöttl. Foto: privat
Konzert in Miesbach
Am 23. Oktober gastieren Lisa Schöttl, Eva Kuhn, Sarah Luisa Wurmer und Alexander F. Hooper mit dem Projekt zeitgelöst „Traum der eignen Tage“ im Kulturzentrum Waitzinger Keller Miesbach. Im Interview erzählt die Otterfinger Hackbrettspielerin Lisa Schöttl, was die Konzertbesucher erwartet.
Lisa Schöttl ist dem Publikum im Oberland dafür bekannt, dass sie eine Brückenbauerin zwischen alter und neuer Musik ist und bodenständig-bayerischer Volksmusik und Weltmusik kongenial zusammenführt. Die virtuose Hackbrettspielerin ist mit ihrem Ensemble „Vielsaitig“ auch ein beliebter Gast bei der Otterfinger Kulturwoche. Jetzt hat sie sich mit zwei Musikerinnen und einem Musiker zusammengetan, um „Frauenliebe und -leben“ neu zu interpretieren.
MZ: Was hat Sie bewogen, Robert Schumanns Liederzyklus aufzugreifen?
LS: Da ist zum einen der Blick auf die Musik der Romantik, zum anderen wollen wir die Rollenbilder der Frau aufbrechen.
MZ: Im Ankündigungstext heißt es dazu: „Die historischen Texte und ihre Vorstellungen von weiblichen Lebensentwürfen werden aufgegriffen, hinterfragt und in einen neuen Kontext gestellt.“ Die Texte von Adalbert von Chamisso sind schon sehr schwülstig, oder?
LS: Ja, die Liebe der Frau wird aus Männersicht dargestellt. Wir haben tatsächlich bei den Proben überlegt, ob wir lachen oder weinen sollen, wenn wir diese Worte über die Lippen bringen. Wir wollen die Gegenpole zeigen und das wird durch die Musik aufgebrochen. Und dann haben wir einen neuen Text mit Lied Nr. 9 gefunden, der eine neue Sicht hinzu bringt.

Eva Kuhn, Sarah Luise Wurmer und Lisa Schöttl. Foto: privat
MZ: Robert Schumann hat nur die Texte 1 bis 8 vertont.
LS: Ja und für unser Projekt hat Alexander F. Hooper diesen 9. Text vertont, damit kriegen wir die Kurve, denn dieser Text wirft einen anderen Blick auf die Frau. Unter dem Thema „Traum der eignen Tage“ spricht hier die Frau im späten Alter und gibt Ratschläge an die Tochter. In der Vertonung dieses Gedichts von Alexander F. Hooper werden bei uns auch Texte der Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir mit eingeflochten.
MZ: Ihr habt zwei Komponisten für dieses Projekt.
LS: Ja, Eva Kuhn hat sich um die Lieder 1 bis 8 und Alexander F. Hooper um Lied Nr. 9 gekümmert.
MZ: Ist das dann eine ganz neue Musik?
LS: Nein, wir verwenden die Musik von Robert Schumann. Wir haben den Klavierpart für Hackbrett und Zither bearbeitet und das Ganze wird durch Improvisation und Live-Elektronik aufgebrochen.
MZ: Wie ist Ihre Beziehung zur Musik der Romantik und Robert Schumann?
LS: Hackbrett gibt’s in der Romantik nicht. Wir fanden es spannend, ein anderes Klangbild zu erzeugen und damit Aufmerksamkeit zu erregen.
MZ: Ist das das erste Projekt in dieser Vierer-Formation?

Alexander F. Hooper. Foto: MÜLLER_print © ulineumanncosel
LS: Zu dritt sind wir seit Jahren schon als Ensemble unterwegs. Aber dieses mal haben wir mit Alexander einen Special Guest dabei.
MZ: Der Zyklus ist relativ kurz.
LS: Wir spielen vor dem Zyklus andere Stücke von Eva Kuhn, so ein Lied nach einem Text von Mascha Kaleko, auch ein Stück von Clara Schumann und von Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Leider wurden ja Frauen als Komponistinnen nicht so bekannt. Und am Ende spielen wir noch etwas Versöhnliches.
MZ: Wie kommt das Projekt beim Publikum an?
LS: Wir hatten gestern Premiere in München und es wurde gut aufgenommen. Das Publikum zeigte sich von den Klangfarben überrascht und wurde zum Nachdenken angeregt.
MZ: Was ewartet das Publikum am Freitag in Miesbach?
LS: Lassen Sie sich überraschen von einem Konzert, das romantische Gefühle durch eine besondere Besetzung sinnlich hörbar macht und zugleich unsere heutigen Vorstellungen von Liebe, Weiblichkeit und Selbstbestimmung hinterfragt.
Zum Weiterlesen: Ensemble „Vielsaitig“ in der 45. Ausgabe der KulturBegegnungen, Seite 19