Zauberer mit Licht und Leica

Tom Kintscher am See mit "Drei Boote"

Tom Kintscher mit seinem preisgekrönten Bild „Drei Boote“. Foto: Tom Kintscher

Ausstellung in Agatharied

Fotograf Tom Kintscher bestückt mit seinen zum Teil mehrfach prämierten Bildern Galerien und öffentliche Räume, Arztpraxen und Krankenhäuser. Damit die Menschen im Vorübergehen innehalten und hineintauchen. Einige davon hängen auch im Krankenhaus Agatharied.

Seine Fotografien sind so realistisch, dass man fast hinein gezogen wird. Insbesondere aber bei den Makroaufnahmen muss man ganz genau hinschauen. Weil es immer etwas zu entdecken gibt. Was ist das Grüne da auf dem Blatt? Noch ein Blatt? Die Blattadern deuten ganz darauf hin, sogar die angefressenen Ränder, die leicht angebräunt sind. Und husch, in der Natur fliegt sie gleich weg und was übrigbleibt ist das wippende Blatt. Aber das Bild ist im Kasten, wie man so schön sagt.

Es ist ein Zitronenfalterweibchen, das Tom Kintscher eingefangen hat. Es kann sich der Umgebung anpassen, fast wie ein Chamäleon. Und man muss einen guten Blick für das Kleine und Unscheinbare haben, damit man es entdeckt. Tom Kintscher hat diesen Blick – aufs große Ganze und auf das winzig Kleine.

Tom Kintscher Zitronenfalter

Geheimnisvoller Zitronenfalter. Foto: Tom Kintscher

„Das wonach man sucht, findet man meistens nicht“, sagt der Fotograf aus Rosenheim. Dann fügt er hinzu: „Dafür findet man meist noch etwas besseres“. An dem Tag, als ihm die Aufnahme des Zitronenfalters gelingt, wollte er eigentlich die Bergmassive in Aschau fotografieren.

Neue Sichtweisen eröffnen

Er möchte die Betrachter dazu einladen, andere Perspektiven einzunehmen, solche, die einem Menschen im echten Leben nicht gelingen. Seine Makroaufnahmen von Blüten laden uns dazu ein, wie eine Biene geradezu hineinzufliegen. Sich von den gewohnten Denk- und Sichtweisen zu entfernen sei wichtig in unserer heutigen schnellen und digitalisierten Welt, meint Tom Kintscher. Er fotografiert viele seiner Bilder mit einer kleinen, fast unscheinbaren Leica, die er immer dabei hat.

Tom Kintscher Moonlight
Das Bild „Moonlight“ erhielt den Award „200 Best Ad Photographers worldwide 2016/17“. Foto: Tom Kintscher

Mit dreißig zog es ihn nach Solms und Wetzlar, um sich dort zum Leica-Spezialisten ausbilden zu lassen. Seitdem fotografiert er manuell, ohne Autofokus und ausschließlich mit Festbrennweiten. Eines seiner faszinierendsten Bilder, die mit der Leica entstanden sind, ist das Stillleben „Moonlight“. Fast unwirklich realistisch ist eine Szenerie in einem Hinterhof eingefangen, die vom Mond und dem Licht einer entfernten Straßenlaterne beschienen wird. Das Bild wirkt geradezu magisch auf Besucher und auch Beschäftigte des Krankenhauses in Agatharied. Kein Wunder, dass es den AWARD „200 Best Ad Photographers worldwide 2016/17“ erhielt. Auch für die „Drei Boote“ aus unserem Titelbild erhielt Tom Kintscher den begehrten internationalen Fotopreis.

Lichtmalerei gibt Rätsel auf

Ein anderes, äußerst interessantes Sujet sind die Lichtmalereien des Fotokünstlers. Geheimnisvoll wirken die Bilder. Wie sind sie wohl aufgenommen, mag sich mancher Laie fragen? Die Lichtmalereien entstehen ohne konkretes Motiv vor der Lise, soviel verrät Tom Kintscher. Der Rest bleibt der Fantasie der Betrachter überlassen. Das Erstaunliche an der Lichtmalerei ist, dass ganz unterschiedliche Bilder entstehen. Einige sind motivisch fast greifbar, lassen eine Geschichte erahnen. In anderen wiederum scheint es, als seien sie tatsächlich „mit purem Licht gemalt“ – Lichtlinien und Lichtpunkte huschen über die großformatigen Bilder. Ein anderes Bild wirkt wie ein gewebter Ikat, eine besondere, historische Webtechnik, und sieht doch hochmodern aus, fast wie im Computer entstanden.

Tom Kintscher Mohnfeld
Wogendes Mohnfeld. Foto: Tom Kintscher

Alle seine Fotografien läßt Tom Kintscher mit Lichtpigmentfarbe auf Spezialleinwand drucken. Zum einen kommen die Farben brillanter heraus, zum anderen bleiben die Bilder dadurch farbecht. Keines der Fotos läuft durch ein Bildbearbeitungsprogramm, alle Motive sind so echt und real wie der Fotograf sie in der Natur sieht. Der Blick der Besucher des Krankenhauses bleibt immer wieder an einem rauschenden Mohnfeld hängen. Das langzeitbelichtete Motiv wirkt so echt, man kann das Rauschen des Windes beinahe hören, der die Halme der Mohnblumen biegt. Tom Kintscher gelingt es, die Menschen mitzunehmen. Er lädt sie ein, in seine Bilder einzutauchen und dort zu verweilen.

Das nächste Projekt wird eine Serie mit Porträts sein. „Unique“ soll Menschen in ihren ureigensten Merkmalen und Charakteristika darstellen, ihre Ausstrahlung und Markanz – und zwar in einem Moment, in dem die Porträtierten ganz gelöst sind. Wenn sie aufhören, sich so zu präsentieren, wie sie gern gesehen werden wollen und stattdessen ganz sie selbst sind.

Die Fotografien von Tom Kintscher sind in einer wechselnden Dauerausstellung in den Gängen des Krankenhauses Agatharied zu sehen. Weitere Infos über den Künstler finden Sie auf seiner Homepage.

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