Michael von Brück

Der Höhepunkt unseres Lebens

Michael von Brück, Religionswissenschaftler, Theologe, Yogalehrer und Zen-Meister. Foto: Becky Köhl

Fastenpredigt in Holzkirchen

Die von Markus Bogner initiierten Fastenpredigten fanden heuer zum zweiten Mal statt und begeisterten mit ihren brisanten Themen das Publikum in der Kapelle zur Heiligen Familie in Holzkirchen. Diesen Sonntag fanden sie ihren Ausklang und zugleich auch ihren Höhepunkt, wie Monika Ziegler von KulturVision in ihrer Einführungsrede erklärte.

Für das Thema „Wie wollen wir sterben?“ kündigte die Vorsitzende des Vereins Kulturvision e.V. mit offensichtlicher Freude einen besonderen Gastredner an. Michael von Brück, Professor für Religionswissenschaft, Zen- und Yoga-Lehrer, sowie Rektor und spiritueller Leiter der Domicilium Akademie in Weyarn, widmet sich seit vielen Jahren dem Zusammenführen von westlichen und östlichen Weisheitslehren. Für den abschließenden Vortrag der diesjährigen Fastenpredigten brachte er sein umfassendes theoretisches, vor allem aber auch erlebtes Wissen mit, um es mit dem zahlreich erschienenen Publikum zu teilen.

Michael von Brück
Monika Ziegler eröffnet die 4. und letzte Fastenpredigt 2024. Foto: Becky Köhl

Klänge von Mozart (Regine Kofler an der Harfe, Franziska Kofler am Horn) begrüßten Michael von Brück in der Kapelle und erinnerten ihn daran, dass er sich schon als Kind gefragt hatte, wie es möglich sei, dass Trauer, ausgedrückt in Musik, so großartig und schön sein kann. Mit diesem scheinbaren Widerspruch von Klage und Freude stieg der in Regensburg lebende Gastredner mitten in sein Thema ein und nahm seine Zuhörer mit in die Betrachtung des Abenteuers Leben, das den Tod mit einschließt.

„Beim Sterben sind wir alle gleich“

Eingebettet in ein jahrzehntelanges Studium der westlichen und östlichen Weisheitslehren, nahm Michael von Brück im Kontext der Fastenpredigten vor allem Bezug auf den christlichen Zugang zum Thema Sterben, in welchem dieses als Verwandlung, als eine Art von Metamorphose beschrieben wird. Der Redner wies jedoch auch auf etwas ganz Grundsätzliches, Beobachtbares hin: Beim Sterben sind wir alle gleich. Wir wissen nicht, wann und unter welchen Umständen, aber dass wir sterben werden, wissen wir. Ob Mann, Frau, alt, jung, verschiedenen Kulturen oder Religionen zugehörig, durchleben wir verschiedene Phasen bis hin zu unserem letzten Atemzug. Hieraus ergeben sich die spannenden Fragen dieses Vortrages: Haben wir beim Sterben etwas mitzubestimmen? Können wir uns darauf vorbereiten, es vielleicht sogar ein Stück weit gestalten?

Über die Kunst, zu leben und zu sterben

Michael von Brück erinnerte daran, dass wir besonders die letzten Augenblicke vor dem Tod alleine erleben, das Sterben dennoch eine durchaus soziale Angelegenheit sei. In Coronazeiten mussten Menschen die tiefe Beunruhigung erfahren, einsam sterben zu müssen, wo sich doch beinah alle Menschen wünschten, im Kreis von Familie oder Freunden, in friedlicher Geborgenheit zu gehen. Im Domicilium werden in einer zweijährigen Ausbildung Menschen unterschiedlichen Hintergrundes zu Sterbebegleitern ausgebildet, beschäftigen sich intensiv mit den Dimensionen des Sterbens. Dieses bewusste Hinschauen führe nicht dazu, sich vom Leben abzuwenden, erklärt Michael von Brück, es sei der gegenteilige Effekt zu beobachten. Die Lebenskunst und die Sterbenskunst seien ineinander verwoben. Sich dem Sterben zuzuwenden, führe zum Auskosten des Lebens. Das Sterben beginne im Grunde auch schon vom ersten Augenblick des Lebens an. Ein ständiger Prozess, in dem einzelne Zellen genauso sterben wie geistige Haltungen.

Michael von Brück
Blick in die Kapelle zur Heiligen Familie. Foto: Becky Köhl

„Wir Menschen können lernen, zu leben und zu sterben“, teilt Michael von Brück seine Auffassung mit den Zuhörern. Ein beruhigender Gedanke. Das Leben als Vorbereitung für seinen Höhepunkt, das Sterben. Wie diese Vorbereitung aussehen könnte, beschreibt der Fastenredner wunderbar praktisch. Schmunzelnd erwähnt er, dass dabei die deutsche Kultur nicht unbedingt hilfreich sei. Als „Jammerkultur“ bezeichnet er sie, in der das Gesellschaftsspiel, sich über Wetter, Politik oder die Nachbarn aufzuregen, spirituell, psychisch und vermutlich auch körperlich krankmache.

Das Hausmittel gegen kollektives Jammern

Ein wirksames Mittel gegen das kollektive Jammern sei die Haltung der Dankbarkeit. Nicht nur in den schönen Momenten, sondern besonders auch in den schwierigen. Was wiederum dabei helfe, sei das Staunen, das wir bei Kindern beobachten können, die so viele Dinge zum ersten Mal erleben. Wir Erwachsenen bräuchten jedoch oft noch einen Schritt vor dem Staunen, das konzentrierte, genauere Hinsehen. Genaues Schauen, um zu erkennen, dass tatsächlich alles in jedem Moment neu ist, auch ein Gesicht, das wir schon seit vierzig Jahren betrachten. Vom Staunen ist es dann nur ein kleiner Schritt zur Dankbarkeit.


Franziska und Regine Kofler gaben den stimmigen musikalischen Rahmen. Foto: Becky Köhl

Im Domicilium in Weyarn lernen Menschen auch anhand von Meditation das Wesentliche vom Unwesentlichen zu entscheiden, gewohnte Vorstellungen loszulassen und mehr im Hier und Jetzt zu sein. Alles Dinge, die auch im Sterbeprozess notwendig werden. Genauso wie zu lernen, auch die schwierigen Erfahrungen anzunehmen, zu integrieren und sich dann wieder der Freude zuzuwenden.


Michael von Brück rief dazu auf, das Leben zu leben. Foto: Becky Köhl

„Beginnen Sie heute damit, ein Leben in Fülle, Kraft und Bewusstsein zu leben“. Ein Satz, zu Beginn der Fastenpredigt mitgeteilt, wirkt nach, weckt die Lust, mehr über das Leben und Sterben zu lernen. Fragen bleiben im hohen Raum der Kapelle hängen. Fragen, die keine Antworten brauchen, sondern mit nach Hause getragen werden wollen, damit sie gelebt, erfahren werden. Fragen führen zu noch mehr Fragen und aus diesen werden wieder neue Fastenpredigen entstehen. Matthias Hefter, Organisator der Reihe „St. Josef mit Leben füllen“, hat die Termine für nächstes Jahr bereits in seinem Kalender reserviert.

Zum Weiterlesen: Wie wollen wir arbeiten?

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