Kreuther Adventsingen zu Ehren des Kiem Pauli

Kreuther Adventsingen

Der Kiem Pauli ist den meisten wohl wie auf dieser Abbildung bekannt – mit runder Brille und Pfeife im Mund. Foto: BR

Kreuther Adventsingen

Etwas ganz Besonderes ist das Kreuther Adventsingen am vierten Adventsonntag in der Pfarrkirche St. Leonhard. Im Gedenken an Kiem Pauli findet seit dessen Todesjahr 1960 diese traditionelle Adventsandacht statt und lockt alljährlich zahlreiche Freunde echter Volksmusik in das Gotteshaus unterm Leonhardstein.

Das Örtchen Kreuth und der Kiem Pauli – die beiden hegen eine innige Beziehung. Doch nicht nur die Kreuther wissen um den großen Verdienst des Kiem Pauli für die Volksmusik. Er war Musikant, Pädagoge und Volksmusiksammler. In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts trug er maßgeblich zur Wiederbelebung der bayerischen Volksmusik bei.

Kreuther Adventsingen
In der Pfarrkirche St. Leonhard in Kreuth findet jedes Jahr ein Adventsingen zu Ehren des Kiem Pauli statt. Foto: Pfarrverband Tegernsee-Egern-Kreuth

Diese Verbindung können bestimmt die meisten Menschen mühelos herstellen. Aber wer weiß denn wo er geboren wurde? Oder welche Zeitgenossen ihn auf seinem Lebensweg beeinflussten?

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Der Kiem Pauli, eigentlich Emanuel Kiem, wuchs in München auf und fühlte sich schon früh zur Musik hingezogen. Den ersten Instrumentalunterricht für Gitarre, Zither und Geige erhielt er von seinem Bruder Ernst. Nach dem Tod des Vaters 1910 ging er als Musiker (Bassgitarre) zur Tegernseer Bauernbühne des Michael Dengg. Dort bildete er zusammen mit Carl Holl (Zither) und dem „Reiter Hansl“ (Schoßgeige) das später berühmte „Tegernseer Trio“.

Kreuther Adventsingen
Das „Tegernseer Trio“. V.l.: Reiter Hansl, Carl Holl und Kiem Pauli. Foto: Die Tegernseer Musikanten

In die Jahre vor dem 1. Weltkrieg, in dem er sich lebenslange gesundheitliche Schäden zuzog, datiert auch der Beginn seiner engen Freundschaft mit Ludwig Thoma, der ihm Weihnachten 1919 sein eigenes Exemplar von Konrad Mautners Liedersammlung „Steirisches Rasplwerk“ schenkte. Diese Anregung, wie auch Thoma‘s Hinweis auf die Zeitschrift „Das deutsche Volkslied“ waren der Beginn von Kiems Beschäftigung mit den Problemen der Volksliedforschung und -pflege.

Das „echte“ bäuerliche Volkslied

Dabei waren ihm besonders die Aufsätze des führenden österreichischen Forschers Josef Pommer richtungsweisend. Pommer stellte dem verbreiteten volkstümlichen Lied das meist verborgene „echte“ bäuerliche Volkslied gegenüber, für dessen Sammlung und Wiederbelebung er sich einsetzte.

Kreuther Adventsingen
Der Bund der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien verleiht seit 1953 an verdiente Sänger und Musikanten die Kiem Pauli Medaille mit dem Portrait des Kiem Pauli. Foto: Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien

Kiems Ziel, diese Arbeit für Oberbayern zu leisten, erfuhr durch die Wittelsbacher unter Herzog Ludwig Wilhelm und Herzog Albrecht eine lebenslange geistige und materielle Unterstützung. Sie stellten ihm, der seit 1924 auch aus gesundheitlichen Gründen nur noch Musikunterricht gab, in Bad Kreuth Wohnung und Unterhalt zur Verfügung.

Bis heute sind zahlreiche Liedaufzeichnungen erhalten

1925 lernte er Kurt Huber kennen, der damals am Schliersee im Auftrag der Deutschen Akademie die ersten Phonographen-Aufnahmen oberbayerischer Volkslieder machte. Die Freundschaft und Zusammenarbeit beider seit dieser Zeit war einer der wichtigsten Impulse für die bayerische Volksliedforschung und -pflege bis zum 2. Weltkrieg. Die meisten Liedaufzeichnungen nahm der Kiem Pauli nach 1927 vor, als er zahlreiche oberbayerische Gebiete bereiste und nach dem „echten“ bäuerlichen Dialektlied forschte.

Lesetipp: „Der heilige Hies“ im Thomahaus

Anlässlich dieses rührigen Volksmusikhelden findet morgen die alljährliche Adventsandacht in Kreuth statt. Mitwirkende sind das „Bernhard Kohlhauf Trio“, die „Geschwister Ertl“, die „Weisenbläser aus dem Tegernseer Tal“, der „Kreuther Kirchenchor“ und das „Kreuther Saitenquintett“.

Kreuther Adventsingen
22.12.2019, 19:00 Uhr, Pfarrkirche St. Leonhard, Kreuth

Quelle: https://www.deutsche-biographie.de/sfz40851.html

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