“Dunkel geworden sind meine Augen”

Johannespassion

Vokalensemble Neuland aus Bad Aibling unter der Leitung von Sebastian Schober (rechts). Foto: Gisela Stübing

Konzert in Otterfing

Einem erhabenen und berührenden Programm geistlicher Chormusik zur Passion widmete sich das Vokalensemble Neuland aus Bad Aibling unter der eindrucksvollen Leitung von Sebastian Schober in der Pfarrkirche St. Georg in Otterfing.

Schober, bestens bekannt als Leiter der Kantorei Tegernsee, übernahm in seiner Heimatgemeinde nicht nur das Dirigat, sondern bewies auch als Sänger Professionalität.

Gesänge zur Karwoche

Am Fünften Fastensonntag, dem Passionssonntag, gelang dem Vokalensemble vor dem barocken Hochaltar mit Max Ehams “Drei Gesängen der Karwoche” eine ergreifende Einstimmung in die letzten Wochen vor dem Osterfest. Es gestaltete die Kompositionen des 2008 verstorbenen, ehemaligen Domkapellmeisters eindringlich mit großer Intensität und Leidenskraft. Die Sopranstimmen des Chores heben und tragen das Lied “Mein Vater, kann dieser Kelch nicht vorübergehen”, während Schober als Vorsänger seinen Teil dazu beiträgt.

Johannespassion
Pfarrkirche St. Georg in Otterfing. Foto: Gisela Stübing

Das kurze, leise und klagend vorgetragene Lied von Johann Georg Herzog (1822-1909) “Dunkel geworden sind meine Augen” drückt mit tiefer Empathie den Schmerz über die Wunden des Herrn aus. Kraftvoll verschmelzen die Stimmen zu einer zu Herzen gehenden Verbindung.

Besonders eindrucksvoll war das “Clamavit Jesus” aus dem “Eli, Eli” des ungarischen Komponisten Georgius Bárdos (1905-1991). Expressiv und höchst dramatisch erklang der Ruf Jesu, bis er in zartem pianissimo verhallte.

Große Hoffnungen und leidenschaftliche Erwartungen

Wie der Otterfinger Pfarrer Dr. Slawomir Fijalkowski es eingangs formulierte und Pastoralreferentin Maria Fraundorfer-Winderl in ihren kurzen Zwischentexten aufzeigte, bewegte sich nun alles auf den Höhepunkt des Abends hin: die Johannespassion von Heinrich Schütz (1585-1672).

Johannespassion
Pfarrer Dr. Slawomir Fijalkowski bei seiner Einführung. Foto: Gisela Stübing

Große Hoffnungen enthielt der Abendmahltext im Lied “Unser Herr Jesus Christus”. Einfühlsam gesetzt und geführt von Sebastian Schober kam es so zu einer fast fröhlichen Stimmung. Mächtig erschallten die leidenschaftlichen Erwartungen aus dem 3. Kapitel des Johannes Evangeliums “Also hat Gott die Welt geliebt”.

“Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus”

Höchst eindrücklich gestalten Chor und Dirigent die Erzählung dieser vom über 70-jährigen Schütz verfassten Leidensgeschichte des Herrn. Die Musik bleibt dabei dem biblischen Text streng untergeordnet. Lange, unbegleitete Rezitative übernehmen die Verkündigung des Evangeliums. Im Gegensatz dazu stehen die sehr knapp gehaltenen Turbae-Chöre, die die aufgebrachte Stimmung des jüdischen Volkes illustrieren und dabei das Geschehen rhythmisch begleiten und dramatisieren.

Neben Sebastian Schober, der als Evangelist den größten Solopart übernimmt, kommen auch einzelne Sänger aus dem Chor zu ihren Einsätzen. Michael Helbing verleiht Christus eine tiefe Stimme, während Stefan Kell seinen Pilatus, Petrus und Knecht in mittlerer Stimmlage gestaltet. Eva Rotter darf als Magd ihren tragfähigen Sopran einbringen.

Ruhig verharren die tief berührten Zuhörer am Ende dieses a cappella Konzerts, kein Applaus stört die Emotionen. Nur die Kirchenglocken begleiten die Gedanken und Gefühle beim Hinausgehen.

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