Jan Voss: Abstraktion und Figürliches, Witz und Farbe

Jan Voss Neue Perspektiven

Jan Voss „Neue Perspektiven“. Foto: MZ

Ausstellung in Holzkirchen

In Holzkirchen und gleichzeitig an etwa zehn weiteren Plätzen der Welt findet derzeit eine Ausstellung mit Werken von Jan Voss statt. Die Arbeiten des in Paris lebenden Deutschen werden auf Messen gut gehandelt, die Besitzer der hier gezeigten Arbeiten indes trennen sich nur ungern von den Blättern.

Zum ersten Mal war in der Galerie im Autopavillon Steingraber nicht ein Künstler, sondern es waren Kunstsammler präsent. Kurator Horst Hermenau war es gelungen, Rosi und Rolf Quandt mit einem Teil ihrer Sammlung aus 50 Jahren Druckgrafik Jan Voss nach Holzkirchen einzuladen.

Rosi und Rolf Quandt
Sammler Rosi und Rolf Quandt. Foto: MZ

Das Sammlerleben, so erzählt Rolf Quandt, sei in zweierlei Hinsicht schwierig. Für den Sammler, da er seine Objekte kaum noch unterbringe und für seine Umgebung, da er mit seiner Sammlerleidenschaft nerve. Er habe schon sein erstes selbstverdientes Geld als Nachhilfelehrer in Blätter von Max Ernst investiert.

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Auf Jan Voss seien sie vor 25 Jahren bei einer Reise nach Frankreich aufmerksam geworden, dort sei der Grafiker sehr bekannt. Er schätze an ihm, dass er alle Techniken der Druckgrafik ausprobiert habe, vom Holz- und Linolschnitt, der Radierung und der Lithografie über Siebdruck bis hin zum Tintenstrahldrucker.


Jan Voss: „Irenes Zoo“. Foto: MZ

Klaus-Gerrit Friese schreibt in einem Aufsatz, dass in der Druckgrafik, dieser versteckten, nicht dem vollen Licht der Kunstöffentlichkeit unterworfenen Disziplin, Erfindungen gemacht werden, ein Werk entstanden ist, das neu und einzigartig ist.

In der Ausstellung in Holzkirchen kann sich der Besucher davon selbst überzeugen. Er findet Grafiken von 1964 bis 2014 und entdeckt nicht nur von der Technik her, sondern auch von den Bildinhalten her ein sehr unterschiedliches, reichhaltiges und einzigartiges Werk.

Comichaft wirkende Arbeiten

Es beginnt mit kleinteiligen, figurativen, wie Zeichnungen wirkenden Arbeiten, die zum Teil etwas Comichaftes haben. In diesen Lithografien kann der Betrachter sehr lange mit dem Auge spazieren gehen, er findet immer neue Details, etwa Tiere, wie in „Irenes Zoo“, einen verbundenen Kopf und immer wieder menschliche Figuren.

Mit seiner Arbeit „Neue Perspektiven“ baut er einen physikalisch-technischen Aspekt in sein ansonsten perspektivloses Blatt ein. Im oberen Teil zeichnet er den Strahlengang über eine Feder, analog, wie es Dürer einst tat, im unteren Teil tummeln sich gegenständliche Einzelemente bar jeder Raumtiefe.

Jan Voss
Jan Voss „Hommage à Picasso“. Foto: MZ

Offensichtlich habe sich Jan Voss mit der Kunstgeschichte intensiv auseinandergesetzt, erklärt Rolf Quandt, denn seine „Hommage à Picasso“ zeige Elemente des Künstlers, nebenbei aber habe er auch einige Mirós hineingeschmuggelt.

So seien diese frühen figurativen Arbeiten sowohl ein Rätsel, als auch ein Witz, sie gleichen Bilderrätseln, die nicht auflösbar sind, und jeder Betrachter finde in ihnen seine eigenen Antworten.

Jan Voss Chienlit
Jan Voss: „Chienlit“. Foto: MZ

In einigen Blättern sprengt Jan Voss den für die Kunst so wichtigen Rahmen, er lässt eine Hand oder eine Streichholzschachtel hinein ins Bild langen oder er lässt Elemente herausragen. Zudem spielt er mit der Schrift und mit surrealistischen Elementen.

Auf eine falsche Fährte führt Jan Voss den Betrachter mit dem Holzschnitt „Vu de Balcon“. Ganz deutlich ist eine Holzmaserung zu sehen, die aber so exakt geradlinig ist, wie es ein Holz niemals wäre, wieder also geschummelt.

Jan Voss Vu du balcon
Jan Voss: „Vu du balcon“. Foto: MZ

In den neunziger Jahren zeigen die Arbeiten immer noch Einzelsegmente, jetzt aber sehen sie aus wie einzeln mit einem Stempel oder gar einer Kartoffel aufgedruckt. Rolf Quandt aber klärt auf: „Die Lithografien sind nur mit einem Stein gedruckt.“

In einer anderen Werkserie, bereits in den achtziger Jahren beginnend, widmet sich der Künstler der Linie. Was wie Gekritzel aussieht, vermittelt aus der Ferne abstrakten Eindruck und erst in der Nähe kann der Betrachter wieder figürliche Elemente entdecken.

Diese Mischung aus Abstraktion und Figürlichem, sowie einer Menge Humor, mache für ihn die Bedeutung des Werkes von Jan Voss aus, sagt Rolf Quandt und seine Frau ergänzt: „Neben der Witzigkeit mag ich insbesondere seine Farbigkeit.“

Jan Voss Nouveaux riches
Jan Voss: „Nouveaux riches“. Foto: MZ

Diese wird in den Arbeiten an der rechten Wand deutlich, wo plakative farbige Elemente neben monochromen Drucken zu sehen sind. Auch hier wieder kann der Betrachter Elemente, wie Mickeymouseköpfe entdecken.

Das jüngste Bild ist eine Hommage an die moderne Technik, ein Tintenstrahldruck. Rolf Quandt bemerkt: „Einige Kritiker sagen, Druckgrafik ist Kunst für Arme, ich sage, Druckgrafik ist Kunst für Schlaue.“

Die Ausstellung „Jan Voss, 50 Jahre Druckgrafik“ aus der Sammlung Rosi und Rolf Quandt ist noch bis zum 11. Januar 2010 in der Galerie im Autopavillon Steingraber in der Robert-Bosch-Straße 1, 83607 Holzkirchen montags bis freitags 10 bis 18 Uhr und samstags 10 bis 15 Uhr zu sehen.

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