Illegale Boxkämpfe und Halfterdieb

Caroline Holz, Cornelia Engl, Edith Wüster, Guido Buettgen (v.l.). Foto: Monika Ziegler

Lesung in Holzkirchen

Wer solche Wendungen erfindet, wie „testosterongeschwängerte Millionärsjünglinge“, „flächendeckender Schminkstil“, „Verbindlichkeit eines Steuerprüfers“, „das ist so sicher wie das äh in Stoiberreden“, „dem er entgegen fiebert wie ein Starnberger Teenager seinem ersten Porsche“ oder „frisch operierter Mehrgenerationenkörper“ und als letztes Beispiel „ihr Rock war so kurz, dass nicht einmal eine Motte davon satt werden konnte“, ein solcher Autor kann sicher sein, seine Leser bei der Stange zu halten.

Bei der Stange hielt der Debütant in der Regionalkrimiszene auch das gebannt lauschende Publikum in der Bücherecke, das immer wieder laut auflachte, wenn wieder einer seiner köstlichen Vergleiche oder Metaphern in dem ansonsten lebendig und informativ erzählten Text aufbitzten. Nie zu viel, aber immer an der passenden Stelle, dann wieder detallierte Beschreibung von Protagonisten oder Orten, so dass sich der Zuhörer ein genaues Bild vom Geschehen machen kann.

Gekonnter Cliffhanger

Schon die erste Szene endet mit einem gekonnten Cliffhänger. Buettgen schreibt: „Er machte den größten Fehler, indem er seinen Gegner unterschätzte.“ Schnitt. Es geht in dem Krimi um die High Society am Starnberger See, die sich an illegalen Boxkämpfen ohne Boxhandschuhe ergötzt, gar Wetten abschließt. Ein polnischer Bauarbeiter wird wohl das Opfer einer solchen brutalen Schlägerei. Den Fund der Leiche durch einen Kajakfahrer beschreibt der Autor so: „Als er sah was er gerammt hatte, erbrach er sich.“ Schnitt.

Die Ermittlung des Mordfalles liegt in den Händen zweier Polizisten, die unterschiedlicher nicht sein können. Kriminalrat Madsen, der unorthodoxe, Harley fahrende, mit sarkastischem Humor ausgestattete Ex-Hamburger einerseits und von Werdenfels, der penible regionale Vorzeigepolizist. Wie sie aufeinander treffen, beschreibt der Autor in einer köstlichen Szene, in der eine Helikoptermutter den Verlust des Handys ihres verwöhnten Sohnes bei der Polizei meldet und die Verbindungen ihres Mannes zum Ministerpräsidenten persönlich ins Feld führt.

Vereinsamte Ehefrau

In einer dritten Szene begibt sich Madsen selbst als verdeckter Ermittler und Kämpfer in den Ring, da geht es rund, aber der Autor beschließt seine Lesung wiederum mit einer äußerst witzig beschriebenen Episode, in der eine vereinsamte Ehefrau den „100 Euro teuren Whisky auf den 1000 Euro teuren Teppich kotzt“.

Kein Wunder, dass „Champagnerblut“ allerorten hoch gelobt und gut verkauft wird, bleibt zu hoffen, dass Guido Buettgen seine Ankündigung wahr macht, und eine weitere Folge schreibt.

Kinder-Detektive im Blauen Land

Am Nachmittag war bereits ein bekannter Regionalkrimischreiber in der Bücherecke zu Gast. Jörg Steinleitner hatte mit seiner 13 Jahre alten Tochter Jona das Kinderbuch „Juni im Blauen Land“ geschrieben. Die beiden Autoren lasen mit verteilten Rollen die Geschichte, in der es um einen Halfterdieb geht und die Kinder im Dorf Detektiv spielen. War es der mit der Wasserpistole, der von allen ausgegrenzt wird oder der Ältere, der schon mal im Gefängnis war?

Vor 33 Jahren gründeten Edith Wüster und Cornelia Engel die Bücherecke. Mittlerweile wurde die Buchhandlung erheblich vergrößert und Caroline Holz löste ihre Mutter Edith Wüster ab. Was blieb, ist der familiäre Rahmen, das Stammpublikum, die freundliche Atmosphäre und immer wieder Lesungen mit spannenden, auch bereits sehr populären Autoren. Auf weitere 33 Jahre, wünschte Guido Buettgen dem gesamten Team.

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