Warum Frauen keine Karriere machen sollen

Helma Sick

Helma Sick im FoolsTheater Holzkirchen. Foto: Petra Kurbjuhn

Vortrag in Holzkirchen

Sind Frauen dümmer oder fauler als Männer? Nein? Warum verdienen sie dann weniger und haben eine weitaus geringere Rente als Männer? Warum sind immer noch viele Frauen wirtschaftlich abhängig von Männern? Die soziokulturellen Hintergründe dafür beleuchtete Helma Sick in Holzkirchen.

Das Thema „Frau und Geld“ beschäftigt Helma Sick schon lange. Sie gründete vor 32 Jahren ein Beratungsunternehmen für Frauen und ist als Kolumnistin der „Brigitte“ und „Brigitte Woman“ deutschlandweit bekannt. Als Verfasserin von Büchern und als Vortragende hat sie sich einen Namen gemacht und kämpft engagiert dafür, dass Frauen unabhängig sind und ihr eigenes Geld verdienen.

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Die Vergangenheit indes zeugt davon, dass Frauen massiv unterdrückt wurden. „Es gibt nur wenige positive Beispiele“, sagte die Finanzexpertin im Foolstheater zur ersten Sonntagsmatinee im Rahmen von „Anders wachsen“ mit dem Titel „Von der Pharaonin zum Heimchen am Herd“.

Am alten Ägypten schuldeten die Männer den Frauen Gehorsam und Frauen, siehe Kleopatra, konnten zur Herrscherin ernannt werden. Auch bei den Kelten konnten Frauen Macht erlangen, allerdings nur, wenn sie Geld hatten.

Frauenfeind Aristoteles

Die Athenerin indes hatte keine Rechte und Aristoteles sei als Frauenfeind in die Geschichte eingegangen, so Helma Sick, die ihren informativen Vortrag mit zahlreichen unterhaltsamen Episoden und nachgerade unfassbaren Zitaten würzte.

Publikum bei Helma Sick
Ausschließlich weibliches Publikum. Foto: Petra Kurbjuhn

Im katholischen Abendland war die Frau Vieh, Sklaven und Sachen gleichgestellt. Eine Ausnahme war die Zeit des Spätmittelalters, in der Frauen sogar einen Beruf erlernen durften. Wenn sie allerdings reiche Witwen waren drohte ihnen ein Hexenprozess, denn damit fiel das Geld an die Behörde.

Dicker Hintern

Auch Luther diskriminierte Frauen. Sie hätten einen dicken Hintern, der sie zum Stillsitzen prädestiniere. An der Börse war Frauen lange Zeit ebenso wie Bankrotteuren, Hunden und Behinderten der Zutritt verboten.

Aber immer, so erzählte Helma Sick, habe es auch Frauen gegeben, die das Geldgeschäft beherrschten. So beispielsweise Victoria Woodhull, eine bemerkenswerte Börsenmaklerin, Hellseherin und Frauenrechtlerin, die sich sogar als Präsidentschaftskandidatin aufstellen ließ.

Zugang zur Universität verwehrt

Das Gros der Frauen aber blieb vom Mann abhängig und versorgte den Haushalt. Im Bürgerlichen Gesetzbuch um 1900 ist festgelegt, dass der Mann das Oberhaupt der Familie ist. Der Lehrerinnenzölibat wurde erst im Jahre 1957 aufgehoben. Und weil Frauen ein kleineres Gehirn hätten, wurde ihnen in Deutschland der Zugang zur Universität lange Zeit verwehrt.

Helma Sick in Holzkirchen
Helma Sick würzt ihren Vortrag mit Anekdoten und Zitaten. Foto: Petra Kurbjuhn

Nach den Goldenen zwanziger Jahren, in denen die Frauen selbstbewusst wurden, kam ein Rückschlag in der Zeit des Nationalsozialismus, in der die Frau sich als Hausfrau und Mutter zu bewähren hatte.

Diese klassische Rollenverteilung hielt im Westen Deutschlands bis in die sechziger Jahre an, während in der DDR ein anderes Familienmodell wirksam wurde. Hier war die Frau berufstätig und es gab genügend kostenlose Kinderbetreuung.

Bei Karriere wächst der Bart

Noch in den achtziger Jahren schrieb ein Wissenschaftler, dass bei Frauen eine Karriere zur Vermännlichung führe, mit Bartwuchs, usw. Frauen also, so fasste Helma Sick zusammen, haben ein kleineres Hirn, einen dicken Hintern und können keine berufliche Karriere machen. Diesem Klischee entsprachen auch Fernsehserien, die als Idealmodell für die Frau die Heirat mit einem reichen Mann einprägte.

„Wir haben viel erreicht“, sagte Helma Sick, seit 100 Jahren gibt es das Frauenwahlrecht, Frauen können den Beruf frei wählen und können auch über ihr eigenes Geld verfügen. Aber dies sei in Gefahr, denn „Populisten gefährden die Demokratie und verfechten ein rückständiges Frauenbild.“

Helma Sick signiert
Die Finanzexpertin beim Signieren. Foto: Petra Kurbjuhn

„Frauen müssen sich engagieren und dürfen nicht die Macht den Männern überlassen“, schloss die engagierte Kämpferin für die Selbständigkeit der Frau ihren Vortrag und beantwortete zahlreiche Fragen aus dem weiblichen Publikum.

Die nächste Sonntagsmatinee im FoolsTheater Holzkirchen im Rahmen von „Anders wachsen“ gestaltet am 10. November Katharina Schüller mit dem Titel „Statistik und Intuition“. Das gesamte Programm von „Anders wachsen“ finden Sie hier.

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