Farbenfrohe Tongebung und homogene Sensibilität

Goldmund Quartett. Foto: KN

Konzert in Tegernsee

Grandiose Kammermusik boten das „Goldmund Quartett“ und der Klarinettist Markus Hofberger. Die jungen Musiker spielten für die Konzertreihe „Podium für junge Solisten“ im Tegernseer Barocksaal, und begeisterten restlos das Publikum im ausverkauften Saal.

Die erste Hälfte des Abends bestritt das Streichquartett mit Florian Schötz, Violine, Pinchas Adt, Violine, Christoph Vandory, Viola und Raphael Paratore, Violoncello, mit einer strategischen Auswahl von Werken. Als erstes feierten die vier Virtuosen die Moderne, und ließen ein Stück in drei Sätzen der ihnen persönlich bekannten kanadischen Komponistin Ana Sokolovic erklingen, ein musikalisches Triptychon in Anlehnung an die Commedia dell‘Arte.

Streicherklänge als Masken

Die Charaktereigenschaften der hier auftretenden Masken der Commedia schlüpfen dabei in die Streicherklänge und der verschlagene „Brighella“ machte den Anfang. Behände schnellen seine Schritte, sein Blick um die Ecken, er pfeift und beschwert sich ob seines schweren Dienerdaseins. Die Musiker klopfen auf den Korpus ihrer Instrumente, zupfen und schrammeln auf den Saiten. Die pompöse „Signora“, deren Rolle der Bratsche zugetragen ist, sagt allen an wie es läuft und ihr langgezogener Ton drückt jede Nuance ihres Willens aus. Mal entschlossen, mal zornig, mal andeutend, mal kommandierend treibt sie die anderen Instrumente vor sich her.

Die „Innamorati“ ertönen mit stetem, verzehrendem Herzklopfen, vom Zupfen des Cellos dargestellt, und schmachten in der Atembewegung des Ensembles, halten die Luft plötzlich an und umarmen sich. Hervorragend fühlten sich die vier Streicher mit Raffinesse und Lust an der klanglichen Darstellung in die drei Figuren ein, dies spürte auch das Publikum, welches die äußerst zeitgenössischen Klangbilder bereitwillig aufnahm.

Emotionale Übertragung und gemeinsames Empfinden

Beethovens Streichquartett C-Dur op. 59 Nr. 3 führte in klassische Gefilde, und die vier Musiker beleuchteten auf geniale Art und Weise, mit Lebendigkeit und Spannung sowohl die formale Struktur als auch die thematischen Entwicklungen und den intensiven und facettenreichen Ausdruck, der dieses Werk beseelt. Dramatisch den akkordischen Beginn, bedächtig erzählend im Andantino con moto, und leidenschaftlich mitreissend im Allegro molto, eine Streicherkavalkade, welche noch mal die hohen Qualitäten des Goldmund Quartetts hervorstechen ließ: perfektes Zusammenspiel, emotionale Übertragung und gemeinsames Empfinden im Ensemble.

Markus Hofberger, Klarinettist aus Schliersee, ehemaliger Schüler von Harald Roßberger an der Sing- und Musikschule Tölz,1. Preisträger beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, nun Student der Musikhochschule München unter Ulf Rodenhäuser, gesellte sich zum Goldmund Quartett für Mozarts Klarinettenquintett KV 581.

Leuchtender tänzerischer Traum

Das Ensemble wurde mit farbenfroher Tongebung und homogener Sensibilität der überwältigenden Schönheit dieses Werkes umfänglich gerecht. Eigenen, gemütlichen Zauber legte es in den ersten Satz, Allegro, ließ das Larghetto wie eine Seelenwohltat wirken, mit Atemführung von berührender Emotion wie die innige Umarmung eines lieben Menschen, als ob die Musik alles Leid wegtragen würde. Elastisch kam das Auftrumpfen des Menuett hervor, mit nachdenklichem Streicher-Trio und zweitem Klarinetten-Landler Trio stimmig und klangschön. Der Finalsatz, als Thema und Variationen konzipiert, wurde ein leuchtender, tänzerischer Traum, voller immer neuen Wendungen und Klangfarben.

Ein berührtes und begeistertes Publikum zollte den fünf Musikern langen Applaus und wurde mit dem Thema des letzten Satzes nochmal belohnt.

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