Kitsch- und kulissenfrei bauen im alpinen Raum

Naturhotel Tannerhof Bayrischzell – die Türme

Naturhotel Tannerhof Bayrischzell – die Türme. Foto: Ines Wagner

Vortrag in Bayrischzell im Rahmen der MCBW

Dass es gelingt, Kitsch- und Kulissenfrei im alpinen Raum zu bauen, bewies Architekt Florian Nagler am Tannerhof in Bayrischzell. Seine modernen „Türme“ verbinden sich mit der Landschaft und den „Lufthütten“ von 1905. In einem spannenden Vortrag erläuterte er seine Philosophie des alpinen Bauens.

Im Rahmen der Landkreispartnerschaft mit der Munich Creative Business Week (MCBW) suchte die SMG Regionalpartner, die sich und Ihr Unternehmen präsentieren. Einer der „creative player“ ist das Naturhotel Tannerhof in Bayrischzell. Die Inhaber in vierter Generation, Burgi von Mengershausen und Roger Brandes, luden Architekt Florian Nagler zu einem hochinteressanten Vortrag an den Tannerhof.

Burgi von Mengershausen und Roger Brandes zur Einleitung zum Architekturvortrag von Florian Nagel
Tannerhof in vierter Generation: Burgi von Mengershausen und Roger Brandes. Foto: IW

“Projekte im ländlichen Raum bieten ein hohes Potential der Gestaltung unter Einbeziehung der Landschaft“, so Florian Nagler. Nur käme der ländliche Raum immer etwas zu kurz, selbst in den Architekturfachbereichen. Dem wirkt er entgegen in seiner Lehrtätigkeit als Dozent, aus Liebe und Verbundenheit zum Land.

Pragmatisch, ressourcenschonend und schön

Das Bauen auf dem Land erfordere ganz andere Herangehensweise, meint der Architekt, der in Thanning aufwuchs. Wie kann die Landschaft eingebunden werden, dass sie nicht Bühne ist, sondern Partner? Wie kann ein zeitgemäßes Wohnen auf dem Land aussehen? Florian Nagler ist vor allem eines wichtig: Genau darüber nachzudenken, wie sich das Projekt umsetzen lässt, damit es zwar pragmatisch, aber ressourcenschonend ist, zwar mit kleinem Budget erbaut, aber ohne darauf zu verzichten, dass es auch „schön“ wird: „Das interessiert mich bis hin zur letzten Schraube, bis zum letzten Detail“.

Sein ungewöhnlichstes Projekt auf dem Land: ein Kuhstall, der wie eine offene Kathedrale wirkt. Die Vorgabe war, dass der Architekten-Kuhstall nicht teurer werden darf als ein Fertigstall. Die Lösung: Hohe Eigenleistung des Bauherrn. Das erforderte, dass alles mit Handkreissäge und Akkuschrauber zu bauen war, mit eigenem Holz aus dem Wald und der Zusammenarbeit mit dem Sägewerk in der Nachbarschaft.

Alte Tenn am Tannerhof: Alt und Neu zusammengeführt.
Alte Tenn am Tannerhof: Alt und Neu zusammengeführt. Foto: Ines Wagner

Beim Tannerhof berührte ihn der Spruch „Mensch, werde wesentlich“. Die Aufforderung, seinen Konsum zu überdenken, führte den Nagler dahin, auch Architektur noch einmal anders zu überdenken: „Worum geht es, was kann man weglassen, mit welchen Materialien baut man sinnvoll und nachhaltig?“ Der alte Tannerhof sollte umgebaut, modernisiert und erweitert werden, unter Einbeziehung der einzelnstehenden „Lufthütten“ aus dem Jahr 1905 und der alten, zum Teil denkmalgeschützten Bausubstanz.

Nicht trennen, sondern zusammenführen

Die Lösung war ein Umbau des Haupthauses mit Aufstockung und der Anbau einer Orangerie, die die Alte Tenn mit dem Anbau der 50er Jahre und dem Badehaus verbindet. Alt und Neu sollten dabei nicht getrennt nebeneinanderstehen, sondern schlüssig zusammengeführt werden.

Architekt Florian Nagler (Rechts) beim Rundgang
Architekt Florian Nagler (Rechts) beim Rundgang. Foto: Ines Wagner

Spektakulärstes Unterfangen war der Bau der vier dreistöckigen Türme. Damit die Bewohner echtes Hüttenfeeling trotz der drei Etagen erleben, wurden Eingänge von außen direkt in jedes Zimmer angelegt. Die eingeschnittenen Treppenaufgänge sind hervorragend gelöst, von außen bleibt die rechteckige Form erhalten. Die Türme passen sich mühelos in die Landschaft ein und bieten eine spektakuläre Aussicht aufs Tal und den Wendelstein. Somit führte Florian Nagler die Idee der Lufthütten aus 1905 in die Gegenwart und in die Moderne – mit klarer alpiner Architektur und ehrlichen Materialien, die in Würde altern können und dürfen.

Die Orangerie wurde an die Baumallee angebaut. Foto: Ines Wagner
Die Orangerie wurde an die Baumallee angebaut. Foto: Ines Wagner

Davon konnten sich die zahlreichen Interessenten des Vortrages bei einem anschließenden Rundgang übers Tannerhofgelände überzeugen. Bauen im alpinen Raum muss weder angepasst, noch kitschig sein. Nicht nur die zahlreichen Architekturpreise, auch die inzwischen schöne Patina und die heimelige Winterbeleuchtung haben schließlich auch die Bayrischzeller mit ihren „Türmen“ versöhnt. Manchmal braucht es eben Visionäre, Unbeirrbarkeit… und etwas Geduld.

Hangplan Tannerhof
Hangplan Tannerhof – wie ein kleines Dorf. Foto: Naturhotel Tannerhof

Weitere Veranstaltungen am Tannerhof finden Sie auf der Website unseres Kulturpartners.

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