Barocke Orgelklänge

Festival "Clavis"

Organisatorin Natalia Panina-Rummel, Olga Kotlyarova (Vorsitz der Jury), Grace Eun Hye Oh, Seonah Bak, Marie Pochopova, Matthias Hefter (Vorsitzender des Pfarrgemeinerates). Foto: Conni Hefter

Konzert in Holzkirchen

Im Rahmen des 5. Internationalen Festivals der Klavierkunst “Clavis” präsentierten die drei Teilnehmerinnen aus den USA, Südkorea und der Tschechischen Republik höchste Orgel- und Cembalokunst in der Holzkirchner St. Josef Kirche und stellten sich in einem anspruchsvollen Wettbewerb den Juroren.

Die renommierte russische Pianistin und Organistin Olga Kotlyarova, die am selben Abend noch ein Solokonzert in der St. Josef Kirche absolvierte, leitete die Jury, in der neben dem Kirchenmusiker Bernhard Gillitzer auch Heinrich Bentemann vom Max-Rill-Gymnasium Schloss Reichersbeuern die Bewertung durchführte. Keine leichte Aufgabe, da die drei Wettbewerbsteilnehmerinnen die ausgewählten Werke bravourös meisterten. Begrüßt und eingeführt wurden Juroren, Mitwirkende und Zuhörende von der Musikerin und Musikpädagogin Natalia Panina-Rummel.

Grace Eun Hye Oh aus den USA

Die erste Interpretin hatte sich für ihren Vortrag zunächst Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge E-Dur BWV 566 ausgesucht. Dieses Orgelwerk aus der Arnstädter Zeit gestaltete Grace Oh hinreißend intensiv und mit virtuoser Pedalführung. Dabei entfaltete sie das vierteilige Werk mit zwei Fugen prächtig, fast majestätisch und zeigte die Tonsprache des Stücks sicher auf. Mit viel Schwung wenden sich die Akkorde in der Schlussfuge ihrem Ziel entgegen. Auch in diesem Abschnitt konnte die Organistin fast mühelos ihre Spieltechnik präsentieren.

Festival "Clavis"
Grace Oh und Seonah Bak. Foto: Natalia Panina-Rummel

Auf den französischen Komponisten und Organisten Nicolas Clerambault (1675-1749) folgte die Toccata Septima aus dem Apparatus Musico Organisticus des österreichisch-deutschen Barockkomponisten Georg Muffat (1653-1704). Auch diese Stücke gelangen der Amerikanerin äußerst akzentuiert mit klarer Aussage. Sie interpretierte von leicht bis heftig und getragen die unterschiedlichsten Klangfarben ausdrucksvoll und mit großer Hingabe.

Seonah Bak aus Südkorea

Die 2.Wettbewerbsteilnehmerin hatte vier Stücke ausgewählt. Sie begann mit dem E-Moll Präludium des norddeutschen Barockkomponisten Nicolaus Bruhns (1665-1697). Bruhns hinterließ aufgrund seines frühen Todes nur vier vollständige Orgelwerke. Das “Große” Präludium besteht aus zwei voneinander unabhängigen Fugen mit Vor-, Zwischen- und Nachspiel. Das Werk klingt eigenwillig und enorm vielfältig. Die Interpretin bietet die unterschiedlichen Tonfolgen eindrücklich dar. Von ruhig bis rufend, in Dialogen trällernd, fröhlich anmutig und sanft wiegend bis heftig intensiv beherrscht die Organistin das ganze Repertoire.

“Mein junges Leben hat ein End” des Niederländers Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621) heißt ihr nächstes Stück, das sie mit vollem Klang und großer Empathie spielt. Auf ein Stück von Francois Couperin (1668-1733) folgte auch bei der Südkoreanerin ein Stück von J.S. Bach, das Präludium in Es-Dur BWV 552/1.

Festival "Clavis"
Anastasia Sobyanina. Foto: Natalia Panina-Rummel

Marie Pochopova aus der Tschechischen Republik

Mit dem Bach Präludium Es-Dur BWV 552 beschäftigt sich auch die letzte Teilnehmerin. Aus diesem Werk bringt die Künstlerin die “Clavier Übung III” zu Gehör. Zunächst gelingen ihr an der Orgel hoch komplexe Themen, die virtuos ineinandergreifen, eine erhebende, ergreifende Kirchen- und Choralmusik, die teils scharfe Kontraste setzt und dann wieder fast weich und harmonisch wirkt. Bei ihrem Cembaloauftritt verzaubert Marie Pochopova mit den Vier Duetten BWV 802-805 aus der Clavier Übung. Sie folgen in einem harmonischen Ablauf und präsentieren sich als “Kleinzyklus”, als universelle Einheit sowohl im Klang als auch in der Durchführung der Interpretin. Geschmeidig im Anschlag, zart und intensiv in der Ausstrahlung setzt sie den Kosmos in Szene. Zuletzt präsentiert sie die Fuge aus der Clavier Übung und überzeugt mit erkennbarer Spiritualität.

Es gibt nur Gewinnerinnen

Welche Teilnehmerin hat nun den Wettbewerb gewonnen? Dass es eine schwierige Entscheidung werden würde, war angesichts der Leistungen der Bewerberinnen klar. Die Juroren haben es sich nicht leicht gemacht. Sie vergaben keinen ersten Platz. Zweite wurde Grace Oh aus den USA. Ihr wurde zusätzlich ein Sonderpreis zuerkannt. Sie erhielt eine Einladung nach Sankt Petersburg zu einem Solo-Orgelkonzert im Herbst. Den dritten Platz teilten sich Marie Pochopova und Seonah Bak.

Am 8. Juni um 19.00 Uhr findet im Franzmühlesaal in Bad Tölz ein Galakonzert statt.

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