Die grüne Lüge

Die grüne Lüge

Kathrin Hartmann und Werner Boote im Supermarkt. Foto: LittleDreamEntertainment

Buch- und Filmtipp von KulturVision

Greenwashing, so heißt ein Geschäftsmodell, das Unternehmen zunehmend anwenden. Die Journalistin Kathrin Hartmann enttarnt in ihrem Buch zum Film Werner Bootes „The green lie“ die Versprechungen der Konzerne, die sich bio, öko, nachhaltig und fair nennen.

Kathrin Hartmann befasst sich schon seit zehn Jahren mit dem Thema. 2009 erschien ihr Buch „Das Ende der Märchenstunde“ und 2015 „Aus kontrolliertem Raubbau“. Es sei ihr Lebensthema, sagt sie. Die Konzerne würden sich aus der Verantwortung stehlen, gutes Gewissen beim Konsumenten verbreiten, aber gleichzeitig das Problem in andere Länder verlagern.

Das Falsche stellt sich als Gutes dar

„Greenwashing ist ein wesentlicher Bremsklotz, der die notwendigen Veränderungen hin zu einer wirklich fairen Welt verhindert“, erklärt sie im Gespräch. Sie sehe ihre Aufgabe darin, das Falsche, was sich als Gutes darstelle, zu entlarven.

Losungen wie „Saufen für den Regenwald“ von Krombacher oder das Versprechen von Iglo, einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf von Fischstäbchen für WWF zu spenden seien der Anfang gewesen. Inzwischen aber habe es sich verfestigt. Viele Konzerne seien auf den Zug aufgesprungen und es werde immer schwerer sie zu entlarven.

Drei Erden für Deutschland

In den siebziger Jahren, so Kathrin Hartmann, habe man in Deutschland Folgen der Umweltzerstörung noch regional spezifizieren können, wie die Verseuchung des Rheins oder saurer Regen. „Heute aber wird das ausgelagert und wir ahnen nur, dass irgendetwas nicht richtig ist.“ Letztlich brauchen wir drei Erden, um unseren Konsumhunger in Deutschland zu stillen.

Die grüne Lüge
Kathrin Hartmann und Werner Boote im Gespräch mit einem Terena-Häuptling. Foto: LittleDreamEntertainment

„Unsere Supermarktregale sind voll und in Brasilien wird den Menschen der Boden gestohlen, um Rinderherden zu züchten“, bringt die engagierte Journalistin die Verdrängungsstrategie auf den Punkt.
Dazu komme, dass die Menschen hierzulande sich einerseits ohnmächtig fühlen, weil sie sich in den Ökosiegeln nicht mehr auskennen, andererseits aber auch gelegen komme, dass die Konzerne sagen: „Wir retten die Welt.“ Dann könne man ruhigen Gewissens aus dem Supermarkt nach Hause gehen. Die Marketingprofis der Unternehmen seien sehr geschickt und verwenden ähnliche Fotos und Worte wie echte Weltretter.

Verantwortung auf Verbraucher abgewälzt

„Der eigentliche Skandal ist, dass die Verantwortung auf uns Verbraucher abgewälzt wird“, meint Kathrin Hartmann, „ihr müsst nur richtig einkaufen.“ Die Frage aber ist: „Warum dürfen sie so produzieren?“
In ihrem gut recherchierten Buch bringt die Autorin zahlreiche Fakten, die belegen, dass insbesondere für die Produktion von Palmöl in Indonesien riesige Flächen verbrannt werden. Mit 60 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meistverwendete Fett, das in Lebensmitteln ebenso wie in Kosmetika eingesetzt wird. Prompt gibt es eine Initiative, die nachhaltiges Palmöl produzieren will, aber auch das kann die Autorin widerlegen.

Die grüne Lüge
Verbrannte Erde: Werner Boote. Foto: LittleDreamEntertainment

Ein anderes Beispiel ist das Versprechen, Kleidung aus Ozeanplastik herzustellen. Klingt gut, ist aber ein Bruchteil der Herstellungsmenge des Unternehmens und macht nur ein gutes Gewissen. Besser wäre es doch, Plastikmüll zu vermeiden. Oder auch die Alukapseln in den Kaffeemaschinen.

Beispiele für lokalen Widerstand

„Unser Ziel ist die Politik“, sagt Kathrin Hartmann, „wir müssen kämpfen, um die Macht zurückzubekommen, denn die Politik ist für die Allgemeinheit da und nicht für die Konzerne.“ Die Machtlosigkeit müsse durchbrochen werden, hier bei den Konsumenten und in den Ländern, in denen Menschen nach wie vor für unseren Konsum ausgebeutet werden. Und so nennt die Autorin auch Beispiele für lokalen Widerstand.
Wie in Indonesien, wo die Menschen für Selbstbestimmung kämpfen. Und in Deutschland, wo Menschen gegen TTIP auf die Straße gehen und gegen Kohlekraftwerke protestieren.

„Greenwashing ist dafür da, um den Verbraucher zu verwirren“, stellt die Autorin klar. Mit ihrem Buch und Werner Bootes Film „The green lie“, an dem sie mitarbeitete, klärt sie auf.

Kathrin Hartmann „Die grüne Lüge – Weltrettung als profitables Geschäftsmodell“ Blessing München 2018. „The green lie/Die grüne Lüge“ Film von Werner Boote, ab 22. 3. im Kino. Im Foolskino Holzkirchen läuft er am 12.04.2018 um 18:00 Uhr, am 16.04.2018 um 18:00 Uhr und am
18.04.2018 um 20:30 Uhr

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