
Pralle Lebensfreude
Christian Peschke. Foto: MZ
Ausstellung in Tegernsee
„Impressionen des Künstlers“ nennt Christian Peschke seine Ausstellung im Alten Schalthaus Tegernsee. Sie ist eine eindrucksvolle Schau des Werkes des Bruckmühler Künstlers, an der sich der Betrachter kaum satt sehen kann.
Das liegt wohl in erster Linie daran, dass Christian Peschke mit seinen Plastiken und seinen Bildern ein unvergleichliches Gefühl des Lebens vermittelt. Das tut er bei den Bildern durch die Farbe und Komposition, das tut er in der Plastik durch seine besondere vitale Formgebung.
Die meisten Skulpturen sind weiß, prall, rund. Weiß, weil der Künstler mit einer Marmor-Polymer-Gemisch arbeitet, das er nach dem Guss fein poliert. Seine zumeist weiblichen Figuren sind voller Bewegung, voller Vitalität und voller Lebensfreude. Christian Peschke beginnt mit der Zeichnung, aber die wirkliche Bewegung erzeugt er erst beim Modellieren. Ein Modell brauche er nicht, sagt er, denn er probiert sämtlich Haltungen selbst aus.
Wärme und Geborgenheit
Dabei entstehen diese unvergleichlichen, stark erotischen, aber nie sexistischen Formen, die Wärme und Geborgenheit ausstrahlen, die harmonisch, schön und lebensbejahend auf den Betrachter wirken. Woher er seine Ideen beziehe? Peschke erzählt, dass er schon mit 12 Jahren an der Stuttgarter Akademie studierte, dann aber dem Wunsch des Vaters nachgab und das Malerhandwerk erlernte. Später studierte er Grafik Design, gab aber seine Stelle als Kreativdirektor mit 36 Jahren auf, denn plötzlich waren diese Figuren da und drängten danach, gestaltet zu werden.
Um die Skulpturen herum hat der Künstler seine Malerei gruppiert. Auffallend ist zunächst die starke Farbigkeit in rot, grün, blau und gelb in vielschichtigen Schattierungen. Als zweites fällt ins Auge, dass der Künstler die Komposition verändert, da sind kubistische Anklänge in den Porträts ebenso wie veränderte Perspektiven. Diese assoziativen Möglichkeiten schöpft Christian Peschke voll aus, wobei die Komposition in jedem Falle stimmt.
Abstrahierte Gesichter
Zumeist ist seine Malerei figurativ, zugunsten aber der ausgeprägt sinnlichen Darstellung der Körper bleiben die Gesichter zurückhaltend abstrahiert, oft schemenhaft angedeutet. „Das finde ich spannender als realistische Gesichter“, erklärt Peschke. Neben den Figuren hat er auch Landschaften und Stillleben gemalt.
An der Stirnseite hängt ein großes Bild einer Venezianischen Maske in prächtig rotem Kostüm, die von drei sehr ähnlichen Masken beobachtet wird. Ein anderes Bild zeigt eine schon etwas ältere Frau mit einem Kaktus. „Ihr bester Freund“ erklärt der Künstler und lacht. Man müsse Kunst nicht immer so ernst sehen und intellektualisieren, meint er. Er wird aber ernst, als er auf ein anderes Bild hinweist. Eine Figur sitzt am Strand, um sie herum drei Boote. Eins ist beschädigt, eins ist auf dem Sand, ein drittes frei im Wasser. „Er sehnt sehnt sich nach einer neuen, festen Beziehung“, sagt er. Die Interpretation indes käme immer erst nach der Fertigstellung und eigentlich wolle er dem Betrachter auch eigene emotionale Assoziationen ermöglichen, indem er keine Titel gebe.
Der Besucher der Ausstellung wird sich der Intensität dieser Werke nicht entziehen können, und das ist gut so, denn Christian Peschke kann Lebensfreude und positive Emotionen mit seiner Kunst vermitteln.