Klaus Reichold

Kirchweih mit Herbert Klee

Selbstbildnis. Foto: Petra Kurbjuhn

Gestern wäre Herbert Klee 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass widmete dem renommierten Weyarner Künstler, der 2023 verstarb, die Galerie Bruckmühl eine Ausstellung seiner Karikaturen. Der Münchner Kulturhistoriker Klaus Reichold würdigte Künstler und Mensch Herbert Klee mit einer mitreißenden Laudatio.

Die vielen Menschen, die zu Ehren des Künstlers gekommen waren, drängten sich in der Galerie und blieben schmunzelnd vor den einzelnen Cartoons und Karikaturen stehen. Eine facettenreiche Auswahl habe Tochter Katja Klee getroffen, sagte Galerieleiterin Melanie Rutsch. Jedes Werk erzähle vom Können und Humor des Künstlers.


Dr. Katja Klee. Foto: Petra Kurbjuhn

Vom Menschen Herbert Klee berichtete Katja Klee. Die Kirchweihgans, das sei sein Leibgericht gewesen. Daran knüpfte Laudator Klaus Reichold an und informierte, dass Herbert Klee am Kirchweihsonntag geboren wurde. Er wartete mit Einblicken in das Leben des Ausnahmekünstlers auf, etwa, dass er schon mit 14 seine große Liebe Leslie kennenlernte und mit 19 Vater wurde, dass er gegen seinen Vater rebellierte, mit den 68ern sympathisierte, dass er Holzbildhauer und Grafikdesigner war.


Laudator Klaus Reichold. Foto: Petra Kurbjuhn

„Er gehört zu den arriviertesten Künstlern der Region“, sagte der Redner und er habe großen Respekt vor ihm gehabt, ja, ihn gefürchtet, weil er so genau hingeschaut habe und dass er eine entlarvende Karikatur von ihm fertige. „Das macht den Künstler aus, er lässt sich nicht blenden, geht den Dingen schonungslos auf den Grund und zeichnet mit Vergnügen ironisch und überzeichnet die arroganten selbstgerechten aufgeblasenen Schnösel.“ Dabei zeigte er auf die Tuschezeichnungen „Krawattenbürscherl“.


Papa Sitz!. Foto: Petra Kurbjuhn

„Er nahm den Menschen mit allen Facetten in den Blick“, sagte Klaus Reichold, „er konnte sich über Schönes freuen, aber er hielt ihm auch die Schattenseiten als Spiegel vor“.

Klaus Reichold
Metamorphose I: Aus Vogel Strauß wird Edi Soiber. Foto: Petra Kurbjuhn

Zudem sei er ein politischer Mensch gewesen. Seine „Metamorphosen“ zeigen seine gnadenlose und gleichzeitig enorm witzige Einordnung von Politikern. Aus der Axt wird Helmut Kohl, aus Vogel Strauß Edmund Stoiber.

In seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen werde Herbert Klee oft mit Otto Dix und Heinrich Zille verglichen, erklärte der Redner. „Er hat aus Sozialkritik Kunst gemacht.“


Sängerin I und II. Foto: Petra Kurbjuhn

Die Zeichnungen des Künstlers sind auf das Wesentliche reduziert, so die mit knappen, perfekten Strichen skizzierte „Sängerin“. Die künstlerische Bandbreite Herbert Klees reicht indes von der Zeichnung und Karikatur hin zu Holzschnitt, Ölmalerei, der Kombination von beiden und auch der Skulptur.


Installation zur Wende-Wahl 1983. Foto: Petra Kurbjuhn

Zwei Beispiele von Ölmalerei, die Installation zur Wende-Wahl 1983 und das Selbstbildnis, sind Beispiele dafür. Seine Begeisterung für die Antike und Mythologie, die er in großen Zyklen bearbeitete, ist in einer Zeichnung des „Satyrn auf der Jagd“ präsent.


Tristan und Isolde IV. Foto: Petra Kurbjuhn

Aus seinem Alterswerk „Tristan und Isolde“ hat Katja Klee für die Ausstellung eine Reihe von aquarellierten Tuschezeichnungen ausgewählt. In diesen Werken, so Klaus Reichold, spiegle sich wider, wie Herbert Klee mit seiner bayerischen Heimat in Weyarn verbunden gewesen sei. Die Inspirationen für diese prallen lebensfrohen Figuren habe er zweifelsfrei vom Stammtisch, von Erntedank- und Kirchweihfesten und sie fanden Eingang in sein mittelalterliches, auf Bayern umgemünztes Epos, zu dem er auch die Texte schrieb.


Wende-Wahl 1983, Leslie und Herbert Klee. Foto: Petra Kurbjuhn

Sein Werk, so resümierte der Laudator, ersetze die heutige Kirchweihpredigt, die das zahlreiche Publikum schwänze. Herbert Klee rufe dazu auf: Bleibe wer du bist, lass dich nicht verbiegen, gehe keinen Scharlatanen auf den Leim, mach den Mund auf, wehre dich gegen totalitäre Bestrebungen und setze dich für Frieden, Freiheit, Respekt und Lebensfreude ein.


Florian Burgmayr und Christoph Bencic unter „Musica Viva“. Foto: Petra Kurbjuhn

Den letzten Punkt steuerte die Musik bei. Als „ein musikalischer Traum“ hatte Katja Klee Christoph Bencic und Florian Burgmayr angekündigt, jeder ein großartiger Musiker, zusammen unschlagbar. Christoph Bencic an der Geige und Florian Burgmayr am Akkordeon und an der Tuba begeisterten mit Eigenkompositionen, die sie in feiner Abstimmung und musikalischer Brillanz präsentierten, wobei sie unter den Zeichnungen Herbert Klees „Musica Viva“ saßen.


Galerieleiterin Melanie Rutsch. Foto: Petra Kurbjuhn

Und so wurde wahr, was Melanie Rutsch anfangs gesagt hatte: „Lassen Sie uns den Sonntag mit Herbert Klee feiern.“


Herbert Klee bei der Kunstausstellung Irschenberg 2023. Foto: Petra Kurbjuhn

Zum Weiterlesen:
bella figura – Menschenbilder von Herbert Klee

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