
Festhalten an den Grundrechten
Hilo Fuchs mit der Schüssel „Festalten an den Grundrechten“. Foto: MZ
Ausstellung in Rottach-Egern
Zur Eröffnung der Demokratiewochen Tegernseer Tal startete am Samstag im Mehrgenerationenhaus Rottach-Egern das interaktive Kunstprojekt von Hilo Fuchs „Die Grundrechte gehören auf den Tisch“. Die Vernissage wurde filmisch von Laura Jung und musikalisch vom Zither-Manä begleitet.
Vor einem Jahr präsentierte die Tegernseer Keramikkünstlerin Hilo Fuchs zur Tegernseer Kunstausstellung einzelne Objekte ihres Projektes:
Lesetipp: „Die Grundrechte gehören auf den Tisch“
Jetzt ist erstmals das komplette Tafelservice zu sehen, das sich auf ganz besondere Weise mit den Artikeln des Grundgesetzes befasst. „Das Thema ist so wichtig, es ist ein Schatz“, betont Hilo Fuchs. Und sie wolle die hehren Grundrechte auf einen einfachen Nenner, als Service auf den Tisch bringen. „Wenn man auftischt, dann wird geredet.“

Artikel 2. Foto: MZ
Für jeden Artikel hat sie ein Objekt gefertigt, etwa Artikel 2 über die Freiheit und Unversehrtheit. Dies sei ihr Lieblingsartikel betont sie, denn die persönliche Freiheit sei ein großes Gut und nur in der Demokratie gewährleistet. Ebenso die Unversehrtheit. „Wir werden vom Staat geschützt“, betont sie, „unsere Lebensmittel und Putzmittel sind nicht kontaminiert, das ist so selbstverständlich für uns“. Begleitend zur Ausstellung hat Hilo Fuchs eine Broschüre erstellt, in der Hintergrund und die einzelnen Arbeiten vorgestellt und erklärt werden.

Zu Artikel 2. Foto: MZ
Die freie Entfaltung der Persönlichkeit, insbesonere der Frau, sei ihr sehr wichtig, sagt die Künstlerinl Und so liegt die sehr spärlich bekleidete Frau mit einem Cocktail im Deutschlandboot, selig lächelnd.
Hilo Fuchs erzählt, wie sie einmal im Supermarkt auf unzufriedene Menschen getroffen sei, die ein goldenes Zeitalter heranbeschworen hätten. „Da habe ich die Grundrechte verteidigt, ohne sie richtig zu kennen.“ Danach habe sie als erstes die Schüssel „Festhalten an den Grundrechten“ gefertigt und sich weiter intensiv mit allen Artikeln auseinandergesetzt.

Birgit Schießl, Hilo Fuchs und Zither Manä mit den Jugendlichen der Film-AG und deren Leiterin Laura Jung (l.) vor dem Tafelservice. Foto: MZ
Zur Vernissage gab sie einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes und betonte: „Noch nie ging es uns so gut wie heute.“ Damit es so bliebe, müsse ein jeder etwas tun. Hinhören, hinschauen, Informationen prüfen und Respekt zeigen. „Meine Botschaft ist: Seit 80 Jahren haben wir Frieden und Freiheit, setzen wir uns für eine starke Demokratie ein.“
Die Ausstellung möge ein Beitrag dafür sein. Auch die Leiterin des Mehrgenerationenhauses Birgit Schießl und Simone Amann, Kreisgeschäftsführerin der Caritas, hoben hervor, dass die Arbeiten von Hilo Fuchs dazu einladen, ins Gespräch zu kommen und miteinander über die Grundlagen unseres Zusammenlebens nachzudenken. Die Künstlerin habe ein abstraktes Thema, das in die Mitte der Gesellschaft gehöre, anschaulich gemacht und nun müsse es mit Leben gefüllt werden.

Teller zu Artikel 7. Foto: MZ
Zu diesem Zweck hatte die Künstlerin einen Workshop „Grundrechte überall“ angeboten, an dem Jugendliche, Menschen mittleren und älteren Semesters teilnahmen. Auch die Ergebnisse dieses Workshops sind in der Ausstellung zu sehen.
Zudem wird das Projekt von der Filmemacherin Laura Jung mit Jugendlichen ihrer Film-AG begleitet. „Wir haben einen Tag bei Hilo gedreht und beim Workshop Interviews mit den Teilnehmenden geführt“, erzählt Laura Jung, die sich vom Thema des Projekts begeistert zeigte.

Clara mit ihrem Lieblingsobjekt. Foto: MZ
„Die Grundrechte sind extrem wichtig“, betont Clara. Die 16-jährige Schülerin des Gymnasium Tegernsee ist als Drehbuchautorin und Regisseurin Mitglied der Film-Ag. „Sie sorgen dafür, dass wir nicht in einer Diktatur leben, dass niemand ausgegrenzt wird, sondern alle Menschen gewürdigt werden und kein Hass verbreitet wird.“ Ihr Lieblingsartikel ist Artikel 8 des Grundgesetzes, der Versammlungsfreiheit garantiert.
In den Genuss eines vierzigminütigen Konzerts kamen die zahlreichen Besuchenden der Vernissage zum Abschluss der Veranstaltung. Der Zither-Manä, der dieses Jahr seit 46 Jahren auf der Bühne steht, drückte seine Verbundenheit mit den Grundrechten musikalisch und mit Textbeiträgen aus. „Damals vor 46 Jahren war die Welt noch in Ordnung, heute ist sie aus den Fugen“, konstatierte er. „Setzen wir auf Menschlichkeit und Kultur.“

Der Zither-Manä begeisterte das Publikum. Foto: MZ
Seine kongeniale Mischung auf der Zither von Volksmusik, Blues und Rock, von eigenen kritischen ebenso wie humorvoll-satirischen Texten begeisterte das Publikum und stimmte es ebenso nachdenklich. „Mit Streit kommen wir nicht weit“ beendete er sein Lied über die Politiker, sorgte mit Manäs Harps Blues für Mitwippen und wurde ernst mit seiner Hommage an die ermordete Anna Politkowska.
Den Rechten der Frau widmete er einen Blues und natürlich durfte der „Lago di Bonzo“ am Tegernsee nicht fehlen. Seine Sorge über die Entwicklung in den USA drückte er aus und beendete sein Konzert mit „Die Gedanken sind frei“. Nicht ganz, denn das Publikum forderte eine Zugabe.
Die Gäste der Vernissage waren eingeladen, selbst aktiv zu werden und sich in einem interaktiven Teil mit den Grundrechten auseinanderzusetzen und an einem Gewinnspiel teilzunehmen.