
Was ist weiße Trauer?
Anne-Katrin Schulz vom Institut aufschwungalt spricht im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche im Waitzinger Keller in Miesbach. Foto: Institut aufschwungalt
Veranstaltungen zur Bayerischen Demenzwoche
Dem an Demenz erkrankten Menschen auf der Spur bleiben, ihn nicht loslassen, verstehen, was in ihm vorgeht. Diese Intentionen kommen in zwei Veranstaltungen im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche zum Ausdruck, die Kultur, soziale Anliegen und medizinische Aufklärung in den Mittelpunkt stellen.
Die Bayerische Demenzwoche ist eine Aktion, die vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention initiiert und koordiniert wird. Landesweit finden dabei Veranstaltungen statt, die thematisch von der Demenzfrüherkennung bis hin zur demenzsensiblen Palliativversorgung reichen. Für Miesbachs Landrat Jens Zangenfeind ist es wichtig, sich mit Demenz zu befassen, da der Krankheit immer mehr und immer häufiger im Alltag begegnet werde. „Wir möchten Betroffene und deren Familien und Freunde unterstützen, aufklären und begleiten“, schreibt er im Grußwort für die Auftaktveranstaltung in Miesbach am 22. September 2026.
Literarisch-musikalische Annäherung
Zuvor, am Sonntag, 20. September 2026 um 18.00 Uhr, findet im Kultur im Oberbräu (Foolstheater) in Holzkirchen ein literarisch-musikalischer Abend statt, den der Liedermacher Roland Hefter und die Autorinnen Selina Benda und Isabella Krobisch gestalten. Die poetischen Notizen von Isabella Krobisch sind berührende Zwiesprachen mit Demenzerkrankten, während die Kurzgeschichten von Selina Benda ein Licht auf intime Momente und tiefe Gefühle werfen.

Unter dem Banner der Bayerischen Demenzwoche finden landesweit Veranstaltungen statt. Foto: Bayerische Demenzwoche
Was sagt die Wissenschaft?
In Miesbach finden am Dienstag, 22. September von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr im Waitzinger Keller unter Federführung der Fachstelle für Soziales und Senioren am Landratsamt Miesbach drei spannende Fachvorträge statt. Zum einen geht es um Fragen wie etwas „Was bedeutet es, wenn eine Demenz diagnostiziert wird?“, „Wie kann man möglicherweise eine Demenz verhindern, auch im fortgeschrittenen Alter und was sagt die Wissenschaft dazu?“ Dazu wird Stefan Lorenzl (Chefarzt der neurologischen Abteilung im Krankenhaus Agatharied) in seinem Vortrag mit dem Titel „Demenz – ein behandelbares Schicksal“ sprechen.
Verstehen und Selbstwirksamkeit
Zudem gibt Florian Ruggaber unter dem Titel „Umgang mit Demenz im Alltag – für Betroffene und Angehörige“ Einblicke in das Krankheitsbild, die häufigen Erscheinungen der Erkrankung und wie Betroffene, Angehörige und Mediziner damit umgehen können. Im Verlauf einer Demenzerkrankung erleben Betroffene verschiedene Beschwerden und oft ganz unterschiedliche Verläufe. Daher stellen sich eine Vielzahl von Fragen, wie Florian Ruggaber (kbo-Lech-Mangfall Kliniken Agatharied) weiß: Wie kann ich als Betroffener, wie als Angehöriger die Phänomene verstehen, die ich beobachte? Und wie kann ich damit umgehen, Abhilfe schaffen, selbstwirksam sein?
Weiße Trauer
Schließich referiert Anne-Katrin Schulz vom Institut aufschwungalt aus München über weiße Trauer. „Weiße Trauer“ bei Demenz meint, dass die Trauer lange vor dem Abschied beginnt. Wenn sich ein vertrauter Mensch durch Demenz nach und nach verändert, erleben Angehörige einen Verlust, obwohl der Mensch noch da ist. Karin Priller vom Sozialamt der Stadt Miesbach hat überdies regionale Einrichtungen und Fachstellen eingeladen, die sich mit Infoständen im Festsaal des Waitzinger Kellers präsentieren und wertvolle Einblicke in ihre Arbeit bieten.