
Menschliche Typen auf die andere Art
Andreas Knobl vor „Yellow – Happy IKEA Bird“. Foto: MZ
Ausstellung in Tegernsee
„Welcome to the opera“ nennt Andreas Knobl seine aktuelle Ausstellung in der Galerie Orange in Tegernsee, die erstmals gezeigt wird. Zu sehen sind aber weder Tenöre noch Soprane, auch kein Publikum, sondern Vögel.
Es sind Vögel in typischer menschlicher Charakterisierung. Vögel, die eine Rolle spielen, so wie in der Oper und ebenso opulent und dramatisch dargestellt, wie die Oper inszeniert ist. Betrachtet man die Vogeltypen, dann erscheinen sie als Spiegel, man erkennt sich und andere und man muss lächeln.
Und es sind keineswegs Karikaturen, sondern die Vögel verkörpern in ihrer Mimik, Gestik, aber auch in ihrer äußeren Ausstattung, ein wenig überzeichnet, wie die Oper halt ist, die menschlichen Leidenschaften in ihrer Breite.
Farbenfroh und beste Qualität
Das Ganze gemalt in bester Qualität, detailliert und äußerst farbenfroh. Kein Wunder, Andreas Knobl absolvierte seine Ausbildung in der Meißener Porzellanmanufaktur, wo er als Miniatur- und Landschaftsmaler arbeitete, und detailliertes Malen lernte. Nach seiner Flucht im August 1989 über Ungarn in die Bundesrepublik Deutschland setzte er seine Porzellanmalerei an der Nymphenburger Porzellanmanufaktur fort, gründete aber schon 1991 in Lenggries sein eigenes Atelier mit eigenen Kollektionen und fertigte Auftragsarbeiten für Porzellanmanufakturen und Schmuckdesigner.
Herzensprojekt von Andreas Knobl
Zudem veröffentlichte Andreas Knobl Bücher über Porzellanmalerei und startete eine weltweite Unterrichtstätigkeit, die er auch heute noch in seinem Studio in Lenggries anbietet.
Seit zwanzig Jahren widmet sich der Wahlbayer der freien Malerei in größeren Formaten. Die Vogelserie sei sein Herzensprojekt, verrät er, denn in diesen inszenierten Bildern verbergen sich Geschichten, Dramen, wie in der Oper.

„Coq au vin“ und „a windy day“. Foto: AK
Der stolze Commander of the Kitchen, der Coq au Vin mit der voluminösen Kochmütze schaut ebenso selbstbewusst daher wie der Vogel, dessen Kopfputz durch den windigen Tag aufgebläht wird.

„Diva“ und „Divorced“. Foto: AK
Der kürzlich geschiedene Vogel schaut ein wenig verloren in die Gegend und einige herumfliegende Federn zeigen, dass er wohl etwas gerupft wurde. War es etwa die aufgedonnerte Diva neben ihm, die ihn so zerzaust hat? Zuzutrauen wäre es dieser echauffierten Dame mit ihrem Schal in türkis, der ihre Dramatik symbolisiert.
Wie in allen Bildern zeigt sich hier die feine von hinten aufgebaute ziselierte Malerei mit intensiven Farben. Der Fokus liegt immer im Vordergrund, während der Hintergrund einfarbig bleibt.

„Emperor“ und „only red the glamour bird“. Foto: AK
Der Farbrausch wird in „only red the glamour bird“ besonders deutlich. Der Vogelkopf wächst aus dem knalligen, intensiven Rot heraus. Dazu passt der Imperator, etwa Louis XiV, der Macht und Imposanz verkörpert, gleichzeitig aber Distanz zum Betrachter, indem er sich leicht zurücklehnt. Andreas Knobl hat hier die barocke opulente Welt voll in seiner Malerei ausgedrückt.
Eine lustige Geschichte verbirgt sich hinter dem Titel des Bildes „Yellow – Happy IKEA Bird“. Er habe bei einem Einkauf im schwedischen Möbelhaus ein blau-gelbes Westernhemd getragen und sei permanent von suchenden Kaufwilligen als IKEA-Mitarbeiter geortet worden und selbst nicht zum Einkauf gekommen, erzählt Andreas Knobl, auch bei unserem Treffen in Balu-Gelb gewandet.

„on the run“ und „night hunter“. Foto: AK
Neben den Porträts fällt das Bild „on the run“ aus dem Rahmen, denn dieser Vogel ist vollständig abgebildet, vor einem dramatischen Hintergrund scheint auf der Flucht vor der Dunkelheit ins Licht zu sein. Er springt, ist aber noch nicht auf dem Boden angekommen. Der geneigte Kopf aber deutet an, dass er schon das Licht ahnt. Im Gegensatz dazu symbolisiert der „night hunter“ die nächtens unterwegs agierenden Typen. Er schaut ziemlich bedrohlich unter seiner blauen Federpracht hervor.

„the elegant french“ und „drag queen“. Foto: AK
Ein typischer Franzose in den Landesfarben mit elegantem Schwung betrachtet die Drag Queen, die sich selbstbewusst aus dem Bild herausdreht.
Die Serie besticht durch ihre malerische Qualität ebenso wie durch die gekonnte Erfassung menschlicher Charaktereigenschaften, aber umgemünzt auf den Vogel. Sie strahlt Heiterkeit aus und so mancher Betrachtende kann sich im Spiegel wieder erkennen.
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